Landesbischöfin Margot Käßmann lässt sich scheiden

Nachricht 10. Mai 2007

Kirchensenat und EKD-Spitze stellen sich hinter Landesbischöfin

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann (48) lässt sich von Ihrem Ehemann Eckhard (52) scheiden. Darüber habe sie am Donnerstag den Kirchensenat als ihr dienstlich vorgesetztes Gremium informiert, teilte die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers mit. Margot Käßmann habe "zu ihrem tiefen Bedauern bei Gericht die Scheidung ihrer Ehe beantragt". Sie ist die erste Bischöfin, die sich während ihrer Amtszeit von ihrem Mann getrennt hat.

Margot Käßmann, die auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört, hatte vorab auch den EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber und EKD-Kirchenamtspräsident Hermann Barth von ihrem Schritt informiert. Ein Sprecher sagte, die EKD bedauere gemeinsam mit Margot Käßmann die eingetretene Situation und schließe sich einer Erklärung des Senats der hannoverschen Landeskirche an, der sich hinter die Bischöfin gestellt hatte.

Käßmann steht seit 1999 der größten EKD-Landeskirche mit mehr als drei Millionen Mitgliedern vor. Sie ist eine der prominentesten Vertreter der evangelischen Kirche in Deutschland mit zahlreichen Medienauftritten und Buchveröffentlichungen. Die Leser der Zeitschrift "Funk Uhr" wählten sie im vergangenen Dezember zur "Frau des Jahres", weil sie anderen Frauen damit Mut gemacht habe, wie sie mit ihrer Brustkrebserkrankung im Sommer 2006 umgegangen sei.

Der Senat der Landeskirche hatte mitgeteilt, er habe am Donnerstag die Nachricht von der Ehescheidung mit großer Betroffenheit aufgenommen und dann in Abwesenheit der Bischöfin eingehend beraten. Das Gremium werde der Landesbischöfin in dieser schwierigen Situation zur Seite stehen und sie in der bewährten Führung ihres Amtes mit allen Kräften unterstützen.

Nach einer kirchenjuristischen Einschätzung kann die Bischöfin trotz ihrer Ehescheidung weiterhin im Amt bleiben. Rechtlich ist die Bischöfin eine Pfarrerin mit besonderen Aufgaben, für die damit auch das Pfarrergesetz gilt. Schon seit mehreren Jahren müssen in der hannoverschen Landeskirche Pastoren ihre Dienststelle nicht wegen einer Ehescheidung allein aufgeben. Ein Pastor kann allerdings versetzt werden, wenn er vor der Scheidung mit einer anderen Partnerin im Pfarrhaus zusammenlebt.

Die hannoversche Landesbischöfin ist seit 26 Jahren mit Pastor Eckhard Käßmann verheiratet. Das Ehepaar hat vier Töchter zwischen 15 und 24 Jahren. Die in Marburg geborene Käßmann war bei ihrer Wahl die zweite evangelische Bischöfin nach Maria Jepsen in Hamburg. Zuvor arbeitete sie als Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Fulda. Sie hatte zwei Jahrzehnte lang auch Funktionen im Ökumenischen Rat der Kirchen inne.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1280/10.05.07)
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Erklärung des Kirchensenates (im Wortlaut)

Frau Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann hat dem Kirchensenat in seiner heutigen Sitzung mitgeteilt, dass sie zu ihrem tiefen Bedauern bei Gericht die Scheidung ihrer Ehe beantragt hat.

Der Kirchensenat hat diese Nachricht mit großer Betroffenheit aufgenommen und dann in Abwesenheit von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann eingehend beraten.

Der Kirchensenat erklärt einmütig, Frau Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann in dieser schwierigen Situation zur Seite zu stehen und sie in der bewährten Führung ihres Amtes mit allen Kräften zu unterstützen.

Hannover, den 10. Mai 2007

Dem Kirchensenat gehören an die Landesbischöfin sowie Vertreterinnen und Vertreter des Landeskirchenamtes, des Bischofsrates, der Landessynode sowie weitere Mitglieder der Landeskirche.

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Leitungsgremien der Landeskirche Hannovers

Hannover (epd). Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist mit mehr als drei Millionen Mitgliedern die größte der 23 deutschen Landeskirchen. Sie wird von sechs Gremien geleitet: der Bischöfin, dem Bischofsrat mit den Landessuperintendenten, der Landessynode, die zwischen ihren Sitzungen durch den Landessynodalausschuss vertreten wird, sowie dem Landeskirchenamt und dem Kirchensenat.

Der Kirchensenat ist ein runder Tisch, an dem Vertreter aus allen Gremien zusammenkommen. Der Senat schlägt der Landessynode Kandidaten zur Bischofswahl vor und ist auch Dienstvorgesetzter der Bischöfin. Er ernennt den Präsidenten, die Vizepräsidenten und die höheren Beamten des Landeskirchenamtes sowie die Landessuperintendenten. Diese leiten die zurzeit acht Sprengel der Landeskirche. Vom 1. Juli an werden die Kirchenbezirke auf sechs reduziert.

Die Mitglieder des Senats sind Bischöfin Margot Käßmann, der Präsident des Landeskirchenamtes, Eckhart von Vietinghoff, der geistliche Vizepräsident des Amtes, Arend de Vries, und der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen als Vertreter des Bischofsrates. Weiter gehören dem Senat fünf Mitglieder der Landessynode an, unter ihnen Synodenpräsident Jürgen Schneider (Hermannsburg) und der Vorsitzende des Landessynodalausschusses, Propst Wolf von Nordheim (Uelzen), sowie vier von der Synode gewählte Mitglieder der Landeskirche.

Die Bischöfin hat in allen kirchenleitenden Organen außer der Synode und dem Landessynodalausschuss den Vorsitz. Sie vertritt die Landeskirche im kirchlichen und öffentlichen Leben und hat die geistliche Leitung und Aufsicht. Die Bischöfin ernennt und beruft die Pastoren und Superintendenten. Sie hat das Recht, Kirchen einzuweihen und besondere Gottesdienste anzuordnen.

Die Bischöfin ist eine Pastorin mit besonderen Aufgaben. Das heißt, für sie gelten die gleichen rechtlichen Bestimmungen wie für alle Pfarrer. Ihre Amtszeit endet mit dem Ablauf des 68. Lebensjahres.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1211/10.05.07)
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Scheidungen von Pastoren in der Landeskirche Hannovers

Hannover (epd). In den 23 deutschen Landeskirchen weichen die Kirchengesetze zu Scheidungen von Pfarrern voneinander ab. Die hannoversche Landeskirche ist mit mehr als drei Millionen Mitgliedern die größte evangelische Landeskirche. Hier hat sich der Umgang mit Scheidungen von Pastoren im Lauf der Jahre stark verändert. Er ist großzügiger als früher.

Die Bestimmungen richten sich im Wesentlichen nach dem Paragrafen 54 des Pfarrergesetzes der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der vor zwei Jahren novelliert wurde. Die VELKD ist ein Zusammenschluss von acht lutherischen Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland.

In Hannover ist es nach Angaben von Kirchenjuristen im Normalfall schon seit etlichen Jahren nicht mehr üblich, dass Theologen nur wegen ihrer Scheidung die Pfarrstelle wechseln müssen. In anderen Landeskirchen wie in Mecklenburg oder Sachsen sind Versetzungen dagegen noch immer an der Tagesordnung.

Die Regelungen in Hannover sehen vor, dass bei Trennungen die Seelsorge im Mittelpunkt steht. Der Pastor soll deshalb als erstes seinen Landessuperintendenten unterrichten. Der leitende Theologe führt dann umgehend ein seelsorgerliches Gespräch mit ihm. Thema ist dabei auch, wie sich die Trennung und der Umgang der Ehepartner miteinander auf den Dienst auswirken können.

Dabei steht der Gedanke im Hintergrund, dass Pastoren ein öffentliches Amt ausüben. Dieses werde auch durch ihre persönlichen Lebensverhältnisse beeinflusst. Deshalb kann ein Pastor der hannoverschen Landeskirche zum Beispiel versetzt werden, wenn er schon vor seiner rechtskräftigen Scheidung mit einer neuen Partnerin im Pfarrhaus zusammenlebt. Die Scheidung allein reicht für diese Maßnahme aber nicht mehr aus.

Die von der VELKD bereits im Jahr 2002 verabschiedeten "Leitlinien kirchlichen Lebens" haben ebenfalls die Änderung des Pfarrergesetzes beeinflusst. In dem Ratgeber heißt es unter anderem, die Leitbildfunktion sowie die biblische und die gesellschaftliche Bedeutung der Ehe seien hervorzuheben. Gleichzeitig solle aber daran erinnert werden, dass auch in der Bibel von Gefährdungen, Schuld, Scheitern und Trennungen von Ehepaaren die Rede sei.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1230/10.05.07)
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