Neuer Theologe an der Spitze der bremischen Kirche

Nachricht 22. März 2007

Bremen (epd). Die Bremische Evangelische Kirche hat einen neuen theologischen Repräsentanten: Die Synodalen der einzigen Stadtkirche Deutschlands haben am Donnerstag Pastor Renke Brahms (50) zum Nachfolger von Louis-Ferdinand von Zobeltitz gewählt, der für dieses Amt nicht mehr kandidierte. Brahms setzte sich damit im ersten Wahlgang klar gegen zwei weitere Bewerber durch. Der leitende evangelische Theologe in Bremen heißt offiziell "Schriftführer". Das Amt des Bischofs kommt in der Verfassung der basisorientierten Kirche auch aus historischen Gründen nicht vor.

Von insgesamt 165 abgegebenen Stimmen der Synodalen entfielen 83 und damit die absolute Mehrheit auf Renke Brahms. 65 Delegierte des Parlamentes der bremischen Landeskirche entschieden sich für Bernd Kuschnerus, 17 Stimmen entfielen auf Martin Pühn (49).

Der verheiratete Brahms ist gebürtiger Bremer und hat zwei Kinder im Alter von 16 und 18 Jahren. Er studierte in Münster, Tübingen und Göttingen Theologie. Praktische Erfahrungen sammelte er in Gemeinden, in der Gefangenen-Seelsorge, in der evangelischen Publizistik und als Religionspädagoge in der Ausbildung von Erzieherinnen.

Er wolle sich "mal kraftvoll und selbstbewusst, mal bescheiden und sensibel" mit der Stimme der Kirche in das Stadtgespräch einmischen, kündigte Brahms an. Kirche werde nur dann wahrgenommen, wenn sie zwischen Spiritualität und sozialem Engagement eine gute Balance finde. "Das Evangelium kann nur in einer Einheit von Wort und Tat verkündet werden." Brahms wird am 1. Juni in sein Amt eingeführt.

Die ehrenamtliche Präsidentin und oberste Repräsentantin der bremischen Kirche, die Juristin Brigitte Boehme, wurde von den Synodalen in ihrem Amt bestätigt.

Neu gewählt wurden Vizepräsident Lutz Wedemeyer und Schatzmeisterin Bärbel Ludewig, weil die jeweiligen Amtsvorgänger nicht mehr kandidierten. Zusammen mit dem Schriftführer bilden sie den Vorstand des so genannten "Kirchenausschusses" in Bremen, der leitende Funktionen wahrnimmt.

Auch die Fachausschüsse der Synode wurden neu zusammengesetzt. Die Bremische Evangelische Kirche gehört mit 65 Gemeinden und rund 240.000 Mitgliedern zu den kleineren der insgesamt 23 Landeskirchen in Deutschland.

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(epd Niedersachsen-Bremen/b0817/22.03.07)
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Ein Pastor der klaren Worte - Renke Brahms ist neuer leitender Theologe der bremischen Kirche

Von Dieter Sell (epd)

Bremen (epd). Renke Brahms mag das klare Wort. Als Pastor für Religionspädagogik im Landesverband evangelischer Kindergärten hat er es gelernt, theologische Zusammenhänge einfach zu erklären. Am Donnerstag haben ihn die Synodalen der Bremischen Evangelischen Kirche gleich im ersten Durchgang zum Schriftführer, also zum theologischen Repräsentanten gewählt. Er konnte sich damit klar gegen zwei weitere Bewerber durchsetzen. Den 50-Jährigen beschäftigt die Frage, wie kirchlich distanzierte Menschen zum Glauben finden können.

Der gebürtige Bremer ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 16 und 18 Jahren. Theologie studierte er in Münster, Tübingen und Göttingen. Danach sammelte er erste praktische Erfahrungen in der Gemeinde, in der Gefangenen-Seelsorge und in der evangelischen Publizistik. Anfang Juni soll er nun als Nachfolger von Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz die evangelisch-theologische Stimme in Bremen verkörpern. Zusammen mit anderen in der Kirche muss er wichtige Weichen für die Zukunft in der einzigen Stadtkirche Deutschlands stellen.

Die Herausforderungen sind groß. Schon aufgrund der demographischen Entwicklung sinkt die Mitgliederzahl der bremischen Landeskirche, zu der in 65 Gemeinden rund 240.000 Menschen zählen. Damit schwindet auch die finanzielle Basis. Denn Haupteinnahmequelle ist und bleibt die Kirchensteuer, die im vergangenen Jahr aufgrund der guten Konjunktur erstmals seit Jahren wieder stieg.

"Ich möchte die begonnenen strukturellen Veränderungen fortführen", skizziert Brahms, was er sich in der bevorstehenden sechsjährigen Legislaturperiode ab Anfang Juni vorgenommen hat. Fortführen heißt: Trotz steigender Steuereinnahmen will die Kirchenleitung nicht von ihrem Kürzungs-Kurs abweichen, mit dem der Etat der Landeskirche bis Ende des Jahrzehnts etwa um ein Viertel zurückgefahren werden soll. Das bedeutet auch weniger Geld und weniger Personal für die Arbeit vor Ort sowie in Sonderdiensten und Werken. Gemeinden müssen mehr kooperieren oder gleich fusionieren.

In dieser Situation reizt es Renke Brahms, "eine Balance zwischen der notwendigen Beschäftigung mit den inneren Strukturen der Kirche und der Außenorientierung zu finden". Ihm ist wichtig, persönliche Frömmigkeit mit sozialem und politischem Engagement zu verbinden. Damit will Brahms fortführen, was Louis-Ferdinand von Zobeltitz in zwei Legislaturperioden mit zusammen zwölf Jahren praktiziert hat. Immer wieder hat sich die Kirche zu Themen wie dem Sonntagsschutz und dem Ladenschluss, der Frühpädagogik, dem Dialog mit Juden und Muslimen und vor allem zu Armut und Solidarität in der Gesellschaft geäußert.

Kirche werde nur dann wahrgenommen, wenn sie zwischen Spiritualität und sozialem Engagement eine gute Balance finde, betont Renke Brahms, der von sich selber sagt, er scheue sich nicht, öffentlich Position zu beziehen. Profilierte Angebote wie die Kultur- und die geplante Jugendkirche sind für ihn eine wichtige Ergänzung der laufenden Gemeindearbeit. Wichtig sind für ihn aber auch die Bildungs- und die Erziehungsarbeit der Kirche, wobei er stets bekräftigt: "Das Evangelium kann nur in einer Einheit von Wort und Tat verkündet werden."

Internet: www.kirche-bremen.de

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