Ladenöffnung: Vizepräsident plädiert für Sonntagsruhe

Nachricht 25. Januar 2007

Gifhorn (epd). Der Geistliche Vizepräsident des evangelischen Landeskirchenamtes in Hannover, Arend de Vries, hat vor Wirtschaftsvertretern für die Sonntagsruhe plädiert. "Wenn die Kirche sich in dem Kampf um die Ladenöffnungszeiten einmischt, dann nicht, weil ein Vormittag zum Beten fehlt", sagte er bei einem Empfang des Kirchenkreises Gifhorn für Handel und Handwerk. Es gehe vielmehr darum, dass Arbeit und Ruhe zusammen gehörten. Am Sonntag könne der Mensch von seiner Arbeit Abstand nehmen, um sich sozialen Kontakten, der Familie, der Bildung oder sich selbst zuzuwenden.

"Die Wirtschaft ist für den Menschen da, nicht umgekehrt", sagte de Vries in seinem am Donnerstag bekannt gemachten Redemanuskript. Der Vizepräsident plädierte für eine soziale Marktwirtschaft, die sich von Werten leiten lasse: "Wertorientierten Organisationen gehört die Zukunft." Wenn Zahlen dominierten, statt zu dienen, würden immer mehr soziale Gruppen ins gesellschaftliche Abseits gedrängt: "Wir würden ein kaltes Land ohne Zukunft."

De Vries zufolge passen protestantisches und marktwirtschaftlich-soziales Denken gut zueinander: "Der Markt braucht humane Leitbilder, um das kalte, rein auf Erfolg ausgerichtete Wirtschaften nicht siegen zu lassen." Er brauche außerdem christliche Leitbilder, um der Gemeinwohlorientierung und der sozialen Verpflichtung des Eigentums Raum zu geben. Studien hätten ergeben, dass eine partnerschaftliche wirtschaftliche Orientierung nachhaltigere Ergebnisse bringe als eine Unternehmenspolitik, die nur auf den eigenen Vorteil schaue.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0203/25.01.07)
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