Kunstausstellung "Next Year in Jerusalem" in zwölf Kirchen

Nachricht 27. März 2007

Hildesheim (epd). Zwölf norddeutsche evangelische Kirchen zeigen vom 1. April an die Ausstellung "Next Year in Jerusalem". Dabei werden jeweils verschiedene Installationen des Künstlers Joseph Semah präsentiert, teilte das Haus kirchlicher Dienste der hannoverschen Landeskirche mit. Semah werde bei der zentralen Eröffnungsfeier um 11.30 Uhr in der Hildesheimer City-Kirche St. Jacobi anwesend sein.

Die weiteren beteiligten Kirchen sind St. Petri in Buxtehude, St. Marien in Celle, St. Petri in Cuxhaven, die Martin-Luther-Kirche in Emden, St. Nicolai in Gifhorn, Corvinus in Göttingen, in Hannover die Neustädter Hof- und Stadtkirche sowie die Kirche am Kronsberg, St. Michaelis in Lüneburg, St. Martin in Nienburg und St. Katharinen in Osnabrück.

Joseph Semah (58) wurde in Bagdad als Enkel des letzten Großrabbiners von Bagdad geboren. Er wuchs in Israel auf und studierte in Tel Aviv Elektrotechnik und Philosophie. 1976 verließ er das Land, seit 1981 lebt Semah in Amsterdam. Er hält Vorlesungen, schafft Installationen, schreibt Gedichte und veröffentlicht Texte über Kunst.

(Internet: www.kunstinfo.net).

(epd Niedersachsen-Bremen / b0837/27.03.07)
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"Nächstes Jahr in Jerusalem" in zwölf Kirchen - Joseph Semah schafft aus Buchstaben symbolische Installationen

Von Karen Miether (epd)

Celle/Hildesheim (epd). Wenn Joseph Semah viel Geld hätte, würde er kein großes Auto kaufen, sondern noch mehr Bücher. Dabei hat er schon 10.000, sagt er. Für den Künstler aus Amsterdam sind sie Basis seiner Werke: "Ich habe kein Atelier. Ich arbeite in meiner Bibliothek." Semah sieht sich als "Denker" auf den Spuren jüdisch-christlicher Traditionen. Vom 1. April an zeigt er in gleich zwölf niedersächsischen Kirchen eigens geschaffene Installationen.

"Next Year in Jerusalem" heißt die Ausstellung, die die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und das Bremer Gerhard-Marcks-Haus mit Semah konzipiert haben. Dabei geht es um Jerusalem als einen Sehnsuchtsort von Juden und Christen, um Wurzeln, Hoffnungen und Beziehungen. Semah fügt zum Beispiel Alltägliches wie 5.000 Spielwürfel zu hebräischen Buchstaben und damit zur neuen Deutung zusammen. Seine Werke sind gespickt mit Verweisen auf die Bibel und die jüdische Tora.

Semahs eigene Wurzeln reichen tief in die jüdische Geschichte hinein. 1948 wird er im Irak als Enkel des letzten Großrabbiners von Bagdad geboren. Schon seit babylonischer Zeit siedelte seine Familie dort. 1950 wird sie wie alle im Irak lebenden Juden zur Ausreise in den neu gegründeten Staat Israel gezwungen. Semah wächst bei Tel Aviv auf. Dort studiert er unter anderem Elektrotechnik und Philosophie.

Mitte der 1970er Jahre verlässt er Israel in Opposition zu den politischen Entwicklungen und unter den Eindrücken als Soldat im "Yom-Kippur-Krieg". Er lebt in London, Paris, Berlin und seit 1981 in Amsterdam. Er organisiert Kunstprojekte, hält Vorlesungen, schreibt Gedichte und erwirbt sich langsam einen Namen. Seine Werke sind heute international in Museen und Privatsammlungen zu sehen.

Selbst sieht sich der vielseitige 59-Jährige als "Forscher", der die Vergangenheit, Zusammenhänge und damit vielleicht auch die Zukunft verstehen will. Ein Schulsystem, in dem sein Sohn bereits mit 16 Jahren Weichen für einen Beruf festlegen soll, ist ihm unbegreiflich. Vor allem zum Lesen habe die jüngere Generation zu wenig Zeit, sagt er.

Dabei seien Bücher und allen voran die jüdischen und christlichen Urtexte das Fundament, auf dem auch die Kunst der westlichen Welt wachse. Semah kann jedes Element seiner Werke zu Textquellen in Beziehung setzen. In der Stadtkirche in Celle etwa hat er einen Stuhl in einen Glaskubus gestellt. Auf die Sitzfläche hat er 22 goldfarbene Bronzemäuse drapiert. Aufgebockt ist das Ganze auf zwei Holzböcke und schon zu ihnen gibt es mehrere Deutungen.

"In meiner Muttersprache Hebräisch ist das Wort für Holzbock Esel", nennt Semah eine davon. "Am Palmsonntag ist Jesus auf einem Esel nach Jerusalem geritten", erläutert der Künstler. Am 1. April wird der christliche Palmsonntag begangen. An diesem Tag eröffnet Semah die Ausstellung "Next Year in Jerusalem" mit einer Performance um 11.30 Uhr in Hildesheim. Auch in den anderen beteiligten Kirchen startet dann das Kunstprojekt.

Internet: www.kunstinfo.net/projekte/nextyear

(epd Niedersachsen-Bremen/b0835/27.03.07)
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