Landesbischöfin plädiert für Dialog mit RAF-Terroristen

Nachricht 29. Januar 2007

(epd-Gespräch)

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot -Käßmann hat für einen Weg des Dialogs zwischen dem deutschen Rechtsstaat und den inhaftierten Terroristen der "Roten Armee Fraktion" (RAF) plädiert. "Wenn der Staat den RAF-Terroristen das Gespräch verweigert, ist dies kein Zeichen von Stärke", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche am Montag im epd-Gespräch in Hannover. Bundespräsident Horst Köhler hatte am Montag Presseberichte dementiert, wonach er ein Treffen mit dem seit 1982 in Bruchsal einsitzenden Christian Klar plant.

Den Angehörigen der Opfer könne jedoch keine Versöhnung verordnet werden, sagte Käßmann weiter. "Ich finde es gut und richtig, dass etwa Michael Buback, der Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwaltes, endlich erfahren will, wie der Mord an seinem Vater geschah." Hier gebe es einen Anspruch auf Wahrheit und Aufklärung. Niemand könne den Angehörigen Gnade und Vergebung auferlegen. "Ich habe Verständnis, wenn manche das nicht können."

Jeder Schritt einer möglichen Begnadigung, wie Christian Klar sie beantragt habe, müsse rechtlich genau abgewogen werden. "Ich frage mich, ob die Täter die Größe haben, sich zu ihrer Schuld zu bekennen", sagte die Theologin. Es wäre ein Akt innerer Freiheit, Reue zu zeigen. Damit würden die Terroristen eingestehen, dass sie nicht nur das Leben anderer, sondern auch das eigene zerstört haben, weil sie für eine Ideologie verführbar waren. "Das muss bitter sein, ist aber notwendig, wenn es überhaupt Wege in die Zukunft geben soll."

Die Debatten zeigten, dass die Geschichte der RAF in Deutschland noch lange nicht aufgearbeitet sei. "Wir können dankbar sein, dass wir als Staat diese Art des Terrorismus überwunden haben." Terror wolle immer eine freie Gesellschaft angreifen. Dagegen gelte es anzutreten, in den 70er Jahren wie heute. Sie sei froh, in einem Land zu leben, in dem es weder Selbstjustiz gebe noch öffentliche Schauprozesse unter medialem Druck oder die Todesstrafe, sagte Käßmann: "Unsere Justiz will ja nicht zuallererst Rache, sondern Strafe und Rehabilitation."

(epd Niedersachsen-Bremen/b0240/29.01.07)
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