Landesbischöfin fordert Ausbau der Palliativmedizin /akt.

Nachricht 16. März 2007

Bremen (epd). Die schmerzlindernde Palliativmedizin muss nach Auffassung der hannoverschen Bischöfin Margot Käßmann bundesweit ausgeweitet und finanziell abgesichert werden. "Deutschland ist in dieser Hinsicht immer noch ein Entwicklungsland", kritisierte Käßmann am Freitag zur Eröffnung des fünften Bremer Kongresses für Palliativmedizin. Derzeit rund 1.000 Palliativmediziner seien zu wenig. Untersuchungen zeigten, dass noch immer zwei Drittel der bundesweit knapp 210.000 Menschen, die jedes Jahr an Krebs sterben, schlimme Schmerzen ertragen müssten.

Der Entschluss der Bundesregierung, die spezialisierte ambulante Palliativversorgung in die Regelfinanzierung durch die Krankenkassen aufzunehmen, sei ein wichtiger Schritt, sagte die Landesbischöfin. "Doch genauso wichtig ist es, die stationäre Versorgung auf finanziell stabile Füße zu stellen", forderte sie vor rund 500 Ärzten, Psychologen, Pflegekräften und Sozialarbeitern aus ganz Deutschland.

"Warum werden Maßnahmen der heilenden Medizin voll finanziert und Maßnahmen der lindernden Medizin nicht?", fragte Käßmann und betonte: "Die Palliativmedizin ist keine Kür für unser Gesundheitssystem, sondern Pflicht." Neben medizinischen und pflegerischen Leistungen müssten dann aber auch psychosoziale und spirituelle Hilfen bezahlt werden. "Der sterbende Mensch ist nicht nur ein Körper", mahnte die Bischöfin. Sie setzte sich überdies für Patientenverfügungen und für die Palliativmedizin als verpflichtendes Fach im Studium ein.

Aktive Sterbehilfe lehnte Käßmann erneut ab. Gefragt seien vielmehr Ärzte, die in Absprache mit allen Beteiligten "Verantwortung übernehmen und das Sterben zulassen". Kongress-Präsident Hans-Joachim Willenbrink sagte, was die Medizin dürfe, bestimmten Ethik, Moral und der Gesetzgeber. "Letzterer hat eine bedrohliche Macht eingenommen", kritisierte Willenbrink, Chefarzt der Palliativmedizin am Bremer Klinikum Links der Weser.

Auch der kirchliche Ethik-Experte Ralph Charbonnier warnte vor einer "Palliativ-Versorgung light". Neben dem ambulanten und stationären Bereich bekämen auch Hospize zu wenig Geld, sagte er in einem epd-Gespräch. Sie müssten zehn Prozent der Kosten selbst aufbringen. "Das ist zu hoch und hat dazu geführt, dass die ersten Häuser aus finanziellen Gründen ihre Arbeit wieder einstellen mussten", sagte der Theologe und Studienleiter des Zentrums für Gesundheitsethik der hannoverschen Landeskirche. Die Eigenbeteiligung müsse auf fünf Prozent gesenkt werden.

(Internet: www.dgpalliativmedizin.de, www.hospize.de und www.krebshilfe.de) (epd Niedersachsen-Bremen/b0762/16.03.07)

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