Landesbischöfin ruft zu friedlichen Protesten bei G-8-Gipfel auf

Nachricht 04. Mai 2007

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat im Vorfeld des G-8-Gipfels im Juni in Heiligendamm zu friedlichen Demonstrationen aufgerufen. Die Kirchen setzten sich engagiert dafür ein, dass alle Proteste gewaltfrei verliefen und nicht instrumentalisiert würden, sagte Käßmann am Freitag auf epd-Anfrage: "Ich möchte aber auch darum bitten, die Aktionen im Umfeld des Gipfels nicht zu verteufeln." So werden vier Tage vor Beginn des Weltwirtschaftsgipfels mehr als 100.000 Menschen am 2. Juni zu einer Großdemonstration in Rostock erwartet.

An der internationalen Protestveranstaltung "Eine andere Welt ist möglich" beteiligt sich mit riesigen knallroten Ballons auch das weltweite ökumenische Bündnis www.erlassjahr.de. Ihm gehören in Deutschland nach eigenen Angaben rund 1.000 Organisationen aus evangelischen Landeskirchen, katholischen Diözesen oder Eine-Welt-Gruppen an.

"Unter dem Motto 'Illegitime Schulden streichen' sammeln wir auch in der hannoverschen Landeskirche schon seit längerem Unterschriften auf den Ballons", sagte Cornelia Johnsdorf von der evangelischen Arbeitsstelle Entwicklungsbezogene Bildung in Hannover. Insgesamt sollen in Rostock rund 1.000 Ballons mit etwa 100.000 Unterschriften präsentiert werden. Damit fordere das Bündnis von den Gipfelteilnehmern ein faires und transparentes Schiedsverfahren zum Schuldenerlass der Entwicklungsländer.

Johnsdorf hat in den vergangenen Monaten in zahlreichen Kirchengemeinden zwischen Cuxhaven und Hann. Münden über die Aktionen von "Erlassjahr" informiert. "Viele Christen sind erleichtert, dass es kirchliche Aktivisten gibt, die sich mit entwicklungspolitischen Fragen und der Entschuldung armer Länder befassen", sagte Johndorf. Das sieht Margot Käßmann genauso: "Uns ist doch allen bewusst, dass es viel zu wenig Menschen in den reichen G-8-Staaten gibt, die sich überhaupt dafür interessieren, welche Folgen die Globalisierung für die Armen hat."

Ausdrücklich begrüßt die Bischöfin deshalb auch die Aktion "8 Minuten für Gerechtigkeit". Zu Beginn der Eröffnungsgottesdienste des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Köln am 6. Juni werden bundesweit 1.000 Glocken geläutet. Während zeitgleich der Gipfel der G-8-Staaten anfängt, wollen Christinnen und Christen dafür beten, dass allen Menschen Gerechtigkeit widerfahren soll. Sie schließen sich damit dem "Heiligen Damm des Gebets" an, den die Mecklenburger Landeskirche rund um den Tagungsort Heiligendamm mit Kerzen und Andachten errichten will.

Für die hannoversche Landeskirche organisiert Johnsdorf gemeinsam mit dem katholischen Bistum Hildesheim Busse und Begleitung zur Demonstration nach Rostock am 2. Juni: "Wir bringen alle Teilnehmer sicher hin und zurück", sagte Johnsdorf (Telefon 0511/1241-593).

Internet: www.erlassjahr.de, www.g8minuten.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b1163/04.05.07)
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