Experten: Altes Land weltweit bedeutende Orgelregion

Nachricht 14. Juni 2007

Jork/Kr. Stade (epd). Das Alte Land südwestlich von Hamburg ist nicht nur das größte geschlossene Obstanbaugebiet Nordeuropas, sondern auch eine der weltweit reichsten Orgelregionen. "Es breitet auf nur 16 Kilometern ein Panorama von zehn historisch bedeutsamen Orgeln aus", sagte der Musikwissenschaftler Professor Konrad Küster am Donnerstagabend bei einer Ausstellungseröffnung in Jork. Bis zum 26. August ist dort im örtlichen Museum unter dem Titel "Gott allein die Ehre" eine Ausstellung über den Orgelreichtum der Region zu sehen.

Im Alten Land gebe es eine 500-jährige ungebrochene Orgelkultur, sagte Küster. Die historische Vielfalt bei gleichzeitig räumlicher Dichte der Instrumente zeichne die Region besonders aus und gebe ihr die weltweite Bedeutung. Eng verbunden sei dieser Reichtum im Alten Land mit dem Namen Arp Schnitger (1648-1719), der mit Gottfried Silbermann als einer der berühmtesten Orgelbauern aller Zeiten gelte.

In Neuenfelde im Alten Land hat Schnitger einen Orgelbauerhof unterhalten, der dort bis heute zu sehen ist. In der örtlichen St.-Pankratius-Kirche ist nicht nur sein Grab zu finden. An dieser Stelle steht auch ein Schnitger-Instrument. "Früchte seines Wirkens lassen sich hier auf so engem Raum erleben wie nirgends sonst", sagte Küster und verwies auf Orgeln in den Ortschaften Estebrügge, Neuenfelde, Jork, Steinkirchen, Mittelnkirchen, Hollern und Borstel.

Schnitger baute Küster zufolge mit seiner Kunst ein globales Firmenimperium auf. Instrumente aus seiner Werkstatt gingen nicht nur in die Hansestädte und die Herzogtümer des Nordens. Als preußischer Hoforgelbauer lieferte er auch nach Berlin sowie nach England, Russland, Spanien, Portugal und sogar Brasilien. Dabei habe er mit höchster Präzision nur beste Materialien verarbeitet, erklärte Küster das Geheimnis der Qualität seiner etwa 170 Instrumente, von denen heute noch 30 erhalten sind.

Doch mit kirchlichen Sparzwängen gerieten auch Dorforgeln in massive Gefahr, sagte Küster dem epd. Lokal gebe es zwar ein starkes Bewusstsein für die Bedeutung der Orgeln. Als kulturhistorische Zeugen müssten die Instrumente aber auch darüber hinaus von Kirche, Gemeinden, Ländern, Bund und Wirtschaft bewahrt werden. "Kultur ist ein Standortfaktor", betonte Küster zur Ausstellungs-Eröffnung.

"Mit unserem wertvollen Bestand aus sechs Jahrhunderten sind wir die reichste Orgellandschaft der Welt", sagte der Stader Landessuperintendent Manfred Horch. Die Kirchen der Region beheimateten "ein internationales Kulturerbe ersten Ranges". Sie seien Teil der Kirchenmusik, die auch in finanziell engen Zeiten ein fester Bestandteil kirchlicher Arbeit bleibe. "Sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Verkündigung des Evangeliums", betonte der Regionalbischof.

Horch verwies darauf, dass es im Elbe-Weser-Raum 250 Chöre der hannoverschen Landeskirche mit 5.500 aktiven Sängerinnen und Sängern gibt. In mehr als 120 Posaunenchören spielten 1.600 Bläserinnen und Bläsern. Über 1.000 junge und alte Menschen musizierten in 120 kirchlichen Instrumentalkreisen. Die Ausstellung "Gott allein die Ehre" wird von einem Programm begleitet, zu dem Konzerte, Vorträge, Orgelvorführungen und musikalische Gottesdienste gehören.

Internet: www.kirche-altes-land.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b1581/08.06.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen