Auf einen Blick (25.1.) / Zukunftskongress in Wittenberg eröffnet

Nachricht 25. Januar 2007

„Kirche der Freiheit“ im 21. Jahrhundert
Wolfgang Huber eröffnet EKD-Zukunftskongress in Wittenberg

„Der christliche Glaube ist eine Religion der Freiheit und der Vernunft, des freien Dienstes am Nächsten und der politischen Mitverantwortung“ erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in seinem Vortrag zur Eröffnung des Zukunftskongresses der EKD in der Lutherstadt Wittenberg am Donnerstag, dem 25. Januar. „Zukunft gewinnt die evangelische Kirche durch ihre geistliche Kraft“, das sei die Mitte des erhofften und erbetenen Mentalitätswandels. Diese Erkenntnis sei keine Absage an ein gesellschaftspolitisches Engagement. „Vielmehr ergibt sich doch die Verantwortung für Gerechtigkeit und Frieden, für die Würde des Menschen und die Bewahrung der Natur aus dem gottesdienstlichen Handeln und geistlichen Leben der Kirche selbst.“

In seinem Vortrag in der Wittenberger Stadtkirche konzentrierte sich der Ratsvorsitzende auf die von Martin Luther und der Reformation wieder freigelegte „Freiheit eines Christenmenschen“. Die Besinnung auf diese Freiheit bleibe der „Gründungsakt und die Verfassungsurkunde“ aller reformatorischen Kirchen. Aus diesem Impuls entstehe auch das Eintreten für eine Gewissensfreiheit, die gegenüber den Ansprüchen der Mächtigen eine „unantastbare Instanz der Verantwortung vor Gott und der aus ihr folgenden Selbstbestimmung“ bilde. Alle Veränderungen und Neugestaltungen, alle Erneuerung und Reformen, die sich die evangelischen Christen für ihre Kirche vornehmen, müssten sich als Dienst an dieser Freiheit verstehen: „Sonst taugen sie nicht.“

Mit der Aufklärung und der Neuzeit sei „das Jenseits jenseitiger und das Diesseits diesseitiger“ geworden, sagte der Ratsvorsitzende. „Heute spüren wir, dass reine Diesseitigkeit ein Verhängnis ohne Ausweg ist.“ Der befreite Mensch habe dagegen „den Rücken frei vom Ballast der Selbstbestätigung. Er kann frei und aufrecht gehen.“ Wer selbst in den Genuss unverfügbarer Freiheit komme, wisse sich für die Gestaltung von Räumen verantwortlich, in denen diese Freiheit zur Erfahrung komme. Deshalb setze sich die evangelische Kirche auch in Zukunft für Lebensverhältnisse ein, in denen Freiheit erfahrbar werde; denn eine „selbstgenügsame Kirche“ wäre ein Widerspruch in sich selbst. Weil eine Kirche der Freiheit notwendigerweise eine Kirche für andere sei, wolle die evangelische Kirche ihrem missionarischen Auftrag nachkommen. Denn das Evangelium der Freiheit gelte allen Menschen. Ebenso sei die evangelische Kirche zur gesellschaftlichen Mitverantwortung bereit. Allen Menschen eine gerechte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, sei dafür der zentrale Gesichtspunkt.

Die Reformation habe den Begriff der Kirche konsequent vom Gottesdienst und von der Verkündigung des Wortes Gottes her bestimmt. Diese Konzentration werde die nun anstehenden Reformüberlegungen bestimmen und antreiben. Alle Reformprozesse richteten sich auf die kirchlichen Kernaufgaben und auf eine Profilierung der geistlichen Grundlagen und Grundvollzüge kirchlichen Lebens: „Wir wollen an der inneren Kraft und Qualität, an der Anmut und dem Glanz unserer Gottesdienste arbeiten.“ Mit dieser Aussage eröffnete der Ratsvorsitzende die dreitägige Debatte auf dem EKD-Zukunftskongress.

Lutherstadt Wittenberg, 25. Januar 2007
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi

-> EKD-Berichterstattung aus Wittenberg

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Desmond Tutu: Der Krieg gegen den Terror kann nur gewonnen werden, wenn sich die Welt für arm und reich verändert

Der Krieg gegen den Terror kann "niemals" gewonnen werden, "solange es Lebensbedingungen auf der Welt gibt, die Menschen verzweifeln lassen", wie entwürdigende Armut, Krankheit und Unwissen, erklärte der Nobelpreisträger und ehemalige Erzbischof Desmond Tutu vor ökumenischen Teilnehmern und Teilnehmerinnen zu Beginn des Weltsozialforums (WSF) 2007 in Nairobi.

"Gott weint", sagte Tutu vor der ökumenischen Versammlung in der katholischen Holy Family Basilica in Nairobi, wenn er sieht, welch entsetzliche Dinge heute in der Welt geschehen. "Gott weint und spricht: 'Wer wird mir helfen, eine andere Welt aufzubauen, in der die Reichen wissen, dass sie viel erhalten haben, damit sie es mit anderen teilen und ihren Mitmenschen helfen?'" Eine Schöpfung, die sehr gut war, "hat sich in einen Albtraum verwandelt".

Tutu führte auf dieser Versammlung den Vorsitz zusammen mit Abune Paulos, dem Patriarchen der Äthiopischen Orthodoxen Kirche Tewahedo, und Erzbischof Zaccheaus Okoth, dem Präsidenten für die Ostregion von Caritas Africa. Die kenianische Nobelpreisträgerin Wangari Maathai nahm ebenfalls an dieser Veranstaltung am 20. Januar teil.

Tutu wies darauf hin, dass das "Grundgesetz unseres Daseins" sei, dass "wir alle miteinander verbunden sind". Deshalb "können wir nur gemeinsam, alle zusammen, etwas erreichen". Nur gemeinsam können wir frei, sicher und geborgen sein. Laut Tutu gilt dieses Gesetz auch für die Politik. "Noch nicht einmal die einzige Supermacht kann vollkommen unabhängig sein; sie braucht andere Staaten."

Auf dieser ersten Tagung des WSF in Afrika rief Tutu die Afrikaner und Afrikanerinnen auf, stolz auf ihr Erbe zu sein. "Wir sind nicht Gottes Stiefkinder", sagte er und erinnerte daran, dass es ein Afrikaner war, der Jesus geholfen hatte, sein Kreuz zu tragen, und dass Afrikaner auch unter den ersten Lehrern in der Urgemeinde gewesen waren. Zu den Leistungen Afrikas zählte Tutu die Überwindung von Sklaventum, Kolonialismus und Apartheid.

Nach den von Erzbischof Okoth geleiteten Gebeten und dem von Patriarch Paulos erteilten Segen zogen die Teilnehmenden in einer Prozession zur anglikanischen All Saints Cathedral, wo ein zweiter Teil dieser Zeremonie stattfand. Im Anschluss daran begaben sie sich zum Uhuru Park, um an der offiziellen Eröffnung des WSF teilzunehmen.

Zu den Mitgliedern der globalen ökumenischen Koalition beim WSF 2007 gehören die Gesamtafrikanische Kirchenkonferenz (AACC), APRODEV, das Brasilianische Ökumenische Forum, Caritas Internationalis, Internationale Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Solidarität (CIDSE), Globales Ökumenisches Aktionsbündnis (EAA), Frontier Internship in Mission, Koinonia, Lutherischer Weltbund (LWB), Pax Romana, Reformierter Weltbund (RWB), Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK), Christlicher Studentenweltbund (WCSF), CVJF und CVJM.
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Nazigegner protestieren am Holocaust-Gedenktag

Rotenburg/Verden (epd). Nazigegner wollen zum Holocaust-Gedenktag an diesem Sonnabend in Rotenburg und Verden gegen wachsende rechtsextreme Strömungen in der Region demonstrieren. In Rotenburg ist dazu nach Angaben der Organisatoren unter dem Motto "Augen auf - weggucken hilft nicht!" eine Kundgebung auf dem Neuen Markt geplant, die um 10 Uhr beginnt. In Verden soll es bereits am Vorabend um 18 Uhr eine Feierstunde am örtlichen Mahnmal für die jüdischen Opfer geben.

Hinter der Rotenburger Demonstration steht ein Zusammenschluss, an dem sich unter anderem Schüler, Gewerkschaftler, Politiker und der evangelische Kirchenkreis Rotenburg beteiligen. In Verden ruft das dortige "Bündnis gegen Rechtsextremismus" zur Teilnahme auf. Superintendent Hans-Peter Daub hob insbesondere die Initiative der Schüler vom Rotenburger Ratsgymnasium hervor, dem im Juli 2005 der Titel "Schule ohne Rassismus" verliehen wurde.

In Rotenburg hatten Anhänger der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD, die "Jungen Nationaldemokraten", einen Aufmarsch zum Holocaust-Gedenktag angemeldet. Die Aktion wurde allerdings von der zuständigen Ordnungsbehörde der Landkreis-Verwaltung verboten. Nach einer höchstrichterlichen Entscheidung darf es am Holocaust-Gedenktag keinen rechtsextremen Aufmarsch geben. (Internet: www.bgr-verden.de)

(epd Niedersachsen-Bremen/b0200/25.01.07)
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Diakonie Hannover will der Gewalt an Schulen vorbeugen

Hannover (epd). Mit dem Projekt "Starke Schule" will die Diakonie in Hannover der Gewalt an Schulen vorbeugen. Bis zu fünf Schulen könnten im kommenden Schuljahr von einem Experten der Diakonie für Gewaltprävention begleitet werden, sagte Diakonie-Pastor Walter Lampe am Donnerstag vor Journalisten in Hannover. Im vergangenen Schuljahr hat die Diakonie mit drei Grundschulen mit zusammen etwa 800 Schülern zusammengearbeitet und mit ihnen Konzepte und Methoden entwickelt, um den Schulalltag friedlicher zu machen.

Pastor Lampe sagte, jeder sechste Schüler in Deutschland habe unter Gewalt zu leiden: "Das reicht von Beleidigungen über Mobbing bis zu Schlägereien." Im Jahr 2004 seien 1.800 Straftaten an Schulen registriert worden. Präventionsarbeit und die gute Zusammenarbeit von Polizei und Schule hätten dazu beigetragen, dass die Zahlen leicht rückläufig seien. Wichtig sei es, die Ursachen von Gewalt zu erkennen: "Wir müssen das Kind auffangen, bevor es in den Brunnen fällt."

Projektleiter Thomas Heine beriet insgesamt 54 Lehrerinnen und Lehrer. Dabei tauschten sich die Pädagogen darüber aus, wo Gewalt beginnt, entwickelten ein Gesamtkonzept für ihre Schule und trugen es durch Projektwochen oder ein Schulfest in die Klassen hinein. Es gehe darum, die vorbeugende Arbeit langfristig an den Schulen zu etablieren, sagte Heine: "Konfliktkultur ist etwas, das im Alltag gelernt und trainiert werden muss."

Die drei Grundschul-Leiter berichteten, das Projekt mache sich im Schulalltag positiv bemerkbar. "Das Vertrauen der Schüler in die erwachsenen Personen an der Schule ist gewachsen", sagte Reinhard Brendel von der Fichteschule. Die Kinder wüssten jetzt, dass sie in Konfliktfällen dort Hilfe bekommen könnten. Jüngere Schülerinnen trauten sich inzwischen, gegenüber älteren Schülern auch einmal "Stopp" zu sagen, wenn Grenzen überschritten worden seien: "Sie haben gelernt, Nein zu sagen."

Laut Heine geht es nicht darum, Konflikte abzuschaffen. Diese sollten aber konstruktiv bearbeitet werden und nicht eskalieren. Die Schüler sollten lernen: "Wo ist meine Grenze, wann wird sie berührt und wie teile ich es mit, wenn sie überschritten worden ist?" Die Lehrer sollten dafür sensibel werden und in brenzligen Situationen eingreifen. Heine zufolge hatten sich insgesamt 20 Schulen darum beworben, bei dem Projekt mitmachen zu dürfen.

Gewaltprävention sei neben Armut und Einsamkeit inzwischen ein Schwerpunkt der Diakonie in Hannover, sagte Pastor Lampe. Für diese Arbeit wende das Diakonische Werk insgesamt 54.000 Euro im Jahr auf, die zum Teil über Stiftungen und Fonds finanziert würden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0199/25.01.07)
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Jens Petersen erhält Evangelischen Buchpreis 2007

Göttingen (epd). Der Arzt und Schriftsteller Jens Petersen erhält den Evangelischen Buchpreis 2007 für seinen Erstlingsroman "Die Haushälterin". Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung werde Petersen am 23. Mai in Hannover überreicht, teilte der Deutsche Verband Evangelischer Büchereien am Donnerstag in Göttingen mit.

Das Buch, in dem es um die Liebe eines Jugendlichen zur polnischen Haushälterin geht, sei eine "berührende Story", erklärte die Jury zur Begründung: "Petersens bewusst komponierte Erzählsprache und sein großes Talent zur genauen Beobachtung machen den Roman zu einem Lesevergnügen."

Petersen (30) stammt aus Pinneberg. Er studierte in München, Lima, New York, Florenz und Buenos Aires und lebt in Zürich. - Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 verliehen. Ausgezeichnet werden Bücher, „für die sich Christen einsetzen können“. Die Auswahl beruht ausschließlich auf Leser-Vorschlägen. Für den Evangelischen Buchpreis 2007 gingen nach Angaben des Verbandes 88 Empfehlungen ein.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0204/25.01.07)
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Kirchenbeamte und Pastoren können Sonderzahlung erwarten

Hannover (epd). Die evangelischen Kirchenbeamten und Pastoren in Niedersachsen können sich Hoffnung auf eine einmalige Sonderzahlung von 860 Euro in diesem Jahr machen. Rolf Krämer, Vizepräsident des Landeskirchenamts in Hannover, sagte dem epd am Donnerstag, es sei vorstellbar, dass die Kirchen eine entsprechende Regelung des Landes übernähmen. Dies müsse allerdings in der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen noch beschlossen werden.

"Pastoren und Kirchenbeamte bekommen 2007 wieder Weihnachtsgeld", hatte der Mitarbeiter-Vertretungs-Verband in der Konföderation in dieser Woche in einem Flugblatt verkündet. Der Deutsche Beamten-Bund sieht das anders: Er klage weiter gegen die Abschaffung des Weihnachtsgeldes, sagte Landesverbands-Vorsitzender Friedhelm Schäfer. Auch wenn die Sonderzahlung mit dem Dezembergehalt überwiesen werde, sei das noch kein Wiedereinstieg in das Weihnachtsgeld.

Die vom Landtag für 2007 beschlossene einmalige Sonderzahlung diene nur dazu, die Beamtengehälter für das laufende Jahr an die allgemeine Einkommensentwicklung anzupassen, sagte Schäfer dem epd. Eine Sprecherin des Finanzministeriums in Hannover bestätigte, dass 2008 die Beamtengehälter linear um drei Prozent erhöht werden sollen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0205/25.01.07)
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