Landesbischöfin: Von Armut sind vor allem Frauen betroffe

Nachricht 08. März 2007

Marburg/Hannover (epd). Von Armut sind nach Aussage der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann vor allem Frauen betroffen. "Frauen erbringen weltweit 52 Prozent der Arbeitsleistungen, besitzen aber nur ein Prozent des Eigentums", sagte Käßmann am Donnerstagabend in Marburg. Hierzu trage eine "strukturelle Diskriminierung" bei, die ihre Ursachen in Tradition, Kultur und Religion habe.

Mehr als jede dritte Frau muss Käßmann zufolge ohne männliche Hilfe für Ernährung und Erziehung der Kinder aufkommen. Die Welthungerhilfe habe errechnet, dass in Afrika Frauen für 80 Prozent der Nahrung sorgen, aber weniger als zehn Prozent der Felder besitzen. Viele Entwicklungshilfeorganisationen setzten inzwischen auf die Frauen, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Die wohl größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts sei, Globalisierung so zu gestalten, dass "nicht Gewinnmaximierung für wenige, sondern soziale Gerechtigkeit für alle das Ziel ist", sagte die Bischöfin. In Deutschland bedeuteten Kinder ein Armutsrisiko. Die Hartz IV-Gesetzgebung solle auf die Auswirkungen auf Frauen untersucht werden. Frauen seien "zunehmend wieder vom Partner abhängig".

Allerdings ist nach den Worten von Käßmann in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland viel für die Frauen erreicht worden. "Traditionelle Rollenbilder wurden aufgebrochen, Frauen haben ganz neue Beteiligungschancen bekommen. Aber wir sind noch lange nicht an einem Punkt, an dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind." Käßmann hielt aus Anlass des Elisabethjahres 2007 am Internationalen Frauentag einen Vortrag zum Thema "Was ist nun heilig, Elisabeth?".

(epd Niedersachsen-Bremen/b0659/08.03.07)
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