Vom Heidedorf zurück in die Millionenstadt Chennai

Nachricht 31. Mai 2007

Ein Inder war elf Jahre lang Asienreferent des Missionswerks

Von Karen Miether (epd)

Hermannsburg/Kr. Celle (epd). Ponniah Manoharan hat in Deutschland gelernt, auch mal "Nein" zu sagen und Anfragen abzulehnen. "Es ist ganz selten, dass ein Inder das tut", sagt der Pastor. Die sprichwörtliche deutsche Pünktlichkeit gebe es auch deshalb in seiner Heimat kaum. Manoharan sieht Vorteile in beiden Kulturen und sich selbst als Brückenbauer. Elf Jahre lang war er Asienreferent des Evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Niedersachsen. Jetzt kehrt er nach Indien zurück.

Vom Heidedorf Hermannsburg, dem Standort des international tätigen Werkes, ziehen der 57-Jährige und seine Frau Beulah demnächst in die Millionenstadt Chennai. Dort wird Manoharan Direktor der Ausbildungsstätte der elf lutherischen Kirchen in Indien. In dem mehrheitlich hinduistischen Land gehören gerade mal 2,3 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche an. Doch anders als in Deutschland redeten die Menschen dort offener über ihre Glaubensüberzeugungen, sagt Manoharan.

Als erster Inder im Vorstand des von drei deutschen Kirchen getragenen Missionswerkes war Manoharan Pionier. Heute sei Deutschland ein Land, das Mission zum Glauben brauchen könne, wirbt er: "Vielleicht ist es ein erster Schritt, wenn Christen in Deutschland lernen, über ihren Glauben im Bekanntenkreis zu sprechen."

In Manoharans indische Heimat kam das Christentum durch deutsche Missionare. Im vergangenen Jahr wurde dort ihre Ankunft vor 300 Jahren gefeiert. In Indien habe die Mission Gutes bewirkt und sei vor allem für die Kastenlosen am Rand der Gesellschaft eine befreiende Kraft gewesen, sagt der Pastor.

Ponniah Manoharan hat für deutsche Missionswerke und Kirchen in Indien die Tsunami-Hilfe nach der Flutwelle im Dezember 2004 betreut. Der Bau von 162 Häusern für Flutopfer im indischen Bundesstaat Tamil Nadu gehörte zu den größten Hilfsprojekten in der Geschichte der Hermannsburger Mission. Ein Wechsel der Provinzregierung verzögerte die Arbeiten. "Jetzt aber herrscht Leben in den Dörfern. Eine Frau hat einen Laden eröffnet, andere haben Bäume gepflanzt", berichtet Manoharan.

"Wir brauchen die weltweite Christenheit", sagt er. Sie könne zu einer Globalisierung beitragen, die nicht nur aus Wirtschaftsbeziehungen bestehe. Immer wieder sollten Menschen aus aller Welt zusammenkommen. "Wir müssen den Süd-Süd-Austausch fördern, so dass beispielsweise Inder und Äthiopier voneinander lernen können", erläutert der Asienreferent, der auch für die russischen Staaten zuständig war.

Beulah und Ponniah Manoharan selbst werden starke Bindungen in das Land behalten, das sie jetzt mit Freude auf die Heimat und Abschiedsschmerz zugleich verlassen. Neben Freunden und Kollegen bleiben auch zwei ihrer mittlerweile erwachsenen Kinder in Deutschland zurück.

Internet: www.elm-mission.net

(epd Niedersachsen-Bremen/b1452/31.05.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen