EKD-Auslandsbischof zum Internationalen Tag der Menschenrechte

Nachricht 10. Dezember 2006

„Mit Sorge beobachtet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Zunahme repressiver Gewalt und Verletzungen der Menschenwürde etwa in Eritrea und Äthiopien.“ Dies erklärte der Auslandsbischof der EKD, Martin Schindehütte, anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember.

So werden in Eritrea Angehörige christlicher Kirchen und anderer Religionsgemeinschaften verfolgt und in der Freiheit der von der 1997 verabschiedeten Verfassung garantierten Religionsausübung behindert. Von den Partnern in Eritrea sei zu erfahren, so der Auslandsbischof, dass Mitgliederkirchen der Eritrean Evangelical Alliance das Recht auf Versammlungsfreiheit verweigert und Druck auf unliebsame Persönlichkeiten auch in den anerkannten Religionsgemeinschaften der Eritrean Orthodox Church, der Eritrean Catholic Church, der Evangelical Church of Eritrea und dem Muslim Council of Eritrea ausgeübt. Die Orthodoxe Kirche Eritreas ist Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), die Evangelical Church of Eritrea gehört dem Lutherischen Weltbund an. Der Patriarch der Orthodoxen Kirche, Abune Antonios, sei im Februar aus seinem Amt verdrängt worden, nachdem er sich mehrfach gegen die staatliche Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten wehrte. Das Evangelische Missionswerk in Hamburg (EMW) weist auf die Verhaftung von drei Priestern hin, die auch in Berichten von Amnesty International dokumentiert sei. Dort werde auch von Verhaftungen und teilweise von Folter bei 1750 Angehörigen überwiegend evangelikaler und charismatischer Kirchen seit 2003 berichtet. Auch zahlreiche Angehörige muslimischer Gemeinden seien davon betroffen.

In Äthiopien sei die Gewalt seit den Wahlen im Mai 2005 flächendeckend eskaliert. Die Handlungsräume für zivilgesellschaftliche Organisationen seien entscheidend eingeschränkt. Beunruhigende Nachrichten liegen aus den Regionen vor, in denen die Regierungspartei keine Mehrheit erhalten habe. So werde religiös und politisch motivierte Gewalt in Äthiopien von der schweizerischen Friedenstiftung dokumentiert. Im September und Oktober sei es zu Gewaltaktionen von bislang unbekanntem Ausmaß gegen Kirchen im Westen Äthiopiens gekommen, wird nach Angaben des Auslandsbischofs berichtet. In der Region Illubabor und in Beghi-Gidami sollen 25 Kirchengebäude der orthodoxen und der Mekane-Yesus-Kirche, beide Mitglieder des ÖRK, und eine Moschee zerstört worden sein. Dabei seien 16 Menschen getötet worden und etwa 500 Personen haben ihr Hab und Gut verloren. Unzählige Menschen seien verletzt worden. Einige befinden sich noch in ärztlicher Behandlung – auch im Aira-Hospital der Mekane-Yesus Kirche.

Bischof Schindehütte erklärte, dass die EKD und die mit ihr verbundenen Dienste und Werke die Kirchen in Eritrea und Äthiopien in der Wahrnehmung ihrer verfassungsmäßigen Rechte und in dem Versuch, in lokalen Konflikten deeskalierend einzugreifen, unterstützen. Die EKD appelliert an die Bundesregierung und die Europäische Kommission, sich mit Nachdruck für die Einhaltung der Menschenrechte in Eritrea und in Äthiopien einzusetzen und das zivilgesellschaftliche Engagement der Kirchen und anderer gesellschaftlicher Gruppen zu fördern. Die Ereignisse aus den beiden genannten afrikanischen Ländern seien nur Beispiele von unzähligen Menschenrechtsverletzungen weltweit. Der Auslandsbischof fordert die evangelischen Christen auf, am Tag der Menschenrechte, der in diesem Jahr auf den 2. Advent fällt, der Menschen zu gedenken, deren Würde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten wird. Die Botschaft des 2. Advents: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“ dürfe keine Vertröstung auf das Morgen sein. Christen beten dafür und arbeiten daran, dass es für alle, die aus Schmerz und aufgrund von Unterdrückung den Kopf gesenkt halten, ihn wieder erheben können, so Schindehütte.

Pressestelle der EKD
Christof Vetter