Diakonie beklagt zunehmende Zahl armer Menschen

Nachricht 02. Mai 2007

Osnabrück (epd). Das Diakonische Werk in Osnabrück hat die steigende Zahl hilfsbedürftiger und armer Menschen beklagt und eine gerechtere Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums gefordert. Die Beratungs- und Hilfseinrichtungen der Diakonie vor Ort würden in bisher ungekanntem Ausmaß mit der Armut ihrer Klienten konfrontiert, sage Geschäftsführer Hinrich Haake bei der Vorstellung der Sozialbilanz 2006 am Mittwoch: "Armut verschärft die ohnehin erschwerten Lebensumstände von psychisch Kranken, Suchtgefährdeten und Strafffälligen dramatisch."

Vor allem die Bahnhofsmission, die Straffälligenhilfe und die Suchtberatung hätten einen enormen Zuwachs an Hilfsbedürftigen zu verzeichnen. Viele könnten ihre täglichen Grundbedürfnisse wie Essen, Kleidung und Wohnung nicht mehr erfüllen. "Im Winter kamen die Menschen in unser Café für Suchtkranke, um sich aufzuwärmen, weil zu Hause die Heizung kalt blieb", sagte Haake.

Angesichts des Sparzwangs der Kirche und eines immer enger werdenden Stellenplans komme es mehr denn je darauf an, neue Konzepte zu entwickeln. So biete die Diakonie mit Hilfe von Ehrenamtlichen in einem Stadtteil seit kurzem ein warmes Mittagessen für Kinder an. Materielle Hilfen sollten mehr als bisher so verteilt werden, dass sie den Menschen langfristig zugute kämen, kündigte Haake an. Dazu könne auch einmal die Finanzierung der Zahnbehandlung oder einer Mietkaution gehören.

Auch die Zusammenarbeit der Einrichtungen untereinander und mit anderen Institutionen sowie die Einbindung der Kirchengemeinden müsse intensiviert werden, sagte Haake. Der Kirchenkreis Osnabrück habe im neu gebauten "Haus der Kirche" mittlerweile verschiedene diakonische Angebote zusammengefasst.

Haake sprach sich darüber hinaus für die Einrichtung eines dritten Arbeitsmarktes aus. Davon sollten diejenigen profitieren, die arbeiten wollten, aber aufgrund psychischer oder sonstiger Einschränkungen nicht in herkömmliche Arbeitsverhältnisse vermittelt werden könnten. Auch sie hätten ein Recht auf eine angemessene Entlohnung: "Ein Teil des Reichtums, der im ersten Arbeitsmarkt erwirtschaftet wird, muss für diese Menschen übrig bleiben." Ein entsprechendes Angebot mache zum Beipiel der Gartenservice der Osnabrücker Diakonie.

Nach Ansicht des Experten wird sich das Problem der Armut auch in den kommenden Jahren nicht entschärfen: "Der derzeitige Aufschwung geht an diesen Menschen komplett vorbei. Die Armut wird uns auch in Zukunft mindestens genauso beschäftigen wie die Arbeitslosigkeit."

(epd Niedersachsen-Bremen/b1177/02.05.07)
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