Kirchen fordern humaneren Strafvollzug in Niedersachsen

Nachricht 22. Mai 2007

Osnabrück (epd). Vertreter der Kirchen haben die niedersächsische Landesregierung aufgefordert, das geplante Justizvollzugsgesetz humaner zu gestalten. Das Ziel der Resozialisierung von Gefangenen dürfe nicht durch eine Überbetonung der Sicherheitsaspekte in den Hintergrund treten, sagten der katholische Gefängnisseelsorger Heinz-Bernd Wolters und der evangelische Industriepastor Rolf Adler am Montagabend in Osnabrück. Das Parlament soll im Herbst ein neues Gesetz beschließen.

Nach diesem Entwurf solle der geschlossene Vollzug zur Regel werden statt wie bisher der offene Vollzug, kritisierte Wolters während einer vom evangelischen Sprengel Osnabrück veranstalteten Podiumsdiskussion. Die Entlassungsvorbereitungen, vor allem soziale Kontakte nach außen, müssten jedoch am ersten Tag der Inhaftierung beginnen. Wenn die Gefangenen nicht konsequent auf das Leben in Freiheit vorbereitet würden, werde die Rückfallquote drastisch ansteigen.

Der Gesetzentwurf fordere zu viel Eigenverantwortung von den Inhaftierten, bemängelte Adler. Sie bekämen nur dann Lockerungen und Hilfen im Vollzug, wenn sie sich dem Gefängnisalltag anpassten. "Das ist ein Denkfehler. Denn das mit der Eigenverantwortung ist draußen ja schon schief gegangen. Deshalb sitzen sie doch im Gefängnis", sagte Adler.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1379/22.05.07) Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen