Radio-Experte für ein gutes Gewissen

Nachricht 11. Januar 2007

Neue Sendung beantwortet Fragen der Alltagsethik

Von Karen Miether (epd)

Hermannsburg/Hannover (epd). Gewissensbisse beschäftigen Klaus Hampe. Selbst hat der 51-Jährige hat gerade ein schlechtes Gewissen. Er hat ein ledergebundenes Notizbuch bestellt, es versehentlich doppelt erhalten und nicht zurückgegeben. Mit der Frage "darf ich?" und dem inneren Zwicken befasst sich Hampe aber auch professionell. Vom 16. Januar an wird der Journalist aus Hermannsburg als "Gewissensexperte" im Radio auf NDR 1 Niedersachsen Hörerfragen beantworten.

"Frag dein Gewissen" heißt die Reihe zur Alltagsethik, die die Evangelische Radiokirche Hannover gefördert von der Hanns-Lilje-Stiftung produziert. "In bis zu zweieinhalb Minuten soll es eine Hilfestellung mit Augenzwinkern und keine Moralpredigt geben. Wir wollen Menschen in Backstuben, Büros oder im Auto erreichen", sagt Pastor Jan von Lingen von der Radiokirche. Zunächst ein halbes Jahr sollten die Beiträge dienstags zwischen 10 und 12 Uhr ausgestrahlt werden.

Der Experte Hampe wurde unter mehreren Bewerbern ausgewählt. Im Hauptberuf leitet der gelernte Buchhändler und Journalist die Öffentlichkeitsarbeit des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen, das vom Heideort Hermannsburg aus Kontakte in alle Welt unterhält. "Ich schreibe viel über Menschen aus anderen Kulturen. Ich muss mich dabei immer fragen, ob ich nicht unbemerkt Vorurteile transportiere", sagt er. Als Gewissensexperte gehe er ähnlich vor.

"Wir richten uns oft unbewusst an Werten aus, die wir von Eltern oder Autoritäten übernommen haben", sagt er. Diese Maßstäbe müsse sich bewusst machen, wer angemessen handeln will. Hampe setzt auf ungewöhnliche Blickwinkel - etwa bei der Frage, ob man einem Obdachlosen Geld geben soll, wenn dieser es womöglich für Alkohol ausgibt: "Ich sehe das als geschäftliche Transaktion. Ich kaufe ein gutes Gefühl, indem ich etwas gebe. Dann aber gehört das Geld nicht mehr mir."

Anregungen holt sich der Gewissensexperte von seinem Bruder, der Philosophieprofessor ist, und aus einer Ausbildung im Bereich Persönlichkeitsentwicklung, die er zu Zeit absolviert. "Ein paar Jahre auf dem Buckel, Lebenserfahrung und Humor" hält er für weitere Qualifikationen. Die Jury hätten Stimme und Leichtigkeit der Sprache überzeugt, berichtet Jan von Lingen. "Was der Mensch sagt, gilt uns mehr als ein Doktortitel."

Die Anregung zur Reihe stamme aus den USA, sagt Markus Götte vom Medienbüro Konigsworth in Hannover. Dort beantworte der Kolumnist Randy Cohen als "Ethiker" in der New York Times Gewissenfragen. Auch deutsche Zeitungen hätten sich davon anregen lassen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0051/11.01.07)
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