"Eine Milchkanne Strom": Kirche diskutiert Bio-Energie

Nachricht 01. März 2007

Aurich (epd). Der Präsident des ostfriesischen Landvolks, Erich Hinrichs, hat eine ausgewogene Balance zwischen traditioneller Landwirtschaft und dem Anbau von Pflanzen für die Energiewirtschaft gefordert. Die steigende Nachfrage nach regenerativen Brennstoffen, aber auch nach hochwertigen Lebensmitteln habe zu einer Konkurrenz um Pachtflächen geführt und die Preise in die Höhe getrieben, sagte der Landwirt am Donnerstag in Aurich beim Tag der Landwirtschaft des evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland unter dem Motto "Eine Milchkanne Strom bitte".

Der Staatssekretär im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, Friedrich-Otto Ripke, mahnte zur Zurückhaltung: Schon heute gebe es rund 600 Biogasanlagen in Niedersachsen. Mehr als 1.000 dieser Anlagen könnten jedoch nicht wirtschaftlich betrieben werden. Zudem müsse genug Fläche für die Produktion von Nahrungsmitteln und Tierfutter erhalten bleiben. Bei allen positiven Effekten der regenerativen Energien bleibe das Energiesparen das höchste Gebot.

Der Sprecher der Kurdirektoren in Ostfriesland, Johann Taddigs, warnte vor einem ungehemmten Anbau von hochwachsendem Bioenergiemais. Die Gäste an der Nordsee erwarteten den Blick auf das weite Land. Mit Sorge erfülle ihn die Vorstellung, dass "das Radfahren in Ostfriesland nur noch entlang endloser Maislabyrinthe" möglich sei.

Die ostfriesische Landessuperintendentin Oda-Gebbine Holze-Stäblein begrüßte den Besuch der rund 100 Landwirte in der Lambertikirche. Um Pauschalurteile zu vermeiden, habe die Kirche die Pflicht, sich kundig zu machen. Die Themen Ökologie und Schöpfung seien ihr ureigenstes Feld. Die Landwirte seien treue Mitglieder in ihren Kirchengemeinden. Ihre Sorgen und Nöte gehörten in die Kirche. Darum sei ein Tag der Landwirtschaft "regional verortete Nächstenliebe", sagte die Regionalbischöfin.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0569/01.03.07)
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