Landesbischöfin vermisst Lebenswirklichkeit in Familienpolitik

Nachricht 05. März 2007

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die gegenwärtige familienpolitische Debatte als "bizarr" kritisiert. Selbsternannte Experten beurteilten die Lebensentwürfe von Frauen, auch wenn diese in der Wirklichkeit gar keine Wahl hätten. Bei der Diskussion um mehr Betreuungsangebote für unter Dreijährige gehe es nicht um "Krippenzwang", sondern um Wahlmöglichkeiten, sagte Käßmann am Montagabend in Hannover. So würden Eltern zum Kind ermutigt.

"Wir sollten alles tun, damit Deutschland ein kinderfreundliches Land wird", sagte Käßmann, die Mutter von vier Töchtern ist, bei einer Feier zum sechsjährigen Bestehen des "Netzwerks Mirjam" für schwangere Frauen in Not. Dazu gehöre ein ganzes Bündel an Maßnahmen, "damit junge Leute richtig Lust haben, Eltern zu werden". Die Bischöfin forderte: "Hört auf, ideale Mutterbilder zu entwerfen." Wichtiger seien Möglichkeiten, dass Mütter und Väter Kindererziehung und Berufstätigkeit verbinden könnten, wenn sie das wollten oder müssten.

Käßmann verwies auf die wachsende Kinderarmut in Deutschland. Arme Kinder seien mehrfach gesundheitlich beeinträchtigt, sprachlich benachteiligt und hätten schlechtere Bildungschancen. In der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers werde derzeit geprüft, die Betreuungsangebote in Kindertagesstätten für Kinder unter drei Jahren befristet auszubauen. Die Kirche will laut Käßmann trotz ihrer angespannten Finanzlage die Angebote für frühkindliche Bildung verbessern.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0604/05.03.07)
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