Auf einen Blick (25.4.)

Nachricht 25. April 2007

Vom Windpark ins Kloster - Schleswiger Sekretärin wird Äbtissin in Walsrode

Von Hartmut Schulz (epd)

Schleswig (epd). Ilona Reger aus Schleswig ist noch bis vor wenigen Wochen Vorstandssekretärin bei einem Unternehmen für Windparkplanung in Husum gewesen. Jetzt ist sie ins Kloster gegangen. Die 51-jährige Mutter von vier erwachsenen Kindern hat sich entschieden, ihr Leben radikal neu zu gestalten. Künftig will sie als Äbtissin im Kloster Walsrode in Niedersachsen leitende Verantwortung übernehmen.

Am 2. Juli wird Reger in ihr neues Amt feierlich eingeführt. Bis dahin ist sie als Konventualin im Dienst. So wird eine alleinstehende evangelische Frau bezeichnet, die sich für das Kosterleben entschieden hat. "Ich war auf der Suche nach einer interessanten Lebensform im Alter", sagt die seit einigen Jahren von ihrem Ehemann geschiedene Frau.

Erste Informationen über das Leben in einem evangelischen Kloster bekam sie 2003 durch einen Bericht in der Wochenzeitung "Die Nordelbische". Reger: "Da war gleich die Neugier geweckt." Derzeit leben neun Frauen in dem im Jahr 986 erstmals urkundlich erwähnten Kloster Walsrode. Es ist damit das älteste Frauenkloster im ehemaligen Fürstentum Lüneburg. Dort sind ehemals katholische Ordenseinrichtungen auch nach der Reformation als dann evangelische Häuser erhalten geblieben.

Wer heute das Leben als Konventualin oder leitende Äbtissin in einem evangelischen Kloster mit mittelalterlichen Vorstellungen verbindet, irrt gewaltig, betont Reger. Tracht wird nur zu feierlichen Anlässen getragen, Jeans und Pulli sind im Alltag durchaus üblich. Ein Keuschheitsgelübde wird nicht abgelegt, räumt Reger ein immer noch verbreitetes Vorurteil aus. Und: "Ich kann jederzeit gehen." Soll heißen, dass eine lebenslange Verpflichtung auch nicht besteht.

In Walsrode bezieht die ehemalige Sekretärin jetzt eine 60 Quadratmeter große Wohnung, die ihr als künftige Äbtissin zusteht. Sie ist bereits zur Nachfolgerin der Äbtissin Thea Bosse gewählt worden, die in diesem Jahr 76 Jahre alt wird. Sie will schon länger die Verantwortung in jüngere Hände abgeben.

In Niedersachsen gehören 17 evangelische Klöster und Stifte zum Verwaltungsbereich der Landesbehörde Klosterkammer Hannover. In 15 von ihnen leben von Äbtissinnen geführte Gemeinschaften alleinstehender Frauen. Zu ihren Aufgaben gehört es, Besucher mit den Schätzen der historischen Häuser und dem christlichen Glauben vertraut zu machen. Neben Führungen bieten sie zum Beispiel Meditationskurse an. Jede Frau muss mitarbeiten.

Wer in ein Kloster einzieht, ist in der Regel entweder im Rentenalter oder muss die vorherige Arbeit aufgeben. Wie andere Damenstifte sucht auch Kloster Walsrode weitere und möglichst jüngere Konventualinnen, weiß Reger. Die jetzigen Frauen sind fast alle um die 60 Jahre alt.

Ilona Reger hat seit 17 Jahren in Schleswig gewohnt. In ihrem Lebensweg war nicht von Anfang an klar, dass sie sich eines Tages für ein Leben nahe bei Gott entscheiden würde. Konfirmiert wurde sie in jungen Jahren nicht, erst später fand sie über eine Studentengemeinde Nähe zum christlichen Glauben. Über ihre Zukunft im Kloster macht sich Reger keine Illusionen: "Das Leben wird total anders."

(epd Niedersachsen-Bremen/b1078/25.04.07)
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Projekt "Zeit für Kinder" der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Hannover

Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen unterstützen junge Mütter mit Babys, in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt. Z.B. wenn sie Termine haben, Arztbesuche wahrnehmen oder mit Zwillingen einen Großeinkauf tätigen wollen. Im Jahr 2006 haben bereits 24 Familien das Projekt für ihre Familie genutzt.

Ein bis zweimal pro Woche kann eine ehrenamtliche „Familienhelferin“ gegen eine geringe Gebühr, die an die Bildungsstätte gezahlt wird, in Anspruch genommen werden. Sollte es notwenig sein, kann die Gebühr auch ermäßigt werden. Den Ehrenamtlichen bietet die Evangelische Familien-Bildungsstätte Fortbildungen und einen regelmäßigen Erfahrungs-austausch an.

Kontakt und Information:
Ev. Familien-Bildungsstätte Hannover
Archivstraße 3
30169 Hannover
Tel.: 0511 1241542/509/423
Frau Helga Schönewald
Mail: Fabi.Hannover@kirchliche-dienste.de
Internet : www.fabi-hannover.de
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Mehr als 400 Manager beraten bundesweit Arbeitsuchende

Hannover (epd). Mehr als 400 Manager bundesweit beraten Arbeitsuchende kostenlos in einem Patenmodell "Arbeit durch Management". Der Leiter der diakonischen Initiative, Konrad Müller aus Berlin, würdigte am Mittwoch in Hannover das ehrenamtliche Engagement der so genannten Jobpaten. Sie berieten Arbeitslose individuell und gezielt, analysierten mit ihnen ihre Stärken und Schwächen und zeigten ihnen Wege in die Arbeitswelt, sagte Müller. Bis 2009 wolle die Initiative bis zu 10.000 aktive und ehemalige Führungskräfte für diese Aufgabe gewinnen.

Das Patenmodell strebt nach Müllers Worten ein bundesweites Netz an. Mehr als zwei Drittel aller Arbeitsplätze würden im "verdeckten Arbeitsmarkt" angeboten, der nicht über Anzeigen oder Arbeitsvermittlung zu erreichen sei. Im Internet veröffentlicht das Projekt anonymisierte Bewerberprofile, auf die Arbeitgeber reagieren können. Arbeitsuchende werden auch bei Initiativ-Bewerbungen oder beim schwierigen Weg in die Selbstständigkeit unterstützt.

In Niedersachsen arbeitet das Patenmodell in Hannover, Osnabrück und Braunschweig mit insgesamt rund 40 ehrenamtlich tätigen Führungskräften aus Wirtschaft, Unternehmensberatung und Behörden. Sie werden eingearbeitet, erhalten Supervision und treffen sich regelmäßig. Koordinatoren der Gruppen sind oft Beschäftigte der Telekom-Auffanggesellschaft Vivento. Die arbeitslosen Bewerber melden sich meist über das Internet.

Das Patenmodell entstand 1999 in Fürstenwalde in Brandenburg. Dort engagierten sich Unternehmer im örtlichen Rotary-Club gemeinsam mit der Diakonie. Am Dienstag hatte sich in Berlin der bundesweite Verein "Arbeit durch Management/Patenmodell" gegründet, an dem das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammen mit Unternehmensberatern und Managern beteiligt ist. (Internet: www.patenmodell.de)

(epd Niedersachsen-Bremen/b1097/25.04.07)
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Motorradfahrer gedenken der Unfallopfer

Braunschweig (epd). Mehrere tausend Motorradfahrer werden sich nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Motorradfahrer an einem Konvoi am Sonnabend von Salzgitter nach Braunschweig beteiligen und damit für mehr Sicherheit im Straßenverkehr demonstrieren. In einem Gottesdienst um 15 Uhr im Braunschweiger Dom gedenken die Biker dann der elf Motorradfahrer, die in der vorigen Saison auf ihren Maschinen tödlich verunglückten.

Ein solcher Gedenkgottesdienst im Braunschweiger Dom findet zum 20. Mal statt. Domprediger Joachim Hempel bescheinigte am Mittwoch den braunschweigischen christlichen Motorradfahrern eine nachhaltige Gedenk-Kultur, die im deutschen Straßenverkehr ihresgleichen suche. Auch in diesem Jahr werden wieder Holzkreuze mit den Namen der elf tödlich Verunglückten im Dom aufgestellt und dort eine Woche bleiben.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1086/25.04.07)
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Staat und Kirche auf dem Balkan

Das Verhältnis von Kirche und Staat in Serbien und Deutschland steht im Mittelpunkt einer Tagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Deutschen Bischofskonferenz und der Serbischen Orthodoxen Kirche, die am kommenden Wochenende in Berlin stattfindet.

„Die aktuelle Debatte im UN-Sicherheitsrat über den Status des Kosovo zeigt, wie wichtig vertrauensvolle Beziehungen sind, in denen man die verschiedenen Positionen erörtern kann“, sagte der EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte vor der Tagung. „Wir freuen uns, dass wir seit Jahren mit der Serbischen Orthodoxen Kirche konstruktive Gespräche über die Rolle der Religion, über Geschichte und aktuelle Entwicklungen führen können.“

An der Tagung nehmen unter anderem der Leiter des Amtes für Menschen- und Minderheitenrechte der serbischen Regierung, Petar Ladjevic, der Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Colin Williams und die Europa-Abgeordnete Erika Mann teil. Bischof Porfirije von Jegar, Diözese Backa (Novi Sad) leitet die Delegation der Serbischen Orthodoxen Kirche.

Seit 1999 bilden die jährlichen Konferenzen eine Plattform für Politiker, hochrangige Kirchenvertreter und Experten aus Serbien und Deutschland, um den Weg Serbiens und der Kirchen im europäischen Kontext zu diskutieren. Die Tagungen dienen dazu, Gespräche zu ermöglichen über die Lage Serbiens im heutigen Europa und über die Rolle der Kirchen im Prozess der Versöhnung und Stabilisierung der Situation auf dem Balkan. Teilnehmende sind Persönlichkeiten des kirchlichen, öffentlichen und politischen Lebens, sowie Fachleute aus Kirche und Politik aus Deutschland und Serbien.

Zur diesjährigen Tagung, die am 27. und 28. April im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Ziegelstr. 30, 10117 Berlin, stattfindet, werden etwa siebzig Teilnehmende aus Serbien und Deutschland erwartet. Hauptreferate halten Professor Bogoljub Sijakovic, Religionsminister a.D. (Belgrad), Petar Ladjevic, Leiter des Amtes für Menschen- und Minderheitsrechte, Regierung der Republik Serbien (Belgrad) und Christoph Thiele, Kirchenamt der EKD (Hannover).

Es handelt sich bei der Tagungsreihe um einen begleitenden Prozess, dessen vorläufiges Ende noch nicht abzusehen ist, erläutert Auslandsbischof Schindehütte. Dieser Prozess habe bereits Einfluss genommen auf die Gesetzgebung in Serbien im Blick auf die Religionsgesetzgebung und die Verankerung des Religionsunterrichtes in der Schule. Weitere Themen der Gespräche seien die Menschenrechte, Kultur und Medien, die Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft, Militärseelsorge, Zivildienst und Sozialdienste der Kirche. 2003 fand die Konferenz erstmals in Serbien statt und stellte die Frage nach Kirche und Identität. Nach einer Konsultation 2004 in Berlin und 2005 in Golubac, Serbien, fand im August 2006 statt einer regulären Konferenz eine interkonfessionelle Studierendenkonferenz in Berlin mit Teilnehmenden aus dem Kosovo, dem serbischen Stammland und aus Deutschland statt.

Hannover, 25. April 2007
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi