Landesbischöfin will sich weiter für Bleiberecht einsetzen

Nachricht 27. Dezember 2006

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann will sich weiter für ein Bleiberecht langjährig geduldeter Flüchtlinge einsetzen. "Es ist leider im vergangenen Jahr nicht gelungen, die große Lösung zu finden, auf die die Kirchen gehofft hatten", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland am Mittwoch im epd-Gespräch in Hannover. Es müsse gerade auch für Menschen, die psychisch traumatisiert oder krank seien und für Familien mit Kindern eine Regelung geben.

Jeder Flüchtling sei ein Botschafter des weltweit herrschenden Elends, sagte Käßmann. "Wir sind auch dazu aufgerufen, in den Herkunftsländern zur Veränderung beizutragen. Wir müssen bereit sein, in die Länder des Südens so zu investieren, dass dort ein lebenswertes Leben möglich wird." Es gehe nicht um Almosen, sondern um Menschlichkeit: "Die Menschen müssen in die Lage versetzt werden, ihr Land zu bebauen und sich selbst ernähren zu können."

Die Bischöfin kritisierte, dass das Thema Rüstungsexporte in Entwicklungsländer in der Öffentlichkeit inzwischen fast völlig verschwiegen werde: "Wer produziert und liefert die Waffen, und wer verdient an ihnen?" Die USA investierten allein für den Militäreinsatz im Irak pro Monat rund acht Millionen Dollar. Auch die Kirchen müssten sich fragen, wie ihr Engagement im neuen Jahr aussehen solle, um Waffenhandel und Kriege zu verhindern.

Der Lutherische Weltbund feiere im Jahr 2007 sein 60-jähriges Bestehen, der Ökumenische Rat der Kirchen ein Jahr später. Alle Kirchenbünde seien einst gegründet worden, um den Frieden voran zu bringen, sagte Käßmann: "Heute müssen wir uns fragen, was tragen diese Organisationen inzwischen aktuell dazu bei?"

Auch die Konflikte im Nahen Osten sollten nach Auffassung der Bischöfin eine Herzensangelegenheit aller Christen sein. "Das Leiden der Palästinenser geht uns sehr nah", sagte Käßmann: "Aber als Deutsche und als Christen sollten wir immer auch unsere besondere Solidarität mit Israel und mit Menschen jüdischen Glaubens im Blick behalten." Das Judentum dürfe dabei aber nicht mit dem Staat Israel verwechselt werden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3518/27.12.06)
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