"Woche für das Leben" eröffnet / Statement der Landesbischöfin

Nachricht 21. April 2007

-> Predigt von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann
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Kirchen eröffnen bundesweite "Woche für das Leben"

Bremen (epd). Zum Auftakt ihrer bundesweiten "Woche für das Leben" haben Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland am Sonnabend eine kinderfreundlichere Gesellschaft gefordert. Christliche Werte vermittelten Kindern eine feste Basis und Mut zur Zukunft, sagten die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, bei der Eröffnung in einem ökumenischen Festgottesdienst im Bremer Dom.

In ihrer Predigt betonte Käßmann, in der Erziehung sei nicht nur das vorbildhafte Verhalten der Eltern entscheidend. Erziehung passiere nicht von allein, sondern müsse vom gesamten Umfeld erbracht werden. "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen", erinnerte Käßmann an ein afrikanisches Sprichwort. Wer dagegen nur Börsenkurse im Blick habe, könne sehr tief fallen: "Die Zukunft liegt im Kind - christlich gesehen ist das eine zentrale Lektion."

Kardinal Karl Lehmann ermutigte Eltern, auf unterstützende Angebote der Kirchen zurückzugreifen. Mit Hilfen wie Tagesstätten, Elternkursen und dem Religionsunterricht stünden Mütter und Väter in ihrem Bemühen um eine gute Erziehung und Bildung nicht allein da.

Während des Gottesdienstes im voll besetzten Dom bemalten Kinder Bausteine mit ihren Wünschen und Vorstellungen für die Zukunft. "Kinder brauchen viel Liebe von den Eltern", stand am Ende groß auf einem der Pappblöcke. Bis in den Nachmittag hinein nahmen sich danach zahlreiche Eltern Zeit für ihre Kinder und spielten, malten und bastelten mit ihnen bei bunten Aktionen auf dem Marktplatz.

Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion riefen Käßmann und Lehmann dazu auf, die Erziehungsleistung nicht erwerbstätiger Mütter stärker zu honorieren. "Das führt bis zur Frage der besseren Anerkennung von Erziehungszeiten bei der Rente", sagte Kardinal Lehmann. Landesbischöfin Käßmann forderte die Männer auf, sich in der Erziehung mehr zu engagieren. Um dies möglich zu machen, sei die Wirtschaft gefragt. Auch Unternehmen müssten dafür sorgen, dass Beruf und Familie besser zu vereinbaren seien. Am Rande der Veranstaltung warnte Käßmann davor, über Krippen oder die Berufstätigkeit von Müttern zu streiten. "Wirklich Mut zum Kind machen diese Debatten kaum", sagte die Bischöfin. Kinder seien Teil des Lebens, es müsse ihnen vermittelt werden, dass sie angenommen seien. Durch Kinder werde eine Gesellschaft beweglich und kreativ.

Kardinal Lehmann sagte, eine gute und liebevolle Erziehung sei das Kostbarste, was Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben könnten. Doch oft fühlten sich Mütter und Väter mit der Erziehung überfordert. Das gelte längst nicht nur in so dramatischen Fällen wie bei dem kleinen Kevin in Bremen, der im vergangenen Jahr gestorben sei.

Die "Woche für das Leben" wirbt unter dem Motto "Mit Kindern in die Zukunft gehen" bis zum 28. April mit zahlreichen Veranstaltungen für eine kinderfreundlichere Gesellschaft und eine bewusste Erziehung.

Internet: www.woche-fuer-das-leben.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b1062/20.04.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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Anlässlich der Eröffnung der Woche für das Leben 2007 hat Landesbischöfin Margot Käßmann, Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), bei der Pressekonferenz vor dem Eröffnungsgottesdienst im St. Petri-Dom in Bremen folgendes erklärt.

Statement von Landesbischöfin Margot Käßmann
beim Pressegespräch anlässlich der Eröffnung der
Woche für das Leben 2007
am 21. April 2007 in Bremen


„Mit Kindern in die Zukunft gehen“ lautet das Motto der diesjährigen Woche für das Leben. Anscheinend ist es heute notwendig, eine solche Selbstverständlichkeit zu thematisieren: nur mit Kindern gehen wir in die Zukunft. Deutschland ist angespannt geworden, was den Nachwuchs betrifft, die demografischen Daten sind beunruhigend. Warum wohl ist die Normalität mit Blick auf Kinder verloren gegangen in unserem Land? Wie kann es sein, dass so viele Menschen Kinder nicht mehr als Teil ihrer Lebensplanung sehen? Und wie kann in einem kinderarmen Land auch noch jedes siebte Kind arm sein? So wird nun gestritten um Krippen und ihre Wirkung, um berufstätige Mütter, um Bildungschancen. Wirklich Mut zum Kind machen allerdings alle diese Debatten kaum. Und Lust auf Zukunft ist offensichtlich kein Lebensgefühl in Deutschland.

Als christliche Kirchen sagen wir mit dieser Aktion: Kinder sind Teil des Lebens! Macht es doch nicht so kompliziert! Es tut einer Gesellschaft gut, wenn sie durch Kinder herausgefordert wird, nur so ist sie beweglich und kreativ. Schottet Kinder nicht ab in Kleinfamilien, sondern heißt sie willkommen in unserer Welt. Hört auf, Klischees und Regeln vorzugeben, sondern freut euch doch schlicht, dass Kinder geboren werden, oft gegen alle ökonomische Vernunft. Und dann steht ihnen bei, den Müttern und Vätern und Kindern und versucht nicht, sie politisch zu etikettieren. Die „Woche für das Leben“ will Mut machen zu Kindern, sie will dazu beitragen, unsere Gesellschaft, unsere Kirche bewusst kinderfreundlich zu gestalten.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im St. Petri­Dom werden die evangelische und katholische Kirche heute Morgen hier in Bremen ihre gemeinsame Woche für das Leben 2007 eröffnen. Sie steht in den Jahren 2005 bis 2007 unter dem Leitthema „KinderSegen – Hoffnung für das Leben“. Zahlreiche Gottesdienste, Informations­ und Diskussionsveranstaltungen in vielen Landeskirchen und Diözesen, in Akademien, Bildungsstätten und Gemeinden werden in den kommenden Tagen im Rahmen dieser Initiative stattfinden. Bei all diesen verschiedenen Aktivitäten geht es darum, das Bewusstsein für die Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit menschlichen Lebens im Allgemeinen und der Kinder im Besonderen zu schärfen.

Die diesjährige Woche für das Leben stellt den gemeinsamen Weg mit Kindern in den Mittelpunkt. Was brauchen die uns anvertrauten Kinder auf ihrem Weg, wie kann die Orientierung auf das Gute hin gelingen, und wie eröffnet sich ihnen eine Perspektive für den eigenen Weg mit Gott? Eng hiermit verbunden ist die Frage: Was kann die Gesellschaft zur Entwicklung von Kindern beitragen, und wie sollte sie Familien in ihrer wichtigen Aufgabe unterstützen?

Alle, die mit Kindern leben – Eltern, Familien, Erziehende – stehen in der Verantwortung, den Kindern etwas von dem mitzugeben, was das eigene Handeln bestimmt und was das Leben im Miteinander der Menschen trägt. Diese Perspektive eröffnet Zukunft und begründet die Hoffnung, dass Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit, Mitmenschlichkeit und Lebensfreude für alle möglich sind. Als Geschöpf Gottes ist jedes einzelne Kind ein Segen! Um das deutlich zu machen, wollen wir ab der frühesten Kindheit umfangreiche Bildungsangebote bereitstellen, um soziale Ungleichheiten auszugleichen. Jedes Kind soll optimale Startchancen erfahren. Es geht vor allem darum, Kindern das Vertrauen zu vermitteln, dass sie angenommen sind und sich darauf verlassen können, dass Erwachsene Ihnen beistehen.

Mit Kindern in die Zukunft zu gehen, heißt auch, mit ihnen zu entdecken und zu erkennen, was Gott dem Menschen zugedacht hat. Christliche Erziehung und Bildung machen vertraut mit der Geschichte Gottes mit den Menschen. In evangelischen und katholischen Einrichtungen für Kinder werden biblische Geschichten erzählt, fröhliche Lieder gesungen, stärkende Gebete gesprochen und festliche Gottesdienste gefeiert. Zum Glauben an Gott wird ermutigt und auch zur Rücksichtnahme auf den Nächsten. Kinder erleben Christsein als Hilfe zum Leben. Sie begegnen in unserem Glaubenszeugnis Gott, der Große und Kleine liebt, der Schwache stärkt und Gerechtigkeit und Frieden will. Um Bildung insgesamt geht es uns in dieser Woche, um religiöse Bildung im Besonderen und um die Vermittlung von Werten.

So hoffe ich, diese Woche ermutigt in unseren Gemeinden aber auch weit darüber hinaus, mit Kindern in die Zukunft zu gehen.