Holocaust-Mahnmal Verden: Bestürzung nach Brandanschlag

Nachricht 26. Januar 2007

Verden (epd). Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf ein Holocaust-Mahnmal in Verden bei Bremen haben Vertreter aus Kirche, Politik und dem örtlichen Bündnis gegen Rechtsextremismus mit Bestürzung reagiert. Es sei eine bedrückende Wahrnehmung, dass der Antisemitismus nicht nur in den Köpfen existiere, sondern zur Tat werde, sagte am Freitag der evangelische Superintendent Dieter Rathing dem epd. "Das muss uns mehr alarmieren als andere kriminelle Handlungen."

In der Nacht zum Freitag war am Berufsschulzentrum in Verden-Dauelsen ein restaurierter Reichsbahn-Güterwaggon in Flammen aufgegangen. Er war im November 2003 unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse als Mahnmal insbesondere für die NS-Zwangsarbeiter eingeweiht worden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) wertete den Anschlag als politische Straftat.

Die Erinnerung an die unmenschliche Nazi-Diktatur könne mit Feuer nicht ausgelöscht werden, betonte der Bürgermeister. Viele Menschen in Verden engagierten sich gegen Rechtsextremismus und für Demokratie und Toleranz. "Für die Täter fordere ich eine harte Bestrafung", sagte Brockmann.

Auch das Verdener Bündnis gegen Rechtsextremismus geht davon aus, dass der Brand kein Zufall war. "Dies ist eine erneute, gezielte Provokation von Rechtsextremen", sagte ihr Vertreter Detlef Rakebrand. Die Brandstiftung sei ein weiterer Schritt, um Angst zu schüren. Die Gesellschaft müsse sich dafür einsetzen, dass Rechtsextreme keinen Zulauf bekämen, forderte der Bündnis-Sprecher und Kreisjugenddiakon. Insbesondere Heranwachsende müssten einen festen Platz in der Gesellschaft haben.

Zur Eröffnung des Mahnmals vor drei Jahren waren Zwangsarbeiter eingeladen. Der Waggon wurde unter Beteiligung von Schülern und auf Initiative des örtlichen Fördervereins Regionalgeschichte mit seinem Vorsitzenden, dem Geschichtslehrer Joachim Wook, aufgestellt. Mit Wagen dieser Art hat das NS-Regime Zwangsarbeiter transportiert. Wook sagte damals, wer vor der Vergangenheit die Augen verschließe, werde blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern wolle, werde anfällig für neue Ansteckungsgefahren.

Unweit von Verden hat der rechtsextreme Hamburger Anwalt Jürgen Rieger den "Heisenhof" gekauft, um ihn zu einem Neonazi-Treffpunkt auszubauen. In den zurückliegenden Jahren haben Rechtsextreme in der Region zudem wiederholt versucht, vor Schulen Propagandamaterial zu verteilen, und sind in Kommunalparlamente gewählt worden.

Mit dem wachsenden Rechtsextremismus im Elbe-Weser-Raum beschäftigt sich am Wochenende eine Tagung, zu der die evangelische Kirche mehr als 100 Teilnehmer im Jugendhof Sachsenhain gleich neben dem Standort des abgebrannten Waggons erwartet. Kundgebungen zum Holocaust-Gedenktag an diesem Sonnabend sind in Verden, Achim und Rotenburg geplant.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0220/26.01.07)
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