Landesbischöfin: Kritik an G-8-Gipfel nicht als Störung sehen

Nachricht 31. Mai 2007

Berlin/Hannover (epd). Die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann hat bei den Staats- und Regierungschefs des G-8-Gipfels um Verständnis für die Gegendemonstranten geworben. Die Politiker sollten die Kritik nicht als Störung sehen, sondern als Möglichkeit, globale Fragen in die Öffentlichkeit zu bringen, heißt es in einem offenen Brief Käßmanns an die Teilnehmer des G-8-Gipfels. Der Brief erschien in der evangelischen Zeitschrift "zeitzeichen" (Juni-Ausgabe).

"Die vielen, vor allem jungen Leute, die sich hier engagieren, haben einen offenen Blick für die Welt und ein weites Herz für Gerechtigkeit!", schreibt Käßmann: "Wir als Kirchen setzen uns engagiert dafür ein, dass die Proteste gewaltfrei verlaufen und nicht instrumentalisiert werden."

Die Landesbischöfin erinnerte daran, dass parallel zu dem G-8-Treffen der 31. Deutsche Evangelische Kirchentag vom 6. bis 10. Juni in Köln stattfindet. Die evangelische Kirche habe aus diesem Anlass Vertreter von Kirchen und anderen Weltreligionen aus den G-8-Staaten eingeladen, um gemeinsam für die Bekämpfung der Armut einzutreten.

Die Bischöfin formulierte drei Wünsche an die Politiker aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, USA und Russland. "Mein erster Wunsch: Sprechen Sie bitte nicht nur über Patente und Welthandelsfragen, sondern behalten Sie im Blick, was das für die Menschen bedeutet!" Auch die mächtigen G-8-Nationen sollten erkennen, "dass der Markt nicht alles regelt, sondern Ethik, Humanität, Recht und Gerechtigkeit einen eigenen Anspruch haben, wenn Völker in Frieden miteinander leben wollen."

Ihr zweiter Wunsch sei, dass der Anteil der Entwicklungshilfe reicher Länder "endlich" auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens wachse, so Käßmann weiter. Zugleich forderte sie eine Eindämmung deutscher Waffenexporte in Entwicklungsländer. Drittens forderte Käßmann mehr Humanität in der Einwanderungspolitik. "Was ist das für ein Globalisierungsgedanke, frage ich, der darauf beruht, möglichst viel zu reisen, zu investieren, Märkte zu erschließen, ach so weltoffen zu sein - aber wehe, die dort Besuchten wollen zu uns kommen?" Im reichen Westen finde fast niemand mehr Asyl, Illegalität wachse.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1484/31.05.07)
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