Wolfgang Huber: Mut zum Singen fassen

Nachricht 11. März 2007

„Heute feiern wir einen Menschen, der unseren Liedern Worte gegeben hat“, so der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in seiner Predigt im Festgottesdienst zum 400. Geburtstag von Paul Gerhardt. Mit einem umfangreichen Festprogramm erinnert die evangelische Kirche das ganze Jahr über an den prominenten Protestanten und Liederdichter, der weit über den kirchlichen Bereich hinaus wirkt. In Berlin wurde das Jubiläum am Sonntag, dem 11. März, mit einem ZDF-Fernsehgottesdienst in der St. Marienkirche am Alexanderplatz gefeiert.

Es sei an der Zeit, wieder Mut zum Singen zu fassen, so der Berliner Bischof. „Paul Gerhardt kann diesen Mut in uns wecken.“ Der Ratsvorsitzende bedauerte, dass sich im Zeitalter von Radio und Lautsprechern viele Menschen das Singen abgewöhnt hätten. Dem „wollen wir wehren. Deshalb feiern wir heute und in diesem ganzen Gedenkjahr einen großen Liederdichter.“ Für Paul Gerhardt sei Gott keine abstrakte Größe gewesen: „Erfahrungsgesättigt, schön und volkstümlich weiß er von ihm zu sprechen.“ Seine Zuversicht habe in der Gewissheit gegründet, „dass Gott sich in unsere Hände legt und unser Leben in seinen Händen birgt.“

Die Lieder Paul Gerhardts könnten dabei helfen, alle Stationen des eigenen Lebens im Licht der Güte Gottes zu sehen – auch Leid und Schuld blieben „bei aller Überschwänglichkeit des Gotteslobes“ nicht ungesagt. „Dem Unglück, das uns widerfährt, hält nur stand, wer weiß, bei wem er dieses Unglück abladen kann“, sagte Wolfgang Huber und zitierte „‚Nimm deine Sorg und wirf sie hin / auf den, der dich gemacht’: Trotziger hat noch keiner das Gottvertrauen ausgesprochen als in diesem drastischen Bild: Nimm deine Sorgen und wirf sie auf deinen Schöpfer! Er allein verwandelt unser Leben in Segen.“

Im Buch der Offenbarung werde geschildert, wie die treuen Gefährten Jesu Christi am Ende aller Tage zum Lob Gottes singen. Diese Zukunftsvision bestimme jeden christlichen Gottesdienst. „Deshalb singt die versammelte Gemeinde Gott zu Dienst und Ehren. Es gehört zu seiner Ehre, dass er sich mit Bitten und Klagen bedrängen lässt. In Gottes Gegenwart ist unser Lied Anrufung und Anbetung.“ Und deshalb gebe es keinen Grund zur Scham „selbst wenn die Stimme brüchig wird oder wir die Melodie nur unvollkommen beherrschen.“ Viele Menschen sehnten sich nach einer tiefen Form der Hingabe. „Wir sehnen uns nach der Begegnung mit Gott. Das Singen macht uns von innen her weit. Wer mit Herz und Mund singt, lernt, neu ins Leben zu gehen.“

Pressestelle der EKD
Silke Fauzi

Internet:
www.paul-gerhardt-jahr.de