Kulturkirche öffnet mit 100 Tonnen Sand

Nachricht 18. Januar 2007

Bremer Projekt will Kunst und Religion verbinden

Von Dieter Sell (epd)

Bremen (epd). Mehr als 100 Tonnen feiner und scharf gebrochener Sand erheben sich pyramidenförmig unter den mächtigen Bögen der historischen Bremer St.-Stephani-Kirche. Vier Lastzüge haben das Material angekarrt, aus dem unter den Händen von Künstlern auf dem Holzboden des Sakralbaues eine vergängliche Installation entsteht: "Geld wie Sand" heißt die monumentale Aktion, mit der am Wochenende Bremens "Kulturkirche" eröffnet wird. Sie reiht sich ein in eine bundesweit kleine Zahl ähnlicher Projekte, die Kirche und unterschiedliche Kunstformen verbinden wollen.

In Berlin, Köln, Hamburg und Lübeck gibt es bereits Kulturkirchen. Nun will die Bremische Evangelische Kirche einen ähnlichen Weg gehen. Hintergrund ist aber auch die sinkende Zahl von derzeit 1.200 Gemeindemitgliedern am westlichen Rand der Bremer Altstadt, für die das backsteinerne Kirchenschiff zu groß geworden ist. Anders als in anderen Städten wollen die Bremer nicht nur einen Raum vermieten. Mit Kooperationspartnern wie der örtlichen Hochschule für Künste, Radio Bremen und der Günter-Grass-Stiftung entstand ein Programm mit eigenem Profil.

Den Anfang machen die Künstler Jens Bommert, Dolf Bissinger und Henri Stridde mit ihrer knapp vier Meter hohen Sand-Pyramide, die aber optisch viel größer erscheint und das Machtsymbol Ägyptens zitiert. "Es ist ein Wandlungs-Kunstwerk", beschreibt Bommert. "Später werden Kinder die Pyramide zerstören und im Sand nach versteckten Schätzen suchen. Dann entsteht nach Art eines japanischen Zen-Gartens ein sauber geharktes 25 mal sieben Meter großes Sandfeld."

Das, was Bommert, Bissinger und Stridde tun, soll auch künftig in der neu bestuhlten und technisch angepassten "Kulturkirche" passieren, die als Projekt auf zunächst drei Jahre ausgelegt ist: Kunst und Religion aufeinander beziehen und Anstöße für Diskussionen liefern. Das Geld dafür ist knapp. Der kirchliche Jahresetat beträgt 30.000 Euro. "Wir müssen gute Kulturarbeit machen und zeigen, dass wir mit Ehrenamtlichen und geringen Mitteln ein attraktives Angebot auf die Beine stellen", sagt der designierte Projektleiter, Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz.

Das Interesse der Kulturszene ist schon jetzt groß. Und so hat sich auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zu einem Symposium angesagt, das an diesem Freitag unter dem Titel "Die neue Lust der Kirche an der Kultur" ein Glanzlicht zum Projektbeginn setzen soll. In schneller Folge sind dann unter Begleitung eines zwölfköpfigen Kuratoriums monatliche Kultur-Gottesdienste sowie Konzerte, Theater und Ausstellungen geplant.

"Aber auch künftig wird es hier Gemeindegottesdienste, Taufen und Trauungen geben", betont von Zobeltitz, der im Frühjahr aus dem Amt des leitenden Theologen der bremischen Landeskirche scheidet. So geben in St. Stephani demnächst nicht nur die drei Glocken im Turm den Ton an, auf deren Bronze die Begriffe Schöpfung, Friede und Gerechtigkeit gegossen sind. Parterre schwingt ab sofort die Kultur als vierte gewichtige Stimme mit.

Internet: www.kulturkirche-bremen.de)

(epd Niedersachsen-Bremen/b121/18.01.07)
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