Stichwort: Pfingsten / Betrachtung zu Pfingsten

Nachricht 24. Mai 2007

Der Pfingstmontag ist für viele Kirchengemeinden, so auch für die im Südosten Hannovers, ein besonderes Datum. Da feiern Protestanten und Katholiken, aber auch Baptisten und Altkatholiken gemeinsam Gottesdienst, und das seit mehr als 20 Jahren an ungewöhnlichen Orten und fast immer unter freiem Himmel: Mal an der Schleuse in Anderten oder im Glasgebäude der Finanz.IT auf dem Kronsberg. In diesem Jahr findet der Gottesdienst am katholischen Vinzenz-Krakenhaus zwischen Bemerode und Kirchrode statt. Pastor Hans Joachim Schliep vom Kronsberg freut sich über die gute kirchliche Zusammenarbeit, die von den Gemeinden gerne angenommen wird: „Das ist wie damals das erste Pfingstfest in Jerusalem – aus allen Orten strömt das Volk zusammen.“

Aber was wird Pfingsten eigentlich gefeiert? Und warum gemeinsam und unter freiem Himmel?

„Pfingsten“ leitet sich ab von „Pentekoste“, dem griechischen Begriff für „fünfzig.“ Denn von Ostern aus gerechnet, ist der Pfingstsonntag der fünfzigste Tag.

Zehn Tage davor liegt der Himmelfahrtstag. Er erinnert daran, dass der auferstandene Jesus Christus nicht auf der Erde geblieben ist und stattdessen seinen Jüngern einen Begleiter versprochen hat, den Heiligen Geist. Pfingsten feiern Christen die Ankunft des Heiligen Geistes.

Die Bibel erzählt, dass alle Jünger beisammen waren, als sich das so genannte Pfingstwunder ereignete (Apostelgeschichte 2,3-4): „Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen“. Alle Menschen konnten plötzlich in ihrer eigenen Sprache reden und predigen.

So hebt das Pfingstereignis die „Babylonische Sprachverwirrung“ auf, mit der Gott den Hochmut der Menschen gleich zu Beginn der Geschichte bestraft hatte: Schließlich wollten sie mit dem Turmbau zu Babel an Gott heranreichen.

Gleichzeitig beginnt hier die Mission der Kirche, allen Menschen - unabhängig von ihrer Sprache und Nationalität - die gute Botschaft von Gottes Liebe weiter zu sagen. An diesem ersten Pfingsttag ließen sich etwa 3000 Menschen taufen (3,41). Er gilt seitdem als der Geburtstag der Kirche.

Vor allem am Pfingstmontag feiern daher Christen verschiedener Konfessionen gemeinsame Gottesdienste und drücken damit ihre Hoffnung aus, dass einmal alle christlichen Kirchen „einmütig beieinander“ sein werden. Wie die Gemeinden im Südosten Hannovers.
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Pfingsten: Wo Gottes Geist herrscht ist Freiheit

Eine Betrachtung zu Pfingsten von Landessuperintendent Manfred Horch

Kennen Sie das? Sie kommen in eine Gruppe oder in eine Familie. Sie spüren sofort Offenheit, man nimmt sie freundlich auf. Unaufdringliche Herzlichkeit tut Ihnen wohl, denn Sie spüren: Hier bin ich willkommen. Aber auch das andere gibt es. Sie kommen herein und Sie spüren gleich: Hier ist es merkwürdig kühl. Irgendetwas nimmt einem die Luft, zwar stimmen die Umgangsformen, aber es bleibt merkwürdig eisig und nach einer Weile spürt man den Impuls: Bloß schnell weg hier. Weite und Enge kann man fühlen. Herrscht irgendwo ein guter Geist, werde ich selber freier, herrschen Enge und Krampf, nimmt man sich selbst zurück und will weg.

Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, wohl das unanschaulichste Fest des Christentums. Kein Kind in der Krippe, kein Kreuz, kein Osterjubel, eben „nur“ der Heilige Geist, unsichtbar und geheimnisvoll. Wohl wissen viele, wenn sie im Gedächtnis kramen, dass es der Geburtstag der Kirche ist und dass sich Pfingsten von Pentekoste (fünfzig) ableitet, weil es eben 50 Tage nach Ostern geschah, dass Menschen durch Gottes Geist neu ermutigt wurden. Womöglich fällt ihnen auch ein, dass der Geist Gottes wie ein Sturmwind brauste und wie Feuerflammen war, die auf den vom Geist Berührten brannten, ohne sie zu verbrennen.

Spricht die Bibel von Gottes Geist, verwendet sie meist Metaphern und erzählt, was dieser Geist bewirkt: Er ist wie Wind, der uns bewegt. Er ist wie Feuer, das uns zur Liebe entzündet. Oder die Bibel erzählt vom Geist Gottes in mystischen Bildern. So ist er Quelle und Brunnen des Lebens, vom dem man umsonst trinken darf und das den Lebensdurst stillt.

Dass Gott seinen Geist zu uns sandte, hat etwas ungeheuer Tröstliches. Gott ist nicht fern, er ist anwesend in seinem Geist als Kraft der Hoffnung. Er ist da in jener Energie, die die Angst zurückdrängt. Er ist zu spüren in einer Atmosphäre der Freundlichkeit und des gelassenen Glaubens.

Er ist es, der auf der Talsohle des Lebens dennoch treu bei uns ist. Er ist dort, wo Menschen zufassen und in Not helfen; er ist da, wo Frieden gemacht wird. Er ist bei denen, die gewaltlos nach Gerechtigkeit suchen. Er ist die Kraft, die ermutigt darin nicht nachzulassen.

Dieser Geist schafft unter Menschen eine Atmosphäre der Freiheit und des Aufatmens und daher hat Paulus zu Recht geschrieben, dass dort, wo Gottes Geist herrscht Freiheit ist, Freiheit von Angst und Freiheit zum Tun des Guten. Und daher beschreibt er die Früchte dieses Geistes als lauter wohltuende und menschlich aufbauende Verhaltensweisen: Er lässt Liebe, Freude, Friede Geduld, Freundlichkeit, Sanftmut, Treue und Selbstbeherrschung wachsen. Und alles, was Menschen herunterzieht, sie unglücklich macht, sie ausbeutet und zerstört, kommt aus einem anderen Geist, nämlich aus der Selbstsucht.

Pfingsten feiern Christen, dass Gott in seinem Geist unter uns ist, uns oft näher ist als wir uns selbst. Dieser Geist ist immer wieder erfahrbar. Zunächst einfach im Atmosphärischen. In der Offenheit, der unaufdringlichen Freundlichkeit, der Herzlichkeit, im authentischen Glauben, so dass man den Impuls spürt auch dazugehören zu wollen. Und schließlich soll das, was Christen tun und sagen, unserem Herzen und unserem Verstand einleuchten.

Konnten Menschen dies in der christlichen Kirche erfahren, war Kirche attraktiv. Abstoßend wirkte sie immer dann, wenn sie eng und gesetzlich wurde und ihr Glaube die Angst verstärkte. Wir brauchen diesen erfrischenden belebenden Gottesgeist, damit er uns öffnet, Herz und Verstand erneuert und Menschen zu Gott finden. Deshalb bitten wir zu Pfingsten: Komm, heiliger Geist, erfüll’ die Herzen deiner Gläubigen und entzünd’ in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe.

Manfred Horch
Landessuperintendent in Stade