Schäuble bekräftigt Hoffnung auf modernen Islam

Nachricht 28. März 2007

Hannover (epd). Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat seine Hoffnung auf einen modernen Islam in Deutschland bekräftigt. "Auch Muslime können das Angebot von Toleranz und Freiheit annehmen", sagte er am Dienstagabend in Hannover: "Dies kann zu einer neuen Erfahrung werden." Schäuble sprach sich für einen islamischen Religionsunterricht an den Schulen aus. Dafür müssten sich die Muslime allerdings untereinander organisieren wie die Kirchen, um als Partner des Staates auftreten zu können. In Deutschland leben rund 3,5 Millionen Muslime.

Schäuble hatte führende Vertreter der Muslime im September 2006 zu einer Islam-Konferenz eingeladen. Der Innenminister betonte in Hannover, dass die christliche Religion die Aufklärung durchlebt und akzeptiert habe. Deren Kern sei, dass religiöse Überzeugungen kein direkter Maßstab für die politische Ordnung sein könnten. Auch habe das Christentum durch die Aufklärung ein "Element der Mäßigung" in sich aufgenommen: "Wir dürfen uns nicht nehmen lassen, was wir hier unter furchtbaren Anstrengungen gewonnen haben", sagte Schäuble in der Diskussion um den Islam.

Nach den Beobachtungen der langjährigen Ausländerbeauftragten des Berliner Senats, Professorin Barbara John, lösen sich junge Muslime zunehmend von ihrem kulturellen Hintergrund ab. Sie entfernten sich von der Sprache und den Bräuchen ihrer Eltern und vom Einfluss der Imame, wollten aber trotzdem Muslime bleiben. "Wir müssen junge Muslime unterstützen, aus ihrem Islam eine autonome Religion zu machen, dessen Kultur sie langsam hinter sich lassen", sagte John: "Deshalb müssen wir schleunigst islamische Religionslehrer ausbilden."

Der evangelische Theologie-Professor Hans-Richard Reuter aus Münster forderte, ein islamischer Religionsunterricht müsse nach transparenten Standards erteilt werden. "Eine islamische Theologie ist das beste Rezept dafür, dass kein Fundamentalismus ausbricht und nicht in Hinterzimmern Koran-Unterricht gegeben wird." Der Staat könne den Muslimen durchaus abverlangen, sich zu organisieren. Die Diskussion der hannoverschen Landeskirche und der Hanns-Lilje-Stiftung stand unter dem Thema "Religion und Staat - Ende eines friedlichen/schiedlichen Miteinanders?".

(epd Niedersachsen-Bremen/b0849/28.03.07)
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