Landesbischöfin ermutigt zu Gespräch über das Sterben / Stimmen zur Debatte / akt.

Nachricht 29. März 2007

Oldenburg (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat dazu ermutigt, mehr über das Sterben zu reden. "Viel wichtiger als jede Patientenverfügung ist ein Mensch, der weiß, was ich denke und was ich wünsche", sagte Käßmann in einem Interview der Oldenburger Nordwest-Zeitung (Donnerstagausgabe). Die Kirchen rief sie auf, Räume für dieses Gespräch zu schaffen.

Viele Menschen drückten sich um dieses Gespräch, sagte Käßmann. Die Theologin ermunterte dazu, sich rechtzeitig einen vertrauten Begleiter zu wählen. Regelungen seien wichtig, damit Menschen im Zweifelsfall eine Orientierung haben. "Jedes Sterben ist so individuell, dass niemand vorher planen kann, welche Situation, welcher Punkt kommen kann. Wann immer ich Sterben erlebt habe, war es anders als erwartet", so die Bischöfin.

Käßmann zufolge ist Deutschland auf dem Gebiet der Palliativmedizin ein "Entwicklungsland". Diese schmerzlindernde und helfende Medizin müsse zum Pflichtfach in der Ausbildung der Ärzte werden. Auch das Pflegepersonal in Altenheimen und Krankenhäusern müsse entsprechend ausgebildet werden. Das sei entscheidend, damit Menschen in Würde sterben können. "Ein Krankenhaus ist der falsche Ort zum Sterben. Menschen sollten an der Hand eines anderen sterben - mit Ruhe und Würde, ohne geschäftsmäßiges Treiben drumherum", betonte die Theologin.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0858/29.03.07)
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-> Interview mit der Nordwest Zeitung Online

Weitere Informationen und Stimmen zum Thema:

Deutschlandradio: Bundestag debattiert über Leben und Tod

Interview des Ratsvorsitzenden, Bischof Wolfgang Huber, mit dem DeutschlandRadio

Interview mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, Prof. dr. Eckhard Nagel, Mitglied des Präsidiums des DEKT

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Ministerin will Patientenverfügung gesetzlich regeln

Hannover (epd). Für eine gesetzliche Grundlage der Patientenverfügung hat sich die niedersächsische Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) ausgesprochen. Nur so könnten Patienten und Ärzte im Falle tödlicher Krankheiten Rechtssicherheit erhalten, sagte sie am Donnerstag in Hannover. Die Verfügung dürfe allerdings nicht unbegrenzt gelten. Die Erhaltung des Lebens müsse Vorrang haben, wenn noch nicht klar sei, dass eine Krankheit tödlich verlaufen werde.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0869/29.03.07)
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Aus: Die Zeit online (www.zeit.de)
Wie wollen Sie sterben?
Der Bundestag debattiert über die Selbstbestimmung am Ende des Lebens und die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen. Wie bereiten sich Prominente auf ihren Tod vor? Eine Bildergalerie.

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Bessere Begleitung sterbender Menschen
BAG Hospiz, Caritas und Diakonie begrüßen entsprechende Neuregelungen der Gesundheitsreform

Berlin, den 30. März 2007. Künftig wird es möglich sein, schwerstkranke und sterbende Menschen in der gewohnten Umgebung durch spezialisierte ambulante Palliative-Care-Teams medizinisch und pflegerisch professionell zu versorgen. Mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz werden hierzu jetzt die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen. Dadurch müssen Menschen nicht mehr so häufig notfallmäßig in Krankenhäuser eingewiesen werden und können bis zuletzt gut versorgt zu Hause leben und auch sterben. Dies wünschen sich die meisten Menschen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V., das Diakonische Werk der EKD e.V. und der Deutsche Caritasverband e.V. begrüßen ausdrücklich entsprechende Änderungen des Sozialgesetzbuches. Zu den Verbesserungen gehört auch, dass ambulante Hospizdienste zukünftig für die psychosoziale Begleitung von sterbenden Menschen auch in Pflegeheimen eine Förderung erhalten. Positiv für die stationären Hospize ist, dass bei Nichteinigung in Vertragsverhandlungen eine Schiedsperson bestellt werden kann.

Die stationären Kinderhospize müssen zukünftig nur noch fünf Prozent der Kosten durch Spenden aufbringen, was aber in der Regel zu einer weiteren finanziellen Belastung der Familien führt.

Die Verbände bedauern zugleich, dass bei stationären Hospizen für Erwachsene der Eigenanteil bei mindestens zehn Prozent geblieben ist. Ein Vorschlag zur Neuregelung der Finanzierung wurde leider nicht beachtet. Er hatte zum Ziel, die finanzielle Belastung der Patienten zu reduzieren und zugleich den Verwaltungsaufwand zu verringern.

Wünschenswert wäre weiterhin gewesen, dass der multiprofessionelle Ansatz in der Sterbebegleitung unter Einbeziehung des Ehrenamtes für die neu entstehenden Palliative-Care-Teams gesetzlich noch deutlicher verankert wird. Das Maß dieser Zusammenarbeit wird nun der Gemeinsame Bundesausschuss bis Ende September 2007 festlegen.

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Dies ist eine gemeinsam von der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V., dem Deutschen Caritasverband und dem Diakonischen Werk der EKD herausgegebene Presseinformation.