Landessuperintendent lebt "sieben Wochen mit Hartz IV"

Nachricht 03. April 2007

Lüneburg (epd). Der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen hält die Grundsicherung nach Hartz IV für zu gering bemessen. "Man stirbt davon nicht, aber man kann auch nicht richtig leben mit dem Geld", sagte er am Dienstag im epd-Gespräch. Der evangelische Regionalbischof und seine Ehefrau Ursel haben wie rund 450 Menschen in Niedersachsen an einer Aktion der Diakonie teilgenommen. Sie haben in der Passionszeit vor Ostern versucht, sieben Wochen lang mit Hartz IV auszukommen.

Ihm sei klar, dass für ihn nur ein Planspiel sei, was für andere Alltag bedeute, sagte Jantzen. Es gehe ihm darum, die Lage von Hartz-IV-Empfängern besser nachempfinden zu können. Schon lange ärgerten ihn Sprüche wie: "So wenig ist das gar nicht". 345 Euro im Monat für den Haushaltsvorstand und weitere 311 Euro für eine weitere Person standen den Jantzens bei ihrem Selbstversuch zu. "Das haben wir hoffnungslos überzogen", sagte der Regionalbischof.

Teilnehmer der Aktion "Sieben Wochen leben mit Harz IV" dürfen eine Überschreitungsliste führen, in der sie notieren, wo sie zu viel ausgegeben haben. Bei Jantzens fielen vor allem Fahrtkosten für Besuche bei Freunden ins Gewicht. "Am schmerzlichsten haben wir empfunden, dass soziale Kontakte sehr eingeschränkt werden", sagte der Landessuperintendent. Auch Gäste zu empfangen sei mit dem Budget kaum möglich. Hartz IV schließe von gesellschaftlicher Teilhabe aus.

Eine Wohnung, wie sie der Gesetzgeber für das Ehepaar vorsehe, sei in Lüneburg nicht zu bekommen, sagte Jantzen weiter. "Wir müssten aufs Dorf ziehen. Das würden wir nicht wollen." Schon die Formulare, die er zum Beantragen des Arbeitslosengeldes II habe ausfüllen müssen, hätten ihn eingeschüchtert: "Ich verstehe oft die Sprache nicht." Auch der Sinn mancher Fragen erschließe sich ihm nicht. Vielmehr habe er sie als Eingriff in die Privatsphäre empfunden.

Durch den Selbstversuch seien seine Frau und er häufig mit Freunden und Bekannten über Armut und Reichtum ins Gespräch gekommen, sagte der Landessuperintendent. Er selbst halte ein Grundeinkommen für jeden für eine gute Idee. "Ich teile nicht die Bedenken, dass dann einige aus Bequemlichkeit sagen, ich gehe nicht zur Arbeit", sagte er. Die meisten Menschen wollten etwas Sinnvolles tun. (Internet: www.leben-mit-hartz-iv.de)

(epd Niedersachsen-Bremen/b0891/03.04.07)
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