Auf einen Blick (30.4.)

Nachricht 30. April 2007

Radio hören im Internet
produziert vom Evangelischen Kirchenfunk (ekn - www.ekn.de)

-> Das Kinderbibelquiz vom 29.4.2007 (mp3-Datei, 3,9 MB)
+++


Braunschweigs Museumsdirektor kritisiert Walpurgisfeiern

Braunschweig (epd). Der Direktor des Braunschweigischen Landesmuseums, Gerd Biegel, hat die Walpurgisfeiern im Harz kritisiert und zum Nachdenken über Hexenverbrennung als "Eventvermarktung" aufgefordert. Es werde völlig verdrängt, was sich in der frühen Neuzeit mit den Hexenverfolgungen an Schrecken und Grausamkeit verbunden habe. Gelegentlich sollte man sich bei den ausgelassenen Feiern in der Walpurgisnacht daran erinnern und die Fragen stellen, was man da eigentlich tut, sagte Biegel am Montag.

Zweifelsohne seien die Hexenprozesse eine der schlimmsten von Menschenhand angerichteten Katastrophen der europäischen Geschichte gewesen, meinte der Historiker. Die Klischeevorstellungen und Vorurteile seien noch längst nicht überwunden. So werde noch immer die Fehlinformation verbreitet, in Deutschland seien neun Millionen Hexen verbrannt worden. Längst wisse man in der Forschung, dass die Zahl der in Europa als Hexen verbrannten Personen zwischen 50.000 und 60.000 gelegen habe.

Biegel wendet sich auch dagegen, allein die katholische Kirche für die Hexenverbrennungen verantwortlich zu machen. Bei den großen Verfolgungen sei die Bevölkerung die treibende Kraft gewesen. So schrecklich diese Erkenntnis auch sei: "Hexenverfolgungen waren populär."

(epd Niedersachsen-Bremen/b1145/30.04.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
+++

Heidekirchen bieten Musik aus vier Jahrhunderten

Egestorf/ Kr. Harburg (epd). Instrumental- und Vokalmusik vom Mittelalter bis zur Gegenwart erklingt in der in der Konzertreihe "Musik in alten Heidekirchen". In den Sommermonaten ab Juli laden dazu abwechselnd jeweils sonntags die evangelischen Kirchengemeinden Undeloh und Egestorf in der Nordheide bei Hamburg ein. Ein Schwerpunkt der 14 Konzerte liege in der Barockmusik, teilten die Organisatoren am Montag mit.

Den Auftakt macht ein Konzert mit Bearbeitungen von Barock bis Pop für Oboen und Fagotte am 1. Juli um 17 Uhr in Undeloh. Die St.-Magdalenen-Kirche in Undeloh, deren ältester Teil aus dem 12. Jahrhundert stammt, sowie die barocke Egestorfer St.-Stephanus-Kirche aus dem Jahr 1645 bilden seit mehr als 30 Jahren den Rahmen der Konzertreihe. Programme können über den Kirchenmusiker und Organisator, Johann Grote, Alte Dorfstraße 21, 21272 Egestorf angefordert werden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1148/30.04.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
+++

Grabsteine mit Siegel gegen Kinderarbeit in Indien - Verband der Steinmetze hat Bedenken gegen Initiative

Von Martina Schwager (epd)

Lingen/Frankfurt a.M. (epd). Als Ludger Rembeck in Indien zum ersten Mal Kinder in Steinbrüchen arbeiten sah, kochte er vor Wut: "Nach guter emsländischer Art habe ich dem Chef die Meinung gesagt - mit dem Ergebnis, dass am nächsten Tag die ganze Familie auf der Straße saß." Der Geschäftsführer des Bawinkel Natursteinwerks nahe Lingen suchte fortan nach Verbündeten. Mittlerweile ist Bawinkel eines von bundesweit drei Unternehmen, die Grabsteine mit dem "Xertifix-Siegel" gegen Kinderarbeit verkaufen dürfen. Der Bundesinnungsverband der Steinmetze will dagegen eine eigene Initiative starten.

Das Siegel wird vom 2005 gegründeten Verein "Xertifix" vergeben. Lizenznehmer müssen drei Prozent der Kosten für die Steine an den Verein abgeben. "Das Geld wird zum Bau von Schulen in der Nähe der Steinbrüche eingesetzt", sagt der Geschäftsführer und Gründer des Vereins, Benjamin Pütter. Er ist evangelischer Theologe in Diensten des katholischen Hilfswerks Misereor. Vorsitzende der Vereins sind Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm und Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer. Zwölf der insgesamt 100 Export-Steinbrüche in Indien hat Pütter nach eigenen Angaben mit Hilfe von Misereor-Mitarbeitern inzwischen kontrolliert.

"Zwar unterstützen wir grundsätzlich jede Initiative, die versucht Kinderarbeit in Indien zu verhindern", sagt Martin Schwieren, Vorsitzender des Bundesinnungsverbandes der Steinmetze mit Sitz in Frankfurt. Die Vorgehensweise von Pütter jedoch gefalle ihm nicht. Der verlange Einsicht in die Geschäftszahlen der deutschen Betriebe, um die drei Prozent Lizenzgebühr für indische Steine errechnen zu können. "Da hört der Spaß auf", kritisiert Schwieren. Pütter betont aber, dass er jedem absolute Geheimhaltung garantiere.

Dass Kinder tonnenschwere Marmor- und Granitblöcke mit 40 Kilo schweren Schlagbohrmaschinen aus dem Berg hauen können, mochte Benjamin Pütter zunächst nicht glauben, zumal Kinderarbeit in Indien verboten ist. Er war 1999 von drei Freiburger Steinmetzen darauf aufmerksam gemacht worden, die heute ebenfalls das Siegel nutzen dürfen. Pütter verschaffte sich unangemeldet Zutritt zu den Export-Steinbrüchen: "Sie bohren nach unten. Zu dritt oder viert halten sie die vibrierende Maschine im Gleichgewicht, stehen von morgens bis abends im Staub."

Steine aus Indien sind in Deutschland - vor allem für Grabmale - sehr beliebt, weil sie sehr viel billiger sind als hiesige. "Auch die Erwachsenen arbeiten dort unter unzumutbaren Bedingungen. Viele Kinder müssen helfen, die Schuldknechtschaft der Eltern abzutragen", erläutert Rembeck. Seine Erfahrung zeigt: "Jeder Verbraucher zahlt gerne 30 oder 40 Euro mehr für einen Grabstein, wenn er weiß, dass Kinder daran nicht mitgearbeitet haben."

Innungsvertreter Schwieren bezweifelt die in den Medien genannten Zahlen zum Steine-Import. Nicht 90, sondern maximal 15 Prozent der deutschen Grabsteine stammten aus Indien. "Und es kann keiner sagen, ob auch nur ein einziger dieser Steine durch Kinderarbeit abgebaut wurde."

Gerade die Grabmal-Betriebe arbeiteten mit modernsten Maschinen, die nur gut ausgebildete Fachleute bedienen könnten: "Vielleicht sind die Kinder in den Steinbrüchen nur da, um die Pausenbrote zu holen." Dennoch will der Präsident ein eigenes Hilfsprojekt starten und Geld etwa für den Bau von Schulen zur Verfügung stellen. Kontrollen vor Ort könne er jedoch nicht vornehmen: "Das kann ein kleiner Bundesverband gar nicht leisten."

Rembeck und Pütter jedoch wollen weiter machen. Sie glauben, dass der Markt ihnen Recht gibt. Das Bawinkel Natursteinwerk beliefert Firmen in ganz Deutschland. Immer mehr Kunden fragten nach Steinen, die ohne Kinderarbeit abgebaut würden, sagt Rembeck. Etwa 20 Kommunen, darunter München und Neuss, so schätzt Pütter, haben sogar ihre Friedhofssatzungen entsprechend geändert. Als nächstes will er den Deutschen Städtetag informieren.

Internet: www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de, www.xertifix.de, www.biv-steinmetz.de.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1143/30.04.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen