Hannover: Diakoniepastor warnt vor Kürzungsplänen

Nachricht 03. Mai 2007

Hannover (epd). Der hannoversche Diakoniepastor Walter Lampe hat vor den Kürzungsplänen seines evangelischen Stadtkirchenverbandes gewarnt. Die geplanten Einsparungen dürften sich nicht auf die Diakonie konzentrieren, sagte Lampe am Donnerstag auf epd-Anfrage. Das Kirchenparlament hatte am Mittwochabend erhebliche Kürzungen in allen Bereichen angekündigt, da der Verband bis Anfang 2009 rund 4,63 Millionen Euro einsparen muss. Er repräsentiert rund 216.000 Mitglieder in 72 Gemeinden.

Es könne nicht angehen, dass die hannoversche Diakonie bei den übergemeindlichen Diensten allein fast ein Drittel der Einsparungen erbringen solle, sagte Lampe: "Bei diesen gewaltigen Reduzierungen können wir unseren Auftrag nicht mehr erfüllen." Gerade durch ihre sozialen Angebote erreiche die Diakonie viele Menschen, die in keiner Kirchengemeinde eine Heimat fänden. "Wenn die Kirche sich künftig nur auf die Arbeit in den Gemeinden konzentriert, wird sie einen erheblichen Teil ihrer Zukunftsfähigkeit verlieren", warnte der Sozialpastor.

So sei es im Blick auf die demographische Entwicklung nicht hinnehmbar, dass die Zuschüsse für die offene Altenarbeit um die Hälfte reduziert werden sollen. Schon jetzt sei ein Viertel der Bevölkerung in Hannover älter als 60 Jahre - mit wachsender Tendenz. Hochbetagte und demente Menschen bräuchten aber eine Betreuung durch qualifizierte Mitarbeiter. Lampe plädierte dafür, Synergie-Effekte einzelner Beratungsstellen genauso zu prüfen wie Umstrukturierungen sozialer Angebote und Dienste.

Auch die Evangelische Jugend protestierte gegen die Kürzungsvorschläge. Der Stadtkirchenverband wolle sich mit seinen Plänen aus der sozialen Verantwortung verabschieden, erklärte die Vorsitzende der Evangelischen Jugend, Friederike Franz. Geplant ist unter anderem, alle offenen Einrichtungen der Jugendarbeit zu schließen. "Gegen dieses Vorhaben werden wir mit aller Kraft angehen", kündigte Franz an: "Wir wollen die Frage klären, wie Jugendarbeit auch in finanziell schwierigen Zeiten gelingen kann."

Über die Kürzungsvorschläge will der Stadtkirchentag in seiner Sitzung am 11. Juli beraten. Die Kirchengemeinden können bis zum 21. Mai Gegenvorschläge einreichen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1189/03.05.07)
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