Bischof mit Respekt für das "irrende Gewissen" - Braunschweiger Altbischof Gerhard Heintze ist gestorben

Nachricht 15. Dezember 2006

Von Manfred Laube (epd)

Wolfenbüttel (epd). Der am Donnerstagabend gestorbene Braunschweiger Altbischof Gerhard Heintze (94) galt als fundierter Theologe. Er hatte über "Die Predigt von Gesetz und Evangelium bei Martin Luther" promoviert. Fünfmal wurden ihm Professuren für Praktische Theologie angeboten. Auch als Nachfolger des hannoverschen Landesbischofs Hanns Lilje sei Heintze im Gespräch gewesen, erinnert sich Dietrich Kuessner, Pfarrer im Ruhestand und Autor zahlreicher Publikationen zur Geschichte der braunschweigischen Landeskirche.

Heintze wurde 1965 von der braunschweigischen Landessynode gewählt und trat nach eigenem Verständnis für die "Demokratisierung der Kirche durch Vertiefung in das Evangelium" ein. Nach seinem Amtsantritt unterstützte er die Ostdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bekannte sich damit zum politischen Wächteramt der Kirche und zur Versöhnung mit den östlichen Nachbarstaaten.

Heintze habe auf Anregung des SPD-Politikers Erhard Eppler auch eine Unterschriftenaktion zugunsten der Ostverträge ins Leben gerufen, sagt Kuessner. Das habe damals dramatische Sitzungen in der Konferenz der lutherischen Bischöfe ausgelöst. Mit Heintzes Amtsantritt wurde Frauen auch der Zugang zum Pfarramt ermöglicht. Pfarrern, die dem Pastorinnengesetz nicht zustimmen konnten, sicherte der Bischof "Gewissensschutz" zu und ermöglichte ihnen damit ein Verbleiben in der Landeskirche.

In einem epd-Interview hielt er auch im Jahre 1992 noch an dieser Position fest: "Das Gewissen muss man respektieren, auch wenn es ein irrendes Gewissen ist." Mit äußerem Zwang sei nichts zu erreichen, sondern nur mit dem Versuch, den eigenen Standpunkt möglichst klar darzulegen. Auch als 80-jähriger Ruheständler in Stuttgart bedauerte Heintze weiterhin, dass die katholische Kirche noch immer kein gemeinsames Abendmahl mit den Protestanten zulasse und dass es zu wenig gemeinsame Gottesdienste gebe. Er empfahl, in "einem aufrechten ökumenischen Geist" die kritischen Fragen offen anzusprechen.

Braunschweigs Landesbischof Friedrich Weber erlebte Heintze zum ersten Mal an dessen 90. Geburtstag vor vier Jahren. Heintze sei ihm "in unnachahmlich freundlicher Weise" begegnet, sagte Weber. Heintzes nicht nachlassendes Interesse an seiner ehemaligen Landeskirche und an Menschen, nach denen er sich immer wieder erkundigte, hätten ihn sehr bewegt.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3495/15.12.06)
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