Landesbischöfin betont Bedeutung von Glaubenstraditionen unter Protestanten

Nachricht 20. Mai 2007

Hamburg (epd). Die evangelische Kirche sollte nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann stärker zu ihren Glaubenstraditionen stehen. "Wir haben im Umgang mit der überlieferten Glaubenstradition Fehler gemacht", räumte Käßmann in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ein. Beispielsweise seien Kirchen gebaut worden, die nicht mehr wie Kirchen ausgesehen hätten und stattdessen Gemeindezentren genannt worden seien.

Zudem habe es eine Zeit gegeben, in der die evangelische Kirche sich so stark gesellschaftspolitisch engagiert habe, dass nicht mehr erkennbar gewesen sei, "wie dies mit unserem Glauben zusammenhängt", so die Bischöfin. "Wir haben im Konfirmandenunterricht in unseren Gemeinden mehr über Sekten und Drogen gesprochen als über die Bibel." Bei den Protestanten gebe es jedoch eine Sehnsucht nach dem Festhalten an der Tradition, ohne die Entschlossenheit zur Weltverantwortung aufzugeben.

Zum "Kerngeschäft" der Kirche gehöre die Begleitung von Menschen, etwa durch Gottesdienste, bei Trauungen oder Beerdigungen. Zugleich betonte sie, dass auch das politische Engagement der Kirchen weiter wichtig bleibe. "Ich brauche die Kraft aus dem Gottesdienst, um dann den Mut zu haben, in der Welt diesen Glauben verantwortlich und konsequent zu leben." Globalisierung, Klimawandel und Aids seien Themen, mit denen sich ihre Kirche auseinander setze.

Darüber hinaus hob die Bischöfin hervor, dass die evangelische Kirche nicht nur von der Tradition lebe, sondern auch von der Partizipation der Gläubigen. "Wir haben das Priestertum aller Gläubigen". Ordinierte und Laien leiteten gemeinsam die Kirche. Für die Partizipation sei der evangelische Kirchentag, der in diesem Jahr vom 6. bis 10. Juni in Köln stattfindet, das beste Beispiel.

(05689/19.5.2007)
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