Niedersachsen richtet "Krisentelefon Zwangsheirat" ein

Nachricht 13. März 2007

Hannover (epd). Das Land Niedersachsen hat nach eigenen Angaben als erstes Bundesland ein "Krisentelefon Zwangsheirat" eingerichtet. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800/06 67 888 würden Frauen mit Migrationshintergrund in mehreren Sprachen vertraulich beraten, teilte die Staatskanzlei in Hannover mit. Die Landesregierung hatte am Dienstag ein Handlungskonzept beschlossen, mit dem erzwungene Ehen geächtet und verhindert werden sollen.

Viele betroffene Mädchen und Frauen wüssten nicht, wem sie sich mit ihren Sorgen anvertrauen sollten, hieß es. Deshalb sollten jetzt Hilfsangebote vernetzt und Schutzeinrichtungen ausgebaut werden. Für die Schulen und die Öffentlichkeit seien umfassende Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen geplant. Das Sozialministerium arbeite dabei eng mit dem 1980 in Hannover gegründeten Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit "Kargah" und dessen Frauen-Beratungsstelle "Suana" zusammen.

In die landesweite Vernetzung sollen der Staatskanzlei zufolge vor allem Erfahrungen örtlicher Jugendämter, Ausländerbehörden, der Polizei sowie von Beratungsstellen und Familiengerichten einbezogen werden. Nur so ließen sich die Angebote für die betroffenen Frauen am besten umsetzen. Mit einem mehrsprachigen Faltblatt "Kein Mädchen, keine Frau darf zur Ehe gezwungen werden" solle gezielt über das Krisentelefon informiert werden. Geplant seien türkische, kurdische und arabische Übersetzungen.

Niedersachsen wolle gleichzeitig die Bundesratsinitiative für ein Gesetz zur Bekämpfung von Zwangsheiraten und verbessertem Opferschutz unterstützen, heißt es weiter. Dagegen kritisierten die Grünen im Landtag ein fehlendes eigenständiges Aufenthaltsrecht für Frauen. Ohne dieses Recht müssten die Betroffenen fürchten, in ihr Herkunftsland abgeschoben zu werden, wenn sie sich von ihrem Mann trennten. "Davor schützt sie auch kein Konzept dieser Landesregierung", sagte die Grünen-Abgeordnete Georgia Langhans.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0718/13.03.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen