Sammlerin zeigt mehr als 1.000 Eier und christliche Volkskunst

Nachricht 05. April 2007

Von Karen Miether und Jörg Nielsen (epd)

Delmenhorst/Celle (epd). Ostern hat es Elisabeth Scheffler angetan. Seit mehr als 20 Jahren sammelt die evangelische Pfarrfrau aus dem niedersächsischen Fuhrberg bei Celle Ostereier, Passionsdarstellungen, Kunsthandwerk und Brauchtum rund um das höchste christliche Fest. Bis zum 15. April sind ihre Oster- und Passionsschätze in der Ausstellung "Freude über Ostern" in Delmenhorster Stadtkirche zu sehen.

Ihre Schätze fand Scheffler auf Märkten in aller Welt: in Paraguay, Polen, Litauen oder im Sudan. Ihre Sammlung gehört zu den größten ihrer Art in Norddeutschland. Allein mehr als 1.000 Ostereier zeigt sie in Delmenhorst. Deren kunstvolle Muster sind gemalt, gekratzt, gestickt, gelocht oder mit Sauerkrautsaft geätzt. In der Ukraine werden die Eier gebatikt, in Hessen filigran beschrieben und in Polen mit Binsenmark beklebt. Aus anderen kann man ein dünnes Papierband mit einem Bibelspruch ziehen.

Eier gehören zu den Ursymbolen für das Leben und tauchen in allen Kulturen auf. Christliche Missionare erkannten schnell die tiefe Bedeutung des alten vorchristlichen Symbols für das Leben und die Auferstehung. "Von außen gesehen ähnelt das Ei einem toten Stein", erläutert Scheffler. "So wie neues Leben aus dem Ei hervorbricht, so bricht Christus aus dem Grab, das mit einem Stein verschlossen war. Die Macht des Todes ist zerbrochen."

Wie viele Ausstellungsstücke sie mittlerweile gesammelt hat, kann Elisabeth Scheffler gar nicht sagen. Sie führt auch keine Liste. "Ich weiß nur immer sofort, wenn etwas fehlt. Denn jedes Stück hat seine besondere Geschichte." Eine Darstellung der Kreuzigung beispielsweise entdeckte sie aus dem Auto heraus in einem polnischen Apothekenfenster. "Da musste mein Mann sofort bremsen und eine Kehrtwende machen."

In der Ausstellung stellen unter anderem Holzfiguren den Leidensweg Jesu dar. Bauern aus Polen haben sie geschnitzt. "Das sind ganz tief religiöse Leute", erzählt Scheffler. Süße Kringel aus Hefeteig, die in Ostpreußen am Gründonnerstag zum Abendmahl gegessen wurden, sind ebenfalls zu sehen. "Man verteilte sie an die Nachbarn und aß sie zusammen. Das mache ich auch bei uns im Dorf."

Lieblingsstücke hat sie nicht. "Mal beeindruckt mich eine geschnitzte Darstellung des letzten Abendmahls mit dem Gekreuzigten in der Mitte, mal eine Christus-Figur mit einem besonders ausdrucksstarken Gesicht." Und dann greift sie sich eine kleine, etwa 15 Zentimeter große Schnitzerei: "Das ist eine Seltenheit", erläutert sie. "Es ist Adam, der seinen erschlagenen Sohn Abel in den Armen hält und ihn betrauert."

Elisabeth Scheffler will mit ihrer Oster-Schau den Sinn des Festes und der vorangehenden Passionszeit begreifbar machen. Darum zeigt sie auch Palmwedel, immergrüne Zweige und Weidenäste aus Israel, Südeuropa und Süddeutschland. Schon als Kind habe sie die christlichen Feste bewusst gefeiert, sagt Scheffler, die selbst in einem Pfarrhaus aufwuchs.

Eine befreundete Sammlerin weckte später ihre Leidenschaft für die christliche Volkskunst. "Das ist alles Glaube zum Anfassen", sagt sie und schmunzelt: "Aber bitte nicht meine Ausstellungsstücke."

(epd Niedersachsen-Bremen/b0821/23.03.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen