Landesbischöfin: Hartz IV benachteiligt arme Konfirmanden

Nachricht 08. März 2007

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann will verhindern, dass Geldgeschenke zur Konfirmation bei Hartz-IV-Empfängern auf die Grundsicherung angerechnet werden. Sie kritisierte am Donnerstag in Hannover die geltenden Regelungen: "Die Reichen dürfen ihre Geschenke behalten, die Armen müssen sie abgeben." Die Bischöfin kündigte eine Initiative der Kirche dagegen an. Jugendliche aus schwierigen sozialen Lagen würden "zusätzlich gedemütigt und stigmatisiert", sagte sie dem epd.

Die Bischöfin nannte es "bedrückend, wie durch diese Gesetzgebung ein fröhliches Fest des Ja zum Glauben und zu unserer Kirche überschattet wird". In der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers wird nach ihren Angaben zurzeit geprüft, wie Geschenke zur Konfirmation beschaffen sein müssen, damit sie nicht mit Leistungen aus Hartz IV verrechnet werden. Darüber sollten dann die Kirchengemeinden Auskunft geben können.

Im Kirchenkreis Rotenburg (Wümme) wurde bereits ein Ratgeber für Konfirmanden erstellt. Danach müssen Geldgeschenke zur Konfirmation schriftlich für Dinge wie eine Stereoanlage, einen Computer, ein Fahrrad oder eine Spielkonsole bestimmt sein. Der Schenkende könne auch ein Sparbuch auf seinen eigenen Namen einrichten.

Nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit fallen Geldgeschenke von bis zu 50 Euro im Jahr unter die Bagatellgrenze. Höhere Beträge würden auf das Sozialgeld des Kindes angerechnet. Bei Zweckbestimmungen wie dem Kauf eines Fahrrads könnten die örtlichen Behörden davon absehen. Angegeben werden müssten solche Geldgeschenke aber in jedem Fall.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0653/08.03.07)
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