2. Internationale Ökumenische Friedensversammlung

Nachricht 22. Mai 2007

Beteiligung von Kirchen in aller Welt an Friedensmobilisierung geplant

Der Exekutivausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hat Anfang März konkrete Pläne gebilligt, Kirchen in aller Welt für den Frieden zu mobilisieren. Diese Initiative, die als groß angelegte Mobilisierungsstrategie geplant ist, wird mit einer Internationalen Ökumenischen Friedensversammlung abschließen, die Anfang Mai 2011 stattfinden und eine Ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden verabschieden soll.

Den Planungen zufolge sollen rund 50 ökumenische Teams ("Lebendige Briefe") in den Jahren 2007 bis 2011 Kirchen besuchen, die in einem von Gewalt geprägten Umfeld leben. Die Teams werden als "lebendige Briefe" konkret Solidarität zum Ausdruck bringen und versuchen, bereits gewonnene Einsichten mit anderen zu teilen und gegenseitiges Lernen zu fördern. 2007 werden mindestens drei Besuche stattfinden und in den Jahren 2008 bis 2010 sind rund 15 Besuche pro Jahr vorgesehen.

Ferner ist eine Reihe von Expertenkonsultationen geplant, die in Partnerschaft mit Forschungsinstituten und Nichtregierungsorganisationen durchgeführt werden sollen. Theologische Fakultäten und Seminare werden eingeladen, am Entwurf der Erklärung mitzuarbeiten. Ein wichtiges Ziel ist es, bereits bestehende Projekte und kirchliche Friedensgruppen einzubeziehen, die dank ihrer Erfahrung und ihres Engagements einen bedeutsamen Beitrag zu dem Prozess leisten können. Darüber hinaus wird gehofft, Künstler/innen für die Mitarbeit in dem Prozess zu gewinnen.

"Ziel ist es, an so viele interessierte kirchliche Gruppen wie möglich heranzutreten und sie um Beiträge zu der Erklärung in Form von Texten, Gebeten, Liedern, Bildern zu bitten", erklärt Geiko Müller-Fahrenholz, ein deutscher Theologe, der die Vorbereitungen für die Internationale Ökumenische Friedensversammlung (IEPC) - die die Erklärung annehmen soll - koordiniert.

Der vorläufige Termin für die Versammlung ist der 4.-11. Mai 2011, der Tagungsort steht noch nicht fest. Die Friedensversammlung wird unter dem Thema "Ehre sei Gott und Friede auf Erden" stehen und rund 2000 Vertreter/innen von Kirchen, Organisationen und Netzwerken sowie Vertreter/innen anderer Religionen werden daran teilnehmen. Der ÖRK-Exekutivausschuss wird im September 2007 den Tagungsort der IEPC festlegen.

Die 9. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen hat im Februar 2006 in Brasilien den Auftrag zu der Friedensversammlung und der Erklärung erteilt. Die Versammlung wird den Abschluss der "ÖRK-Dekade zur Überwindung von Gewalt: Kirchen für Versöhnung und Frieden 2001-2010" darstellen.


Und ihr habt mich besucht

Der Vorschlag, die "lebendigen Briefe" zum zentralen Bestandteil der IEPC-Strategie zu machen, stützt sich auf ökumenische Erfahrungen, die in den letzten Jahren gesammelt wurden, wie die Pastoralbesuche bei US-amerikanischen Kirchen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und bei libanesischen Kirchen während der israelischen Angriffe im Sommer 2006 sowie die gegenseitigen Besuche von Kirchen während der Ökumenischen Dekade "Kirchen in Solidarität mit den Frauen" (1988-98).

"Da die Kirchen mit verschiedenen Formen der Gewalt, wie Bürgerkriegen, häuslicher Gewalt, interreligiösen Konflikten oder Umweltzerstörung konfrontiert sind, können intensive Begegnungen mit Frauen und Männern aus anderen Kontexten, aber mit ähnlichen Problemen eine Möglichkeit darstellen, Unterstützung zum Ausdruck zu bringen und neue Lösungsansätze zu finden", erklären die IEPC-Planer/Innen.

Sie hoffen auch, dass diese Besuche - drei im Jahr 2007 und 15 pro Jahr von 2008 bis 2010 - es den Kirchen ermöglichen werden, sich an dem Vorbereitungsprozess, der zur Friedensversammlung hinführen wird, zu beteiligen und einen Beitrag zur Ausarbeitung der Erklärung zu leisten.

Was wir gemeinsam bezeugen können

Die Ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden wird nicht für sich beanspruchen, ein "ökumenisches Konsenspapier" zu sein, betont Müller-Fahrenholz. Sie wird vielmehr ein "Akt des öffentlichen Zeugnisses und eine Bekräftigung unserer fortdauernden Hoffnung in einer von Gewalt zerrissenen Welt sein". Die Erklärung wird nicht den Anspruch erheben, "für alle zu sprechen", sondern wird versuchen, "alle anzusprechen, die bereit sind zuzuhören".

Die Erklärung zum gerechten Frieden wird ein "theologischer und geistlicher Text" sein und sechs wichtige Bereiche ansprechen: die massive Realität menschlicher Selbstzerstörung; Gewalt zwischen den Geschlechtern und Generationen; die Faszination der Gewalt und ihre Ausnutzung durch die Unterhaltungsindustrie; Gewalt gegen die Natur; die indirekte Gewalt der wirtschaftlichen Ungerechtigkeit mit ihren weltweiten Konsequenzen und strukturellen Ausdrucksformen; die Geißel des Krieges, die seit alters her überall in der Welt unsägliches Leid über die Menschen bringt.

Als Ausdruck des ökumenischen Friedenszeugnisses muss die Erklärung "auch anerkennen, dass die christlichen Kirchen im Lauf der Jahrhunderte vielfach Gewalt ausgeübt haben, sei es Gewalt gegen Frauen oder Angehörige der ‚Unterklasse', gegen ‚Häretiker' oder ‚Heiden' oder Gewalt durch die Rechtfertigung von Kriegen, Rassismus, Sklaverei, wirtschaftlicher Ausbeutung und anderen Formen der Unterdrückung", unterstreicht Müller-Fahrenholz.

Es ist auch beabsichtigt, gemeinsam mit Vertretern/innen anderer Religionen Möglichkeiten konkreter Friedensinitiativen zu sondieren, die uns helfen sollen, nicht nur gegen weit verbreitende - und wachsende - Vorurteile und Misstrauen, sondern auch gegen neuere Tendenzen anzukämpfen, die politische Konflikte in religiöse Konfrontationen verkehren wollen", fügt er hinzu.

-> Website der Internationalen Ökumenischen Friedensversammlung