Landesbischöfin ruft zu mehr Engagement für Gewaltfreiheit auf

Nachricht 28. April 2007

Hannover/Sievershausen (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Christinnen und Christen dazu aufgerufen, sich noch stärker in gewaltfreien Formen der Konfliktbewältigung ausbilden zu lassen. Die Aufgabe der Kirche sei es, zivile Friedensdienste zu stützen, sagte Käßmann laut Redemanuskript am Sonnabend in einem Gottesdienst in der "Dokumentationsstätte zu Kriegsgeschehen und über Friedensarbeit Sievershausen" bei Hannover.

Kirchen hätten häufig auch in Krisenregionen einen Vertrauensbonus. Sie seien vor Ort verankert und blieben auch nach Beendigung des Konflikts: "Hier liegt ein enormes Potential, das viel besser ausgeschöpft werden sollte", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Hier könnte die ökumenische Dekade der Kirchen zur Überwindung von Gewalt Akzente setzen. Dazu könne gehören, in der Stadtteilarbeit zum Abbau von Gewalt beizutragen.

Die Kirchen hätten gelernt, dass sie für den Frieden einzutreten haben und nicht für den Krieg. Sie hätten erfahren, dass es Versöhnung geben kann, zum Beispiel in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg und in Südafrika nach der Apartheid: "Wir haben gelernt, dass die Opfer gehört werden müssen, dass die Stummen zur Sprache kommen und die Täter ihre Schuld bekennen können", sagte Käßmann und fügte hinzu: "Und wir haben erlebt, dass es Beichte gibt und Vergebung und daraus einen befreienden Prozess der Versöhnung."

Die Versöhnung dürfe jedoch nicht über die Taten der Täter und die Leiden der Opfer schweigen. Die große Chance der Kirchen sei es, dass sie in einer Gemeinschaft über nationale und kulturelle Grenzen hinweg stünden, sagte die Bischöfin: "Wir sind längst globalisiert, aber nicht in Machtkonstellationen, sondern als Schwestern und Brüder." Diese Globalisierung habe nicht den Profit für wenige zum Ziel, sondern Frieden und soziale Gerechtigkeit für alle.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1136/28.04.07)
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