"Antichristliche Entwicklung" in Türkei angeprangert

Nachricht 19. April 2007

Göttingen (epd). Nach dem Mord an drei Christen im Südosten der Türkei hat die Gesellschaft für bedrohte Völker eine "zunehmend antichristliche Entwicklung" in dem Land kritisiert. Die in der Türkei herrschende Staatsideologie des Kemalismus bediene sich des gleichgeschalteten sunnitischen Islam, um die Demokratisierung des Landes zu verhindern, sagte der Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation, Tilman Zülch, am Donnerstag in Göttingen. Die Christen seien "de facto aus dem Staatsvolk ausgeschlossen".

Der Anteil der christlichen Bevölkerung in den heutigen Grenzen der Türkei sei von 25 Prozent zu Anfang des 20. Jahrhunderts auf nun 0,1 Prozent zurückgegangen, sagte Zülch. Die katholischen und evangelischen Kirchen hätten bis heute keinen Rechtsstatus, sind somit keine eigenständigen Körperschaften und nicht rechtsfähig. Ihre Gottesdienste müssten meist in Privatwohnungen stattfinden. "Außerhalb von Touristengebieten wird in der Regel kein Kirchenneubau erlaubt", kritisierte Zülch.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1034/19.04.07)

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