EKD-Rat geht zu Fuß über israelisch-palästinensische Grenze

Nachricht 15. April 2007

Bethlehem (epd). Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat bei seiner Nahost-Reise am Samstag die israelische Sperrmauer zum Westjordanland besichtigt. Als Zeichen der Solidarität durchschritt die evangelische Delegation den Kontrollpunkt zwischen Bethlehem und Jerusalem zu Fuß auf Teilen des Weges, den auch Palästinenser benutzen müssen.

Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber zeigte sich anschließend bedrückt: "Ich habe das Gefühl, dass das für Palästinenser sehr demütigend sein muss, diesen Weg zu gehen." Er verwies darauf, dass das Heilige Land die Weltregion sei, in der die Würde des Menschen ihren Ursprung habe. Allerdings müssten alle demütigenden Verhaltensweisen abgestellt werden. Er verurteilte Selbstmordattentate der Palästinenser ebenso wie das Ausspielen der militärischen Überlegenheit Israels.

Der Berliner Bischof äußerte die Sorge, "dass sich in den Menschen bei jedem derartigen Weg neuer Hass und neue Ablehnung aufstaut". Dadurch wüchsen wechselseitiges Misstrauen und Aversionen immer wieder. "Das ist ein Teufelskreis", sagte Huber. Er verwies darauf, dass die Situation bei der Grenzpassage nicht typisch gewesen sei.

Die israelischen Sicherheitskräfte ließen die Delegation ohne Passkontrollen durch. Zudem war ein Teil der Sperrmaßnahmen deaktiviert worden, als die deutsche Gruppe den Grenzübergang "Rachels Grab" durchschritt. Palästinenser, die zur gleichen Zeit nach Israel einreisten, mussten sich Kontrollen unterziehen. "Es hat etwas Gespenstisches", sagte Huber. Er habe sich vorgestellt, wie Schwangere durch die engen Schleusen und Drehkreuze gehen müssten.

Der EKD-Ratsvorsitzende appellierte, alle Möglichkeiten zu nutzen, "damit Menschen wieder zusammen kommen und wieder miteinander reden". Er hoffe, dass dies auch die Regierungen wieder tun. "Ich habe eine ganz bescheidene Initiative dazu gestartet, die beiden Tourismusminister dazu zu bewegen, dass sie miteinander reden und gemeinsam überlegen, wie Bewegungsfreiheit wieder gestärkt werden kann", sagte Huber. Israel und Palästina müssten als eine einzige Region wahrgenommen werden können, die gemeinsam zu bereisen sei. (04265/14.4.2007)


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