EKD-Publikation zur kirchlichen Situation in ländlichen Regionen

Nachricht 18. Januar 2007

Ländliche Regionen sind für manche verbunden mit traditioneller Kirchlichkeit, für manche Stadtbewohner stehen sie für die „heile Welt“, andere sehen sie fast schon als Auslaufmodell. Vor allem sind ländliche Regionen vielfältig. Wie sich kirchliche Arbeit auf die strukturellen und demographischen Veränderungen in ländlichen Räumen einstellen kann, erläutert eine neue Publikation der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die 80-seitige Broschüre mit dem Titel „Wandeln und gestalten“ ist am heutigen Donnerstag, 18. Januar, in der Reihe EKD-Texte als Heft 87 veröffentlicht worden. Die sich wandelnde Situation sei nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance, schreibt der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, im Vorwort. „Allerdings muss sie wahrgenommen und gestaltet und nicht nur beklagt und erlitten werden.“ Er hoffe auf vielfältige Nutzung des Textes durch Kirchenvorstände, Kreissynoden und Pfarrkonvente, so der Ratsvorsitzende weiter. „Denn für die Zukunft unserer Kirche hängt viel daran, ob und wie sie „Land gewinnt“.“

Das Land steht nach verbreiteter Anschauung für den Bereich traditioneller, gefestigter, konservativ geprägter Kirchlichkeit. Mit dem Begriff Land verknüpft sich aber auch die Erfahrung von Landflucht, Überalterung und infrastruktureller Ausdünnung. Die Kirche stellt oft die letzte öffentliche Institution am Ort dar. Als „Trutzburg gegen den Trend“ wird versucht, das gemeindliche Leben in tradierter Form aufrecht zu erhalten und den Gottesdienst mit schrumpfender Besucherzahl fortzuführen. Diese Erfahrungen stellen die Beteiligten vor die Frage, welche Aufgaben und Möglichkeiten kirchliche Arbeit in ländlichen Räumen hat. Wie kann Kirche den Menschen nahe sein und bleiben, ohne sich selbst und vor allem ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei rückläufigen Ressourcen dauerhaft strukturell zu überfordern? „Wandeln und gestalten“ versucht der Frage nachzugehen, wie die Kirche heute diesem Missionsauftrag in ländlichen Räumen gerecht werden kann.

Den Anfang machen Aussagen von Menschen aus unterschiedlichsten ländlichen Räumen zu ihren Erfahrungen mit Kirche. Der zweite Abschnitt ist mit „Sehen lernen“ überschrieben: Kirchlichen Entscheidungsträgern soll eine Hilfe an die Hand gegeben werden, um die Situation der Kirche im jeweiligen ländlichen Raum realistisch und zugleich mit offenem Blick für die Zukunft wahrzunehmen. Der dritte Teil „Beurteilen können“ bietet ein Raster für die Beurteilung der jeweiligen Situation vor Ort. Kriterien werden gesucht, anhand derer man einschätzen kann: Was kennzeichnet die jeweilige Region, wie sehen ihre Wachstumsperspektiven aus? Anschließend werden unter der Überschrift „Entscheidung wagen“ theologische Zielsetzungen und Strategien beschrieben, die bei den nötigen Entscheidungen helfen können. Der letzte Abschnitt schließlich beinhaltet einzelne wichtige kirchliche Handlungskonsequenzen. Dabei werden Maßnahmen benannt, die sich für die Umsetzung der entwickelten Strategien auf der Ebene der Landeskirche, des Kirchenkreises oder der Region ergeben.

Der EKD-Text 87 „Wandeln und gestalten. Missionarische Chancen und Aufgaben der evangelischen Kirche in ländlichen Räumen“ wurde im Auftrag des Rates der EKD von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Bischof Martin Hein, Kassel, erarbeitet.

Hannover, 18. Januar 2007
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi

Hinweis:

Der Text im Internet: www.ekd.de/EKD-Texte/2059.html