Landesbischöfin will für Schutz des Sonntags streiten

Nachricht 28. Dezember 2006

Hannover (epd). Sonntagsschutz und Rechtsradikalismus sind nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann gesellschaftliche Themen, in die die Kirchen sich im neuen Jahr einmischen sollten. Die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland sagte am Donnerstag im epd-Gespräch in Hannover, dass sie sich mit allen verfügbaren juristischen Mitteln für den Schutz des Sonntags als arbeitsfreien Feiertag einsetzen werde.

"Zur Not werden wir eine Klage durch alle rechtlichen Instanzen hindurch prüfen lassen", sagte die Bischöfin. Die Kirchen dürften nicht den Fehler vom Buß- und Bettag von 1995 wiederholen. Sie hätten sich damals zu lange auf die Verantwortung der Politiker verlassen, den Feiertag zu erhalten. "Wir müssen frühzeitig mit einer Kampagne für den Sonntagsschutz beginnen und an das Bewusstsein der Menschen appellieren."

Es gehe dabei nicht nur um die sonntäglichen Gottesdienste, sondern auch um den Schutz der Familie und des Gemeinwohls, sagte Käßmann. Rechtsexperten der Evangelischen Kirche in Deutschland prüften zurzeit die Erfolgschancen einer Verfassungsbeschwerde.

Zu der Entwicklung von rechtsradikalen Übergriffen in Deutschland sagte die Bischöfin, dass die Zahlen alarmierend seien. "Wir dürfen diesen Hetzern keinen Raum geben und müssen ihnen öffentlich widersprechen, ohne uns Angst machen zu lassen." Hier sei das Mitmachen vieler gefragt, denn eine Demokratie brauche engagierte Bürgerinnen und Bürger.

Mit fremdenfeindlichen und antisemitischen Parolen würden vor allem Menschen eingefangen, die keine Perspektiven hätten. Deshalb plädiere sie auch dafür, noch einmal ein Verbot der NPD juristisch prüfen zu lassen, sagte Käßmann. "Es ist für mich inakzeptabel, wenn rechtsradikales Gedankengut von einer Partei vertreten wird, die durch ihre Wählbarkeit legitimiert ist." Solange dies geschehe, müsse sich kein Wähler Gedanken darüber machen, ob das Programm dieser Partei überhaupt mit dem Rechtsstaat vereinbar sei.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3521/28.12.06)
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