Scheidung der Landesbischöfin: Hannoversche Landeskirche weist Kritik zurück

Nachricht 16. Juni 2007

H a n n o v e r (idea) – Der Präsident des hannoverschen Landeskirchenamts, Eckhart von Vietinghoff, hat Kritik am Umgang der Landeskirche mit der angekündigten Scheidung von Landesbischöfin Margot Käßmann zurückgewiesen. Der Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der EKD, Prof. Axel von Campenhausen (Göttingen), hatte gegenüber idea kritisiert, „dass alle, die in der Landeskirche das Sagen haben“, zur Scheidungsfrage schwiegen. Mit der Scheidung werde die Glaubwürdigkeit der Kirche berührt. „Die Ehe einer Bischöfin und eines Pfarrers ist keine Privatsache“, so von Campenhausen.

Von Vietinghoff erinnerte am 15. Juni bei der Tagung der Landessynode vor Journalisten an die Erklärung des Kirchensenats vom 10. Mai. Das Gremium hatte die Ankündigung der Bischöfin mit „großer Betroffenheit“ zur Kenntnis genommen und versichert, „der Bischöfin in dieser schwierigen Situation zur Seite zu stehen und sie in der bewährten Führung ihres Amtes zu unterstützen“. Von Vietinghoff zufolge hätte sich der von ihm „hochgeschätzte Prof. von Campenhausen“ bei präziser Kenntnis der Kirchenverfassung gar nicht äußern müssen. Denn im Kirchensenat seien Repräsentanten aller kirchenleitenden Organe vertreten. Die Erwartung, dass sich Einzelne in dieser Angelegenheit mit anderen Worten oder anderen Schwerpunkten wiederholen, gehe an der Verfassungsordnung vorbei. Die Aussagen des Kirchensenats seien die Position der Landeskirche: „Deshalb wird auch niemand mehr sagen.“ Nach den Worten des Kirchenamtspräsidenten ist „voll nach der Rechtsordnung der Landeskirche“ verfahren worden – wie im Falle jeder Pastorin und jedes Pastors: „Jeder, der etwas anderes entgegensetzt, lügt.“ Die Bischöfin habe wie jede Person andere das Recht, dass sich die für sie verantwortliche Institution nicht öffentlich über tiefere Hintergründe von Personalentscheidungen auslasse. Das gebiete der Personenschutz.

Von Vietinghoff ging auch auf die Suspendierung des Oberkirchenrats Werner Führer (Bückeburg) durch den schaumburg-lippischen Landeskirchenrat ein. Führer hatte den Rücktritt der Bischöfin gefordert. Wie von Vietinghoff dazu sagte, sei nach seiner Kenntnis der Oberkirchenrat nicht wegen seiner Meinung zu einem spezifischen Vorgang suspendiert worden. Ein Grund sei vielmehr gewesen, dass er ungeprüft Gerüchte in die Öffentlichkeit gegeben habe.

Der Präsident der hannoverschen Landessynode, Jürgen Schneider (Hermannsburg), teilte mit, dass Bischöfin Käßmann am 13. Juni mit den beiden Synodengruppen, der „Gruppe Offene Kirche“ und der „Lebendigen Volkskirche“ über die Scheidungsthematik gesprochen habe. Die Begegnungen seien von einer „sehr guten und vertrauensvollen Atmosphäre“ geprägt gewesen. Es seien auch kritische Anfragen besprochen worden. Außerdem sei viel Solidarität und Anteilnahme mit der Bischöfin zu spüren gewesen.

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