Landesbischöfin will Kinderarmut zum zentralen Thema machen

Nachricht 22. Dezember 2006

Hannover (epd). Der Kampf gegen Kinderarmut muss nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann eine zentrale Aufgabe der Kirche im neuen Jahr werden. "Es ist ein Skandal, dass jedes siebte Kind von der Sozialhilfe abhängig ist", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland am Freitag im epd-Gespräch in Hannover. Kinder, Schulen und Bildung sollten deshalb zum Schwerpunktthema der evangelischen Kirchen werden.

"Es ist unfassbar für mich, dass es in unserer Konsumgesellschaft Kinderarmut in diesem Ausmaß gibt", sagte Käßmann, die Mutter von vier Töchtern ist. Gerade ein kinderarmes Land wie Deutschland müsse jedes Kind besonders fördern: "Wir brauchen die Kinder, und die Kinder brauchen uns." Kinder seien auch kein abseitiges Frauenthema, sondern eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft.

Viele Kinder litten unter massiven Problemen, von Ängsten und Perspektivlosigkeit über Gewalterfahrungen und Drogenabhängigkeit bis zu Suizidgedanken. Die aufsuchende Sozialarbeit müsse deshalb besonders gefördert werden, um niederschwellige Angebote für die Familien machen zu können. Die Amokläufe von Erfurt und Emsdetten zeigten, dass Jugendliche eine besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchten, sagte die Bischöfin: "Wo haben derartig verzweifelte junge Menschen eine Anlaufstelle?"

Trotz aller Kritik biete das von Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) initiierte "Bündnis für Erziehung" wichtige Ansatzpunkte, um die Situation in den Familien zu verbessern. Dazu gehöre die Idee, Kindertagesstätten zu Familienzentren auszubauen, in denen Nachbarschaftshilfe, Erziehungsberatung oder auch Deutschkurse für ausländische Mütter angeboten würden, sagte Käßmann. "Ich freue mich, dass sich viele Einrichtungen durch das Bündnis ermutigt fühlen, selbst aktiv zu werden und den Familien Angebote zu machen." Sie schlage vor, die Arbeit der Kindertagesstätten zudem stark mit den Grundschulen zu vernetzen.

Als Seelsorger vor Ort hätten auch Schulpastoren eine wichtige Aufgabe. "Die Kirche muss in ihre Präsenz an öffentlichen Schulen investieren", forderte Käßmann. Fortbildungen der hannoverschen Landeskirche für Religionslehrer und Schulleiter, in denen auch soziale und ethische Probleme thematisiert würden, seien regelmäßig überfüllt.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3485/22.12.06)
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