Vizepräsident will Fortsetzung des Dialogs mit Muslimen

Nachricht 24. April 2007

Hannover (epd). Der geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries, hat sich dafür ausgesprochen, den Dialog zwischen Christen und Muslimen fortzusetzen. Trotz vieler Konflikte gebe es auch ermutigende Beispiele für ein vertrauensvolles Zusammenleben in Deutschland, sagte de Vries am Dienstagabend in Hannover bei einer Veranstaltung der Ärztekammer Niedersachsen zum Thema "Wird Deutschland schleichend islamisiert - Wie müssen Christen darauf reagieren?".

"Wenn es um das nachbarschaftliche Zusammenleben geht, ist das Verhältnis gerade unter Christen und Muslimen oft besser als sein Ruf", sagte der leitende evangelische Theologe seinem Redemanuskript zufolge. Dennoch gebe es bei den Deutschen die Sorge, dass das Land schleichend islamisiert werde. Diese Angst sei ernst zu nehmen. So dächten 91 Prozent der Deutschen laut einer Umfrage beim Stichwort Islam an die Benachteiligung von Frauen. 62 Prozent hielten den Islam für rückwärtsgewandt.

Bei verschiedenen Konflikten in jüngster Zeit habe sich aber das freiheitliche demokratische System der Bundesrepublik durchgesetzt, betonte de Vries. Als Beispiele nannte er den Umgang mit dem Karikaturen-Streit in Deutschland und die Absetzung der Oper "Idomeneo" in Berlin, die wieder rückgängig gemacht worden sei. Im Konflikt verschiedener Grundrechte sei es zu einem Ausgleich zwischen der Religionsfreiheit und der Gewissens-, Meinungs- und Pressefreiheit gekommen. Dies sei schweren Herzens von den muslimischen Verbänden anerkannt worden.

Von den 3,2 Millionen in Deutschland lebenden Muslimen fühle sich nur eine Minderheit einer Moschee-Gemeinde direkt verbunden, sagte de Vries. Die Unterschiede zwischen den Gemeinden seien erheblich. Einige wenige wie die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs würden weiter vom Verfassungsschutz beobachtet. "Ein Generalverdacht, alle Muslime wollten unsere Gesellschaft unterwandern, verbietet sich um der Menschen willen", sagte de Vries. Die ganz überwiegende Zahl der Muslime, die ihren Glauben aktiv lebten, suchten darin Orientierung im Leben und Trost im Sterben.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1081/24.04.07)
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