Bischof: Sinnsuche ist Herausforderung für die Kirche

Nachricht 09. Dezember 2006

Hannover (epd). Der Leitende Bischof der deutschen Lutheraner, Johannes Friedrich (München), hat das wachsende Bedürfnis nach Religion und Spiritualität in der Gesellschaft als "riesige Herausforderung" für die evangelische Kirche bezeichnet. Viele Menschen ließen sich bei ihrer Suche nach Sinn heute jedoch von "obskuren Riten und Praktiken" ansprechen, die für moderne Menschen eigentlich nicht nahelägen, sagte er am Freitag in Hannover. Der bayerische Bischof stellte vor Journalisten die Neuauflage des "Handbuches Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen" vor.

Die Kirche stehe vor der Aufgabe, das Interesse und das Vertrauen dieser Menschen zu gewinnen, ohne selbst solche Praktiken zu verwenden, sagte Friedrich. Das neu bearbeitete lutherische Handbuch sei ein Beitrag dazu: "In dieser zuweilen verworrenen Situation sieht es die Kirche als eine wichtige Aufgabe an, zu Klarheit und Orientierung zu verhelfen." Im Zuge der Globalisierung würden auch in Deutschland Elemente aus anderen Religionen und Kulturen übernommen. Dadurch entstünden neue Gruppen, die nur schwer einer Richtung zuzuordnen seien.

Das Handbuch mit jetzt 1.167 Seiten erscheint seit mehr als 40 Jahren und gilt als Klassiker. Für die sechste Auflage galt ein besonderes Augenmerk der Scientology-Organisation, erläuterte Mitherausgeber Hans Krech. Diese versuche derzeit, über Nachhilfe-Unterricht den Zugang zu Familien zu finden. Besonders im Blick sei auch die Gemeinschaft "Universelles Leben", die durch Plakataktionen gegen die evangelische Kirche hervortrete. - Das Handbuch ist im Auftrag der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) im Gütersloher Verlagshaus erschienen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3411/08.12.06)
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