Synode in Braunschweig: Kirchliche Verwaltungsreform vorerst gescheitert

Nachricht 03. Juni 2007

Goslar (epd). Die Verwaltungsreform der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig ist am Wochenende in letzter Minute in einem wesentlichen Punkt vorerst gescheitert. Das Vorhaben, alle 400 Kirchengemeinden zum Anschluss an eine landeskirchliche Verwaltungsstelle zu verpflichten, erreichte bei der geheimen Schlussabstimmung in der Landessynode nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Die Kirchenregierung zog daraufhin den Gesetzesentwurf für die laufende Tagung zurück. Landesbischof Friedrich Weber kündigte eine neue Vorlage an.

Für das Reformvorhaben stimmten 35 von 57 Mitgliedern des Kirchenparlamentes. Zehn waren dagegen. Da die Kirchenverfassung geändert werden sollte, wären 38 Ja-Stimmen erforderlich gewesen. Als Synodenpräsident Gerhard Eckels das Ergebnis bekannt gab, zeigten sich viele Synodale enttäuscht. Die Sitzung wurde unterbrochen. Die Kirchenregierung zog sich zu Beratungen zurück. Die Verwaltungsstelle ist als Servicestelle für das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen sowie das Personalwesen der Kirchengemeinden und anderer kirchlicher Rechtsträger gedacht.

Sowohl der Bischof als auch der Synodenpräsident kritisierten, das bei einem derart wichtigen Punkt nur 45 Synodale anwesend gewesen seien. Das sei ärgerlich, sagte Weber. Er sei zudem erstaunt, dass in der Aussprache und in der Debatte am Vorabend keine zehn Gegenvoten erkennbar gewesen seien. Die Kirchenleitung sei "in den Regen gestellt worden", denn sie sei zu weiteren Korrekturen bereit gewesen. Die braunschweigische Landeskirche im Südosten Niedersachsens hat rund 410.000 Mitglieder.

In seinem Lagebericht äußerte sich Bischof Weber besorgt über die Verfolgung von Christen in Staaten wie Pakistan, Indien, Nigeria und der Türkei. Er forderte "öffentlichen Protest" dagegen. Weltweit wachse die Verfolgung von Christen. Zurecht werde gefragt, ob die Anschlags- und Mordopfer auch an der Gleichgültigkeit des Westens litten und stürben.

Bei der Türkei stelle sich die Frage der "Europafähigkeit", sagte der evangelische Bischof, der seit kurzem auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) ist. "Religiöse Verfolgungen müssen ein Thema der Politik werden", forderte Weber. Das gelte auch im eigenen Land. Der Bischof sprach sich dafür aus, religiöse Verfolgung als Asylgrund zu akzeptieren.

Das braunschweigische Kirchenparlament fasste bei seiner Frühjahrstagung weiterhin den Beschluss, in Braunschweig eine Jugendkirche einzurichten. Bis zum Herbst soll dafür ein konkreter Finanzierungsvorschlag erarbeitet werden. Zudem wurde bei der Tagung bekannt, dass die fünf Diakonischen Werke in Niedersachsen ein gemeinsames Büro in Hannover eingerichtet haben. Sie wollten künftig enger zusammenarbeiten und gegenüber dem Land mit einer Stimme sprechen, hieß es.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1521/03.06.07)
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