Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern / "Warum das Grab leer sein musste" - Interview mit Ulrich Wilckens

Nachricht 05. April 2007

Gründonnerstag - Gemeinschaft im Abendmahl

Am Gründonnerstag, dem Tag vor dem Karfreitag, wird der Einsetzung des Abendmahls durch Jesus Christus gedacht. In der Bibel wird erzählt, wie er mit seinen Jüngern das Passahmahl einnahm. In der jüdischen Tradition ist dies ein feierliches Essen, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnern soll. Für Jesus selber war es die letzte Speise vor seiner Verhaftung und seinem Tod am Kreuz. So wie es im Neuen Testament beschrieben wird, feiern evangelische Christinnen und Christen noch heute das „Abendmahl“. Die Pastorin oder der Pastor spricht dabei die Einsetzungsworte wie sie in den Evangelien bei Matthäus, Markus und Lukas überliefert sind. Über das Brot heißt es: „Nehmt und esst, das ist mein Leib“ und auf den Kelch bezogen: „Trinkt alle daraus! Denn das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“

Woher nun die seit dem 12. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung „Grün“ – Donnerstag stammt, ist wissenschaftlich nicht ganz klar. Sie könnte sich von dem lateinischen „dies viridium“ (Tag der Grünen) ableiten. An diesem „Tag der Grünen“ kleideten sich Menschen, die nach ihren Verfehlungen Buße tun wollten, in dieser Farbe und wurden am Vorabend des Karfreitags wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Es gibt aber auch andere Erklärungen: Das Essen der grünen Kräuter, die zur Tradition des Passahmahls gehören, könnte zum Namen geführt haben. Oder eine Ableitung vom althochdeutschen „grinen“ (übersetzt: klagen).

Ebenfalls schon im frühen Mittelalter lässt sich außerdem eine Tradition der Fußwaschung nach dem Vorbild Jesu (Johannes 13, 1-11) nachweisen. Im Gedenken an diese „mandatum“ genannte Fußwaschung bürgerten sich manche Bräuche an. So wurden seit dem 13. Jahrhundert Brotspenden, das sogenannte „Mandat-Brot“, von Klöstern an Arme verteilt. Kinder bekamen Honigbrote und Lebkuchen.

Heute wird in vielen Kirchen am Gründonnerstagabend ein Gottesdienst mit Abendmahl gefeiert. Manchmal wird dieser Gottesdienst von Konfirmandinnen und Konfirmanden gestaltet, manchmal werden die Elemente des Passahmahls gereicht, das grüne Bitterkraut und eine Schale mit Salzwasser für die bitteren Tränen In manchen Gemeinden hat sich die Tradition des „Tischabendmahls“ eingebürgert, bei dem nach der gemeinsamen Feier des Abendmahls ein gemeinsames Essen an Tischen stattfindet.

Karfreitag – Tag der Ruhe und Besinnung

Karfreitag, der Freitag vor Ostern, ist einer der wichtigsten kirchlichen Feiertage. An ihm erinnern sich Christen weltweit daran, dass Jesus Christus auf dem Hügel Golgatha bei Jerusalem gekreuzigt wurde. Mit diesem Opfertod hat er die Menschheit von ihren Sünden erlöst, wie es im Alten Testament geweissagt wurde. Durch eigene Leiderfahrung kann Gott die Menschen verstehen und glaubwürdig trösten. Dieses Bild ist zentraler Glaubensinhalt aller christlichen Kirchen. Das Kreuzessymbol ist in Kirchen, auf Friedhöfen und andernorts aus diesem Grund als Zeichen der Hoffnung gegenwärtig.

Der Name Karfreitag beinhaltet das althochdeutsche „chara“, was soviel wie „wehklagen, trauern“ bedeutet. Seit dem 4. Jahrhundert wird der Tag mit Gottesdiensten begangen, oft verbunden mit Trauerfasten an diesem Tag. Es gehört seit jeher zum christlichen Glauben, den Lebensweg Christi nachzuvollziehen. So auch sein Leiden und Sterben, die Passion. Dazu dienen Karfreitagsprozessionen, Kreuzwege oder Passionsspiele.

Der Karfreitags-Gottesdienst wird in der Evangelischen Kirche meist als Bußgottesdienst gefeiert, zu dem das Abendmahl gehört. Die Liturgie ist dabei reduziert. Durch den üblichen Verzicht auf Glockengeläut, Orgelmusik und einen leeren Altar wird der besondere Charakter des Tages unterstrichen. Oft gibt es am Nachmittag spezielle Andachten zur Todesstunde Christi.

Im Protestantismus hat die Kirchenmusik eine besondere Bedeutung. Häufig werden am Karfreitag die Johannes-Passion oder die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt. In berichtenden Rezitativen, Chören und Chorälen wird die Passionsgeschichte nach den jeweiligen Evangelien eindrücklich erzählt. Selbst Friedrich Nietzsche äußerte zur Matthäus-Passion: „Wer das Christentum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium“. In der Matthäus-Passion kommt auch der Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ vor. Der Text dieses bekanntesten Karfreitagsliedes stammt übrigens von Paul Gerhardt, dessen 400. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird.

In Deutschland ist der Karfreitag als Feiertag geschützt. Laut Niedersächsischem Feiertagsgesetz sind an diesem Tag mit „ernstem Charakter“ Veranstaltungen, „die über den Schank- und Speisebetrieb hinausgehen“ sowie öffentliche sportliche Veranstaltungen nicht zugelassen. Der Karfreitag ist ein Tag der Ruhe und eine Einladung zur Selbstreflexion.
Letztlich ist er aber auch schon ein Tag der Vorfreude auf das Osterfest, das zwei Tage später gefeiert wird: Ohne Jesu Tod gäbe es keine Auferstehung und Überwindung des Todes. Dies feiern Christen am Ostersonntag.


Ostern - Fest des Lebens

Ursprünglich wurde Ostern an jedem Sonntag gefeiert. Denn jeder Sonntag ist in der frühen Kirche als Tag der Auferstehung Christi begangen worden. Das heutige Osterfest ist ab dem zweiten Jahrhundert nach Christus nachgewiesen. Seit dieser Zeit gibt es den Wunsch, ein jährlich wiederkehrendes Fest zum Gedächtnis von Kreuz und Auferstehung zu installieren. Der Zeitpunkt war allerdings zu Anfang sehr umstritten: nach langen und heftigen Auseinandersetzungen legte das Konzil von Nicäa im Jahr 325 n.Chr. fest, dass am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond Ostern gefeiert werden sollte. Daraus folgt, dass Ostern ein bewegliches Fest ist: Es wird frühestens am 22. März und spätestens am 25. April gefeiert.

Der Name „Ostern“ ist dabei germanischer Herkunft, geht es doch auf das Wort „Austro“ zurück. Manche sagen, dass dieser Name eine Ableitung von „Eostre“ sei, einer angelsächsischen Göttin des Frühlings. Möglich ist aber auch, dass das altgermanische „Austro“ von „Aust“ stammt, was „Ost“ bedeutet.

Mit dem Osterfest verbinden sich bis heute zahlreiche Bräuche. Heidnischen Ursprungs ist etwa das Osterfeuer, das wahrscheinlich auf germanische Frühlingsfeuer zurückgeht. Ähnliches gilt auch für die Ostereier, die eigentlich ein Fruchtbarkeitssymbol darstellen. Eine kirchliche Weihe der Ostereier ist aber schon im 12. Jahrhundert bezeugt.

Aus dem 17. Jahrhundert wiederum stammen die ersten Nachweise, dass man Ostereier im Freien versteckte. Schon damals haben Kinder sie gesucht, denen erzählt wurde, der Osterhase habe sie „gelegt“. Apropos Osterhase: Früher gab es zu Ostern nicht nur für Adelige, sondern für alle das Recht, Hasen zu jagen. Wahrscheinlich hat man diese Tradition in scherzhafte Verbindung zu den Ostereiern gebracht und so ist die Geschichte vom eierlegenden Osterhasen entstanden.

Das „Osterlamm“ dagegen ist eine Ableitung vom „Passahlamm“. Schon zu Jesu Zeiten wurde es zum Passahfest geschlachtet, das in jüdischer Tradition auch heute noch zur Erinnerung des Auszugs der Israeliten aus Ägypten gefeiert wird.

(Sonja Domröse, www.sprengel-stade.de)
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Warum das Grab leer sein musste

Der Streit um die wahre Geschichte von Jesus Christus geht weiter. Im vergangenen Jahr hielt der Bestseller „Sakrileg“ die Öffentlichkeit mit seiner Theorie in Atem, Jesus sei gar nicht am Kreuz gestorben, sondern habe später mit Maria Magdalena Kinder gezeugt. In diesem Jahr haben Archäologen behauptet, das Grab Jesu mit seinen Gebeinen aufgespürt zu haben. Die Christenheit feiert an Ostern, dass Christus nach seinem Tod am Kreuz von den Toten auferstanden ist. Einer, der der Auferstehungsbotschaft wissenschaftlich auf den Grund ging, ist der Theologieprofessor, Bibelübersetzer und frühere nordelbische Bischof Ulrich Wilckens (Lübeck). idea-Reporter Marcus Mockler sprach mit ihm über das leere Grab, den Aufenthaltsort der Verstorbenen und das aktuelle Streitthema „Bibel in gerechter Sprache“.

idea: Herr Bischof, Sie haben sich in zwei Büchern intensiv mit Ostern befasst. War das Grab Jesu am Ostermorgen leer?

Wilckens: Ja. Einer der wichtigsten Gründe, die dafür sprechen, ist: Die biblischen Berichte vom Leiden und Sterben Jesu Christi sind nie reine Passionsberichte gewesen. Die Verkündigung der Auferstehung im leeren Grab Jesu war immer Schluss- und Höhepunkt. Darüber hinaus müssen wir davon ausgehen, dass die ersten Christen in Jerusalem öffentlich von der Auferstehung Christi von den Toten sprachen. Hätte es dort irgendwo eine Grabstätte gegeben, wären die Christen ja als Lügner ertappt worden. Die Gegner hätten doch auf jeden Fall auf diese Grabstätte hingewiesen. Das halte ich für ein sehr starkes Argument.


idea: Hörte nicht das Markus-Evangelium in seiner ältesten Fassung vor der Auferstehung auf?

Wilckens: Nein, auch die älteste Fassung berichtet vom leeren Grab als ein Bericht über ein wirkliches Erlebnis der drei namentlich genannten Frauen. Nur die danach berichteten Begegnungen mit dem Auferstandenen wurden zum Markus-Evangelium nachgetragen.


idea: Viele Ihrer früheren oder noch amtierenden Bischofskollegen beantworten die Frage nach dem leeren Grab anders. Horst Hirschler (Hannover), Manfred Kock (Rheinland) und Ulrich Fischer (Baden) betonen, es komme nicht auf das leere Grab an, sondern – verkürzt gesagt – auf die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus – wie auch immer man sich das nach Kreuzigung und Grablegung vorzustellen hat. Warum ist Ihnen das leere Grab so wichtig?

Wilckens: Weil das zunächst schlechthin die Ostergeschichte der Evangelien ist. Nähme man den Evangelien die Geschichte vom leeren Grab, hätten sie keinen Höhepunkt und keinen Schluss. Ich habe mich deshalb ausführlich in meiner „Theologie des Neuen Testamentes“ mit allen Argumenten gegen das leere Grab auseinandergesetzt.


idea: Warum meinen dann aber so viele Theologen, das Wunder des leeren Grabes wegerklären zu müssen?

Wilckens: Die Osterberichte umfassen mehr als die Botschaft vom leeren Grab. Christus ist nach seiner Kreuzigung vielen Menschen erschienen. Wer dem Auferstehungswunder gegenüber kritische Bedenken in seinem Herzen hat, der wird sich eher an die Erscheinungsberichte halten, weil man die deuten kann als Erfahrungen, die Menschen auch innerlich mit dem Auferstandenen gemacht haben können. Solche Erfahrungen können ja auch wir heute mit dem Auferstandenen machen.


idea: Dennoch ist die Vorstellung eigenartig, dass Jesu Leichnam irgendwo verwesen soll und gleichzeitig Menschen Begegnungen mit dem Auferstandenen haben.

Wilckens: Über diese Vorstellung könnte man immerhin diskutieren – wenn man nicht wüsste, dass die Juden von der Auferstehung immer als Auferstehung des Leibes gesprochen haben, und zwar schon bevor es Christen gab. Deswegen hat das leere Grab am Ostermorgen auch die Gegner in Aufregung versetzt. Entscheidend ist, dass die Zeugen der Erscheinungen von einer wirklichen Begegnung mit der Person des Auferstandenen berichten und nicht von einem inneren Erlebnis.


idea: In jüngerer Zeit wird immer häufiger die Ansicht vertreten: Jesus ist bei der Kreuzigung gar nicht wirklich gestorben, er war nur scheintot und zog später mit seiner angeblichen Frau Maria Magdalena nach Frankreich. So hieß es etwa in dem Bestseller „Sakrileg“. Sind solche Überlegungen in irgendeiner Weise ernst zu nehmen?

Wilckens: Es handelt sich dabei um moderne Fiktion, deren Inhalt von keinem respektablen Neutestamentler der Welt positiv beschieden wird. Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun.


idea: Nun ist die Botschaft von der Auferstehung ja nicht nur interessant, weil sie von einem Wunder berichtet. Es heißt auch, dass durch die Auferstehung Christi alle, die an ihn glauben, ebenfalls auferstehen werden. Wann wird das sein?

Wilckens: In der Zukunft der von Gott heraufgeführten Endzeit. Wir wissen nicht, wann sich das ereignen wird.


idea: Wo sind die verstorbenen Christen dann jetzt? In einem Schlaf? Oder hellwach vereint mit Christus?
Wilckens: Sie sind bei Jesus. Schon auf Erden lebt jeder Christ „in Christus“, verbunden mit ihm. Diese Verbundenheit gründet darin, dass er von den Toten auferstanden ist – und sie geht über den Tod hinaus.


idea: Sprechen dann die Entschlafenen auch mit Christus? Beten sie zu ihm?

Wilckens: Wenn sie denn bei Christus leben, werden sie ganz zweifellos zu Gott (und für uns) beten. In Christus bleiben wir mit ihnen und sie mit uns verbunden. Insofern kann man immer für die Verstorbenen beten und sollte das auch tun – als Fortführung der Fürbitte füreinander in diesem Leben.


idea: Bei diesem Verständnis könnten Sie wie viele katholische Christen Maria anrufen und ihr sagen, sie solle bei Christus für Sie bitten.

Wilckens: Das geht nur, wenn klar bleibt, dass wir auch mit Maria nur durch Jesus Christus miteinander verbunden sind. Ein unmittelbares Verhältnis zu ihr gibt es nicht.


idea: Wo sind eigentlich die Verlorenen, die nicht an Christus geglaubt haben?

Wilckens: Das weiß Gott allein. Das Gericht ist eine sehr ernste Frage. Wir dürfen weder sagen, dass seit Christus niemand mehr gerichtet wird – noch dürfen wir sagen, dass Christus mit seiner Erlösung an Grenzen gebunden ist.


idea: Gibt es nicht schreckliche Schilderungen von Jesus Christus selbst, wie es in der Hölle sein wird?

Wilckens: Ja, das kann man nicht wegdiskutieren. Aber ob ein bestimmter Mensch in den Himmel oder in die Hölle kommt, dürfen wir weder selbst lehren noch gar Gott vorschreiben.


idea: Einer hat mal gesagt: „Wenn Christen nur fünf Minuten in der Hölle verbringen müssten, würde das für die Mission mehr erreichen als alle Predigten.“ Nehmen wir in unserer Zeit die Verlorenheit des Menschen überhaupt noch ernst?

Wilckens: Das ist eine berechtigte Frage. Um so wichtiger ist die Feststellung: Das Osterzeugnis im Neuen Testament ist immer verbunden mit dem Auftrag missionarischer Verkündigung. Jeder, den wir erreichen könnten, aber aus welchen Gründen auch immer nicht erreichen wollten oder nicht erreicht haben, ist ein Mangel. Wir werden zur Rechenschaft gezogen – auch für das, wo wir missionarisch gefehlt haben. Das heißt aber nicht, dass jeder, den niemand erreicht hat, automatisch verloren geht.

(...)

idea: Zurück zu Ostern: Wie feiern Sie persönlich dieses Fest?

Wilckens: Es gibt meiner Erfahrung nach keinen schöneren Gottesdienst als den Osternachtgottesdienst. An dem werden wir in unserer Familie auch dieses Jahr wieder mit großer Freude teilnehmen. Und nach dieser wundervollen Feier gibt es – nach 40 Tagen Fastenzeit – wieder den ersten Schluck Wein.

idea: Wir danken für das Gespräch.

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