Seit 150 Jahren erfolgreich: Die Bläserarbeit der Landeskirche

Nachricht 26. April 2007

Deutschland sucht den Superstar. Auch unter den jugendlichen Bläserinnen und Bläsern, die kürzlich an einer Freizeit für Jungbläser im Kirchenkreis Celle teilgenommen haben, waren Fans der RTL-Show. Besonders fieberten sie an diesem Wochenende mit Lauren Talbot, der Kandidatin aus Winsen/ Aller. Und trauerten schließlich mit der 17jährigen um das Ende ihrer DSDS-Karriere. Doch Pastor Wolfgang Gerts hatte Trost parat: „Einen Superstar hat Winsen verloren, aber gleichzeitig 65 neue dazu bekommen.“ Der Landesobmann für die Bläserarbeit der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers schwärmt von der musikalischen Leistung der jungen Bläserinnen und Bläser, ihrer fröhlichen Gemeinschaft, nicht zuletzt von der Begeisterung ihrer Angehörigen beim Abschlusskonzert. Alle, die nicht dabei waren, werden am 6. Mai beste Aussichten haben, in ihrer Nähe den unvergleichlichen Klang eines Posaunenchores zu erleben. Der Sonntag Kantate (lat. „Singt!“) gilt als Tag der Kirchenmusik, das Motto stammt aus Psalm 98: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

In vielen Kirchengemeinden wird der Gottesdienst an diesem Tag langfristig vorbereitet und besonders musikalisch gestaltet. Neben Kirchenchören, Gesangs- und Instrumentalsolisten werden auch die meisten Posaunenchöre am vierten Sonntag nach Ostern im Einsatz sein. Obwohl der Gottesdienst längst nicht ihr einziger Einsatzort ist: „Bläserinnen und Bläser sind darauf eingestellt, zu den Menschen zu gehen“, hebt Wolfgang Gerts eine Besonderheit der kirchlichen Bläserarbeit hervor. Auch Leute, die nicht zu den Kirchgängern gehören, hätten gute Chancen, im Laufe ihres Lebens öfter einem Posaunenchor zu begegnen: ob beim Konzert auf dem Marktplatz, beim Ständchen für Senioren mit „rundem“ Geburtstag oder bei Freiluftgottesdiensten am Himmelfahrtstag.

In jeder dritten der rund 2000 Kirchengemeinden der Landeskirche gibt es einen Posaunenchor. Insgesamt blasen rund 14.000 Musikanten im Alter zwischen sechs und 90 Jahren ein Blechblasinstrument wie Trompete, Flügelhorn, Posaune oder Tuba. Die vielfältige Bläserarbeit – das Repertoire reicht von der klassischen „Intrade“ über Musicals bis zu Sacropop und Swing – wird vom Posaunenwerk in Hildesheim betreut. Für die fachliche Begleitung stehen in den Bezirken Ostfriesland/ Emsland-Bentheim, Osnabrück, Stade, Lüneburg, Hannover, Hildesheim und Göttingen sieben Landesposaunenwarte zur Verfügung. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Anfängerausbildung, Beratung beim Aufbau neuer Posaunenchöre, Chor- und Chorleiterschulungen sowie Angebote von Bläserfreizeiten und Workshops zu Themen wie „Rhythm and Brass“.

Für Landeskirchenmusikdirektor Hans-Joachim Rolf ist die Bläserarbeit „ein dynamischer, zukunftsträchtiger Bereich kirchlicher Arbeit“. Sie bringe Menschen „aus den verschiedensten Berufen und gesellschaftlichen Gruppen zusammen, und zwar mit regelmäßig hoher Verbindlichkeit“. Das gemeinsame Musizieren führe zu einem „lohnenden Ziel, wie man es sonst wohl nur bei einem Mannschaftssport erlebt“. Zudem habe die Bläserarbeit einen hohen Bildungswert.

„Die Bläserkreise gehören seit 150 Jahren zu den stabilsten kirchlichen Gruppen“, hebt der Landesobmann hervor, zu dessen Aufgaben neben der Geschäftsführung des Posaunenwerkes die Organisation der Landesposaunenfeste ebenso gehört wie die persönliche Seelsorge. Dass „die kirchliche Bläserarbeit Generationen übergreifend geschieht, oft ganze Familien erreicht“, erfüllt Gerts, der mit halber Stelle zugleich Gemeindepastor in Celle ist, mit sichtlichem Stolz.

Allerdings haben die Sparmaßnahmen der Landeskirche längst auch die Bläserarbeit erreicht. Deshalb hat sich 2004 der Förderverein Posaunenwerk gegründet. Er unterstützt die Chöre beispielsweise bei der Durchführung von Freizeiten, bei der Anschaffung von Noten und Instrumenten. Noch 2007 soll eine Stiftung zur langfristigen Sicherung dieser Arbeit errichtet werden. Die Landeskirche fördere neue Stiftungen durch ein Bonifizierungsprogramm, wirbt der Vorsitzende, Pastor Hartmut Merten aus Lüneburg, gerade jetzt für den guten Zweck. „Zu jeder Spende, die für die geplante Stiftung gegeben wird, gibt es 25 Prozent dazu.“

Das Stiftungskonto bei der EKK Hannover (BLZ 250 607 01) hat die Nummer 619 507, Spenden für den Förderverein können auf das Konto Nr. 619 450 bei der EKK Hannover eingezahlt werden. Auch über neue Mitglieder freut sich der gemeinnützige Verein, weitere Informationen unter www.foerderverein-posaunenwerk.de.