Henriettenstiftung erinnert an deportierte Schwester

Nachricht 15. April 2007

Hannover (epd). Die hannoversche Henriettenstiftung will ihr Pflege- und Therapiezentrum Fischerstraße in "Hilde-Schneider-Haus" umbenennen. Die heute 90-jährige Schneider hatte sich in dem evangelischen Stift zur Krankenschwester ausbilden lassen und wurde in der NS-Zeit 1941 nach Riga deportiert, sagte Vorsteher Dieter Zinßer am Sonntag dem epd. Sie überlebte Konzentrationslager und Ghetto, studierte nach dem Krieg Theologie und wurde eine der ersten Gefängnisseelsorgerinnen in Deutschland.

"Mit der Benennung eines unserer Häuser nach ihr wollen wir an ein Kapitel unserer Geschichte erinnern", sagte Zinßer. Vor allem aber solle Hilde Schneider als mutige und Mut machende Frau gewürdigt werden. In der 2001 erschienen Biografie "Von Riga nach Locarno" schildert der Frankfurter Journalist Hartmut Schmidt die Geschichte des 1916 in Hannover geborenen evangelischen Mädchens mit jüdischen Großeltern. Präzise schildert Schmidt auch Schneiders Ausgrenzung in der NS-Zeit und die ambivalente bis hilflose Haltung der damaligen Verantwortlichen der Henriettenstiftung.

Unter dem Motto "Es gilt sich zu erinnern - um der Zukunft willen" veranstaltet die Stiftung von Dienstag bis Freitag eine "Hilde-Schneider-Woche". Unter anderen lesen die NDR-Redakteurin Hanna Legatis und der Schauspieler Martin G. Kunze am Mittwoch um 19 Uhr aus der Biografie Schneiders. Am Donnerstag spricht der Abt zu Loccum, Horst Hirschler, über "Hilde Schneider - Leben im KZ mit der Bibel". Schneider, die seit vielen Jahren in einem Wohnstift bei Frankfurt lebt, kann aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst teilnehmen. Weitere Informationen unter Telefon 0511/289-4401.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0981/15.04.07)

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