Auf einen Blick (30.12.)

Nachricht 29. Dezember 2006

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Das aktuelle Stichwort: Silvester

Hannover (epd). Der letzte Tag des Jahres verdankt seinen Namen einem Papst aus dem vierten Jahrhundert: Silvester I. Der Bischof von Rom starb am 31. Dezember 335. Später wurde er heilig gesprochen, und so erhielt sein Todestag seinen Namen. Der 1. Januar war schon mit der Kalenderreform Julius Caesars im Jahr 46 vor Christi Geburt als Jahresbeginn bestimmt worden.

Schon früh wurde der Jahreswechsel von rituellen Festen und Volksbräuchen begleitet. Böse Geister des vergangenen Jahres sollten durch Lärm vertrieben werden. Im Blick auf das kommende Jahr wurde die Zukunft gedeutet. Beide Traditionen leben in Feuerwerken, Horoskopen und Bleigießen bis heute fort. Der "gute Rutsch" als Silvestergruß geht auf den hebräischen Begriff "rosh" zurück, was "Kopf" oder "Anfang" bedeutet. Der "gute Rutsch" ist so wortwörtlich der Wunsch eines guten Beginns.

In den christlichen Kirchen haben sich am Silvesterabend Andachten zum Jahreswechsel durchgesetzt, immer häufiger auch eine Stunde vor Mitternacht. In den Städten beginnen kurz vor 24 Uhr die Glocken der großen Kirchen zu läuten. Auch am Neujahrstag finden vielerorts Gottesdienste statt. Das christliche Kirchenjahr hat bereits am 1. Advent begonnen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3684/28.12.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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Professor: Kirche wird verstärkt das Internet nutzen

Hannover/Göttingen (epd). Kirchengemeinden werden sich nach Meinung des Göttinger Religionswissenschaftlers Professor Andreas Grünschloß in Zukunft verstärkt im Internet präsentieren. "Es würde kleinkariert wirken in einer Stadt, wenn nicht auch die Kirchen wenigstens Minimalinformationen anbieten würden", sagte er in einem Interview der neuesten Ausgabe der evangelischen Mitarbeiterzeitschrift "Dialog".

Dazu gehörten die Gottesdienstzeiten, die Namen der Prediger und Hinweise auf Veranstaltungen. Grünschloß verglich die kirchlichen Internet-Portale mit Autobahnkirchen: "Das sind eben Angebote auf dem Daten-Highway."

Nach Angaben seiner Mitarbeiterin Kristin Futterlieb wird das Internet von den Kirchen im englischsprachigen Raum bisher stärker genutzt als in Deutschland. Dort träfen sich Gemeinden bereits sowohl per Internet als auch in der Realität. "Allerdings sind nur solche virtuellen Gruppierungen zusammengeblieben, die sich auch persönlich kennengelernt haben", sagte sie. Vereinzelt gebe es sogar die Möglichkeit, auf dem Bildschirm online das Abendmahl einzunehmen.

Professor Grünschloß, der auch Pastor ist, beurteilte Entwicklungen wie das Abendmahl im Internet skeptisch: "Zum rituellen Vollzug gehört die reale Gemeinschaft." Er sehe ein solches Angebot als "Notlösung". Er wolle dies aber nicht ausschließen, wenn etwa jemand bewegungsunfähig sei.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3497/28.12.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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Gerrit Noltensmeier wird Ratsbeauftragter für den Sudan

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sei besorgt über die zerbrechliche Situation im Sudan. Dies schreibt der Vorsitzende des Rates, Bischof Wolfgang Huber, an den Sudan Council of Churches in Khartoum und den New Sudan Council of Churches, der seinen Sitz in Nairobi (Kenia) hat. Deshalb setze der Rat sein Mitglied, Landessuperintendent i. R. Gerrit Noltensmeier, als besonderen Beauftragten des Rates der EKD für den Sudan ein. Er werde ergänzend zu Brot für die Welt (Stuttgart), dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED, Bonn) und dem Sudan Focal Point Europe (SFP-E) die Beziehung insbesondere zu den Kirchen im Südan halten und stabilisieren. Der Rat der EKD wolle damit die Kirchen im Sudan unterstützen, einen gerechten und tragenden Frieden zu ermöglichen.

Der Ratsvorsitzende erinnert in seinem Schreiben an die Delegationsreise des Rates in den Sudan vor einem Jahr, an der auch Gerrit Noltensmeier teilgenommen hat, und an einen Besuch einer Delegation im März dieses Jahres, zu der auch das Ratsmitglied Nikolaus Schneider gehörte. Zudem hätten die Informationen von Brot für die Welt, vom EED und durch Marina Peters vom SFP-E zu Diskussionen im Rat über die Situation und die Entwicklungen im Sudan geführt. Der Rat der EKD wolle engere Beziehungen und eine noch stabilerer Kommunikation mit den Kirchenräten im Sudan. Gerrit Noltensmeier soll die beiden Kirchenräte bei Ihrer Mission der Versöhnung unterstützen.

Der Ratsvorsitzende kündigt an, dass es auf dem World Social Forum im Januar 2007 in Nairobi zu ersten Gesprächen zwischen Vertretern der sudanesischen Kirchenräten und Gerrit Noltensmeier kommen könne.

Pressestelle der EKD
Christof Vetter
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Menschenwürde als Maßstab der Europapolitik
Rat der EKD äußert sich zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft

Aus Anlass der EU-Ratspräsidentschaft der Bundesrepublik Deutschland hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einer Erklärung betont, dass „für den christlichen Glauben die Menschenwürde unbedingten Charakter habe.“ Sie leite sich nicht aus Leistungen ab, sondern sei jedem Menschen von Gott zuerkannt worden. Sie gelte universell und beziehe sich auch auf die, „die sich nicht artikulieren können: Ungeborene, Behinderte, Sterbende“ heißt es in der Erklärung, die zwischen den Jahren veröffentlicht wird.

Die EKD trete unverändert dafür ein, dass in den europäischen Verfassungsvertrag ein ausdrücklicher Bezug auf die Verantwortung vor Gott und auf die Bedeutung der jüdisch-christlichen Tradition aufgenommen wird. Der Rat sieht in dem Europäischen Verfassungsvertrag und der Grundrechtecharta einen wichtigen Ansatz dafür, das Eintreten für Grundrechte und Demokratie als gemeinsame Verpflichtung wahrzunehmen, heißt es in der Erklärung. Der Rat der EKD erwartet, dass europäische Politik am Maßstab der Menschenwürde und eines ihr entsprechenden Menschenbildes ausgerichtet werde. So dürfe Bildung nicht allein auf den Erwerb von beruflichen Kompetenzen reduziert werden, sondern umfassend und über die Einsetzbarkeit von Menschen hinausgehend organisiert werden.

Eine „faire, effektive und transparente Zuwanderungspolitik“ wird vom Rat ebenso gefordert wie der Einsatz für die Menschenrechte auch in den Nachbarstaaten der EU. Als weitere Beispiele werden in dem Schreiben die globale Armutsbekämpfung und eine verantwortliche Energiepolitik verbundne mit einem aktiven Klimaschutz.

Hannover/Berlin, 29. Dezember 2006
Pressestelle der EKD
Christof Vetter


Im Wortlaut:


Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus Anlass der Ratspräsidentschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Europäischen Union

I.

Seit dem Jahr 1989 haben sich die politischen Verhältnisse in Europa tiefgreifend gewandelt. Zahlreiche Länder, die nicht nur von Westeuropa aus jenseits des Eisernen Vorhangs lagen, sondern auch einen politischen Gegensatz zu den Europäischen Gemeinschaften bildeten, haben ihren Beitritt zur Europäischen Union erklärt. Der Dank für diesen friedlichen Wandel verbindet sich mit einer entsprechenden Verpflichtung für die Zukunft. Für den weiteren Weg der Europäischen Union ist es entscheidend, dass die 27 Mitgliedsstaaten sich als eine Wertegemeinschaft verstehen und eine verlässliche europäische Politik nach innen wie nach außen gemeinsam verantworten. Schon heute beruht Europa auf den gemeinsamen Grundwerten von Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und Menschenrechten. Fundament dieser europäischen Grundwerte ist die Garantie der Menschenwürde. Ihr Ziel ist ein Zusammenleben in Frieden und Solidarität.

Für den christlichen Glauben hat die Menschenwürde unbedingten Charakter. Sie leitet sich weder aus bestimmten Eigenschaften noch aus bestimmten Leistungen der Menschen ab. Sie ist vielmehr eine Würde, die jedem Menschen von Gott zuerkannt wird. Sie gilt universal, also auch für den, der sich für ihre Begründung und Herleitung auf andere Quellen als diejenigen des Glaubens beruft. Sie bezieht sich auch auf die, die sich nicht artikulieren können: Ungeborene, Behinderte, Sterbende.

Zu den Konsequenzen dieser Würde gehört, dass der Mensch in keiner Phase seines Lebens nur unter dem Gesichtspunkt seiner Nützlichkeit oder Brauchbarkeit betrachtet werden kann; er darf niemals bloß als Mittel zum Zweck angesehen werden. Wenn mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Deutschland im ersten Halbjahr 2007 zugleich das "Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle" beginnt, so findet dieser Gedanke hierin einen konkreten Ausdruck.

Die christlich-jüdische Tradition hat die Entwicklung der Grundwerte der Europäischen Union wesentlich geprägt. Diese Grundlagen müssen immer wieder neu verdeutlicht und verstärkt ins Bewusstsein gehoben werden. Denn die Bürgerinnen und Bürger werden sich mit der Europäischen Union nur in dem Maß identifizieren, in dem sie sich auf die Achtung ihrer jeweiligen Kultur, Religion und Geschichte verlassen können.

Die Evangelische Kirche in Deutschland sieht in dem Europäischen Verfassungsvertrag und der Grundrechtecharta einen wichtigen Ansatz dafür, das Eintreten für Grundrechte und Demokratie als gemeinsame Verpflichtung wahrzunehmen. Sie tritt unverändert dafür ein, dass in den europäischen Verfassungsvertrag ein ausdrücklicher Bezug auf die Verantwortung vor Gott und auf die Bedeutung der jüdisch-christlichen Tradition aufgenommen wird.


II.

Europäische Politik nach diesen Wertvorstellungen zu gestalten heißt, sie am Maßstab der Menschenwürde und eines ihr entsprechenden Menschenbildes auszurichten. Dazu gehört es, Bildungschancen für alle zu eröffnen und Befähigungsgerechtigkeit insbesondere für die junge Generation zu verwirklichen. Gerade in diesem Bereich müssen Benachteiligungen überwunden statt verfestigt werden. Die Beachtung der Menschenwürde lässt es nicht zu, dass der Bildungsanspruch jedes Menschen auf den Erwerb von beruflichen Kompetenzen reduziert wird. Bildung ist vielmehr umfassend und geht über die Einsetzbarkeit von Menschen im Dienst der globalen Konkurrenzfähigkeit eines Landes hinaus.

Aus dem Respekt für die gleiche Würde jedes einzelnen ergibt sich auch die Verpflichtung, eine stabile Sozialordnung zu entwickeln, die den sozialen Frieden gewährleistet und auch schwache, benachteiligte, behinderte und alte Menschen einbezieht. Diese Aufgabe ist ebenso wichtig wie die Gestaltung einer Wettbewerbsordnung, die gute Rahmenbedingungen für effektives wirtschaftliches Handeln schafft.

In den Kriegen des letzten Jahrhunderts haben viele Menschen unter Gewalt, Armut und Vertreibung gelitten. Gerade deshalb kommt der Europäischen Union eine besondere Verantwortung für Menschen zu, die als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention oder als anderweitig Verfolgte internationalen Schutzes bedürfen. Die Europäische Union darf sich nicht wie eine "Festung" abschotten. Die weitere Harmonisierung der europäischen Asylsysteme ist dringlich. Internationale Menschenrechtsstandards und die Wahrung der Menschenwürde sind unverletzliche Grundlagen auch beim Umgang mit irregulären Einwanderern. Eine gemeinsame faire, effektive und transparente Zuwanderungspolitik sowie die Verbesserung der Rechtsstellung von Flüchtlingen, Zuwanderern und Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus sind dringend notwendig.

Mit ihrer Nachbarschaftspolitik will die Europäische Union zur Stabilisierung Europas jenseits der neuen Außengrenzen einen "Ring befreundeter Länder" mit zunehmend engeren Beziehungen aufbauen, ohne dass diese Staaten der EU beitreten. Bei der Weiterentwicklung dieser Politik müssen neben der Vertiefung der wirtschaftlichen Kooperation die Menschenrechte sowie der Kampf gegen Menschenhandel stärkeres Gewicht erhalten. In der politischen Zusammenarbeit muss dabei vorausgesetzt werden, dass diese Nachbarstaaten als offene Gesellschaften verfasst sind, die unterschiedlichen Lebensformen und Lebensentwürfen Raum geben.

Die Europäische Union wird in wachsendem Maß globale Verantwortung wahrnehmen. Wir befürworten, dass die Europäische Union in der Entwicklungszusammenarbeit die Armutsbekämpfung als vorrangiges Ziel anerkennt. Wir treten für eine entwicklungspolitisch stimmige Gestaltung aller Politikbereiche ein.

Der Klimawandel macht deutlich, dass uns eine Erde mit begrenzten Ressourcen anvertraut ist und wir den Folgen unseres Lebensstils nirgendwo entkommen. Energiepolitik muss als aktiver Klimaschutz verstanden werden und sollte sich daher nicht allein an den Zielen von Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit ausrichten. Vielmehr muss der Nachhaltigkeit höchste Priorität eingeräumt werden, damit die Lebensgrundlagen der kommenden Generationen nicht heute aufgebraucht werden. Dem dienen insbesondere die Entwicklung erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz.

III.

Seit Jahrzehnten ist die Evangelische Kirche in Deutschland eingebunden in kirchliche europäische Netzwerke, insbesondere als Mitglied der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). In diesen, die Grenzen überschreitenden Gemeinschaften leisten die europäischen Kirchen in Begegnungen, Partnerschaften, Dialogen und Projekten vielfältige Beiträge zur Vertiefung einer europäischen Wertegemeinschaft und zum Zusammenwachsen unseres Kontinents. Die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen ist ein Modell für die Einheit in versöhnter Verschiedenheit, wie sie in Europa gebraucht wird. Die 3. Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu/Hermannstadt im September 2007 wird unter dem Thema stehen: "Das Licht Christi scheint auf alle - Hoffnung auf Einheit und Erneuerung für Europa". Damit wird ein zentrales Motiv unseres christlichen Glaubens aufgenommen, das wir in die europäische Wertegemeinschaft einbringen: Christus als Licht der Welt zeigt uns den Weg dazu, für Menschenwürde und Menschenrechte sowie für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.

Hannover im Dezember 2006